Junge GeflüchteteMehr Bildung und Ausbildung für Flüchtlinge

Minderjährige Flüchtlinge in einer Willkommensklasse melden sich im Unterricht

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat Ende September deutlich gemacht, dass Flüchtlinge zu mehr als der Hälfte (54 Prozent) noch keine 25 Jahre alt sind. Sie brauchen Bildung und Ausbildung in Deutschland. Denn eines ist klar: Für Kinder und Jugendliche sind Bildung und Ausbildung der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Kita, Schule, Betrieb und Hochschule schaffen mit ihren Strukturen nicht nur einen neuen Alltag. Sie schaffen und sichern auch berufliche Perspektiven und sie geben geflüchteten Menschen, den Halt und die Sicherheit, die diese so dringend benötigen.

Chance für Wirtschaft und Demografie

Von einer schnellen und umfassenden Integration profitieren aber nicht nur die jungen Flüchtlinge selbst, sondern auch die Gesellschaft. Seit Jahren klagt die Wirtschaft über fehlende Fachkräfte und zahlreiche Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten ihre Lehrstellen zu besetzen. Diese Entwicklung wird sich aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft weiter verschärfen. Industrie- und Handelskammern und das Handwerk haben längst erkannt, dass junge Flüchtlinge oft hochmotiviert sind und große Potenziale mitbringen. Manche Betriebe bilden schon heute Flüchtlinge aus und nehmen damit ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbildlich wahr.

Von der Bundesregierung werden sie in ihren Integrationsbemühungen aber immer noch viel zu wenig unterstützt. Bis heute gibt es keine zufriedenstellende Lösung, die Asylsuchende und Geduldete vor der Abschiebung während der Berufsausbildung schützt. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, endlich für echte Rechtssicherheit zu sorgen. Jugendliche und Betriebe brauchen diese Planungssicherheit.

Integration geht nicht ohne Bildung

Wer von Teilhabe und Integration spricht, darf von Bildung ganz sicher nicht schweigen. Es reicht deshalb nicht, wenn die Bundesregierung auf die Länderhoheit in Bildungsfragen verweist und Länder und Kommunen beim Bildungszugang für Flüchtlinge alleine lässt. Um allen jungen Flüchtlingen, unabhängig von ihrem Aufenthaltstitel, möglichst schnell und umfassend Zugang zu guten Bildungsangeboten zu sichern, muss auch die Bundesregierung mehr leisten. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe kann auch nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft gelöst werden.

Damit die umfassende Teilhabe von Flüchtlingen an Gesellschaft und Arbeitsmarkt gelingt, muss die Bundesregierung zudem unnötige Hürden beim Zugang zu Bildung und Ausbildung abbauen. Bei den Unterstützungsangeboten für die, die es in eine Ausbildung geschafft haben, ist die Bundesregierung viel zu langsam. Der Zugang zu ausbildungsunterstützenden Leistungen wie Nachhilfe im Fachdeutsch oder Unterstützung in allgemeinen Alltagsproblemen neben einer Ausbildung muss unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltstitel schon nach drei Monaten möglich werden, nicht erst nach mehr als einem Jahr. Das gleiche gilt auch für den Zugang zur finanziellen Ausbildungsförderung durch das BAföG und die Berufsausbildungsbeihilfe. Junge Asylsuchende und Geduldete sind hier immer noch stark benachteiligt oder sogar ganz von der Förderung ausgeschlossen. Wer in Deutschland schon nach kurzer Zeit eine Ausbildung oder Studium aufnehmen kann, muss auch von Beginn der Ausbildung an, angemessen unterstützt werden.

Unser Antrag fordert die Bundesregierung auf, ihrem Reden über „Integration“ Taten folgen zu lassen. Noch sind es zu wenige und sie sind zu langsam. Die Ausbildung von jungen Menschen darf in Zukunft nicht mehr an aufenthalts- oder sozialrechtlichen Hürden scheitern.

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