Bildung auf einen Blick 2014Mehr Aufstieg durch Bildung möglich machen!

Erstklässler mit Schultüte

Der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ zeigt, dass Deutschland bei der Bildung weiterhin nur Durchschnitt ist. Zwar haben sich die Ergebnisse bei den Studierenden und den Meisterinnen verbessert, aber selbst 13 Jahre nach dem „PISA-Schock“ ist das Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ noch immer für viel zu viele Menschen unerreichbar. OECD-Vertreter Heino von Meyer forderte deswegen die Bildungs- wie Haushaltspolitik auf, sich die Ergebnisse nicht schön zu reden: „Mit leichten Verbesserungen darf sich niemand zufriedengeben.“ Andere Staaten, die sich zielstrebig ans Verbessern ihres Bildungssystems gemacht haben, holen mit Riesenschritten auf. Deutschlands Vorsprung schmilzt dahin.

Eine Hauptursache dafür ist die soziale Ungerechtigkeit in den Übergängen zwischen den deutschen Bildungseinrichtungen: In kaum einem anderen OECD-Land gelingt so wenig Menschen ein höherer Bildungsabschluss als ihren Eltern. Zu wenig Menschen steigen auf. Kinder von Akademikern studieren noch immer mehr als doppelt so häufig wie Kinder, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Es erschreckt, dass unser Bildungssystem hier nicht in der Lage ist, Brücken zu bauen.

Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz und grüne Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen Sylvia Löhrmann forderte deswegen alle im Bildungssystem Tätigen auf, niemanden als „hoffnungslosen Fall“ anzusehen. Sie forderte, das Schubladendenken zu beenden und mehr offene und fördernde Angebote zu machen, wie etwa integrative Schulen. „Die Gesellschaft muss im Kopf offener werden!“ Der demografische Wandel macht Gesellschaft wie Wirtschaft immer abhängiger von jedem einzelnen jungen Menschen. Deswegen müssen die Wege vielfältiger werden, die Ergebnisse als gleichwertig anerkannt werden. Der Bericht zeigt erneut: Wir brauchen endlich ein nachhaltiges Ganztagsschulprogramm und stärkere Investitionen in inklusiven und individuell fördernden Unterricht.

Bund und Länder sind gleichermaßen gefragt. Damit sie endlich eine gemeinsame Strategie für die notwendige Verbesserung der Qualität in Kitas, Schulen und Berufsschulen ausarbeiten und durchführen können, muss das Kooperationsverbot in der Verfassung endlich fallen. Nur dann kann die notwendige deutliche Steigerung der Bildungsausgaben auch den Bildungserfolg für alle erleichtern.

Ein anderes Ergebnis der Studie muss alle Demokratinnen in diesem Land erschrecken: In Deutschland denkt nur ein Fünftel der Erwachsenen, dass sie das Handeln der demokratisch gewählten Regierung beeinflussen können. Im OECD-Durchschnitt sind es immerhin 30 Prozent. Je niedriger der Bildungsstand, desto mehr sinkt der Wert. Unter den Deutschen ohne Ausbildungsabschluss sind es nämlich nur 12 Prozent. Nur Italien liegt mit 11 Prozent noch darunter. Aber auch unter den Erwachsenen mit höchsten Bildungsabschlüssen ist das Vertrauen in die Demokratie erschreckend gering: Nur 31 Prozent sehen eine eigene Mitentscheidungskraft. Im OECD-Durchschnitt sind es 40 Prozent, nur Tschechien liegt mit 22 Prozent noch hinter Deutschland, Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder mit je deutlich über 50 Prozent.

Alle Zahlen der OECD-Studie zeigen: Eine gute Bildungspolitik entscheidet nicht nur über den Bildungsstand und die Erwerbsquote junger Menschen, sondern auch über gesellschaftliche Teilhabe. Und sie hat nicht nur Beschäftigungsfähigkeit im Blick, sondern auch die individuelle Förderung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Hier haben alle, Bund, Länder und Kommunen; Kitas, Schulen und Hochschulen; Politik, Verwaltung und Pädagoginnen noch viel zu tun. Wir sind bereit, Geld, Ideen und Kompetenzen einzubringen, um Deutschland durchlässiger und offener zu machen. Wir wollen:

  • das Kooperationsverbot in der Bildung aufheben
  • die Qualität in den Kitas steigern
  • ein neues Ganztagsschulprogramm auflegen
  • das BAföG zügig aufstocken
  • den Hochschulpakt verbessern
  • und die Weiterbildung stärken.

In den anstehenden Haushaltsberatungen in den Ausschüssen werden wir all dies darlegen.

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