15 Jahre PISASchule in der Einwanderungsgesellschaft

Minderjährige Flüchtlinge in einer Willkommensklasse melden sich im Unterricht

Die grüne Bundestagsfraktion hatte für den 15. Dezember 2015 zu einem Fachgespräch eingeladen. Diskutiert wurde das Thema "15 Jahre nach Pisa - was brauchen Schulen in der Einwanderungsgesellschaft." In der vom Zeit-Journalisten Martin Spiewak moderierten Veranstaltung diskutierten der grüne Bildungspolitiker Özcan Mutlu, der Direktor der OECD-Bildungsabteilung, Prof. Dr. Andreas Schleicher, die Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Prof. Dr. Petra Stanat und der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

Die PISA-Ergebnisse lösten bekanntlich zunächst einen Schock aus. Die Auswertung der Testerbegnisse zeigte 2001: Das Bildungssystem in Deutschland war nicht annähernd so gut, wie alle immer dachten. Seitdem wurde mehrmals getestet und ausgewertet. Vieles hat sich verbessert, die Grundschwäche ist aber noch immer nicht überwunden, wie Prof. Andreas Schleicher, Direktor der OECD-Bildungsabteilung, deutlich machte: Der Bildungserfolg hängt noch immer von der sozialen Herkunft ab.

Nun kommen vermutlich mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche neu an die Kitas und Schulen in Deutschland. Für sie wie für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland gilt: Sie alle sollen ihre Fähigkeiten entfalten können und gute Chancen haben. Ihre Zukunft darf nicht von ihrer Herkunft bestimmt werden. Zusammen mit Prof. Dr. Petra Stanat vom IQB-Berlin und Hans-Peter Meidinger vom Philologenverband von zahlreichen Gästen diskutierte Özcan Mutlu die Ergebnisse und Erkenntnisse der OECD.

Die Debatte und die Klagen wogten hin und her: „Zuviele Reformen mit zuwenig Geld“, „wir wissen noch immer nicht genug“, „die Kausalität von Reformschritt und Verbesserung lässt sich nicht nachweisen“, „die Fachdidaktik ist zu lange vernachlässigt worden“, „die Inklusion bleibt auf der Strecke“, „die Fort- und Weiterbildung der LehrerInnen wird noch nicht wichtig genug genommen“, „Verbesserungsimpulse wurden zu oft ohne das notwendige umfassende Konzept und auch ohne Auswertung gesetzt“.

Aber es gab auch Einigkeit, welche positiven Veränderungen geschafft worden sind und wie es nun weitergehen soll: „Es hat einen Bewusstseinswandel hin zu einer Förderkultur gegeben“, „wir diskutieren über Unterrichtsqualität, nicht mehr über Schulstrukturen“, „wir wissen tatsächlich mehr als früher, wer in der Schule ist“, „als Zielland ist es wichtig, dass Deutschland von 2003 bis 2012 eine deutlich positivere Haltung zur Zuwanderung entwickelt hat“, „die Fortschritte, die Deutschland in den Jahren in den Leistungen gemacht hat, sind fast ausschließlich von den Kindern und Jugendlichen aus Risikolagen und bildungsferneren Elternhäusern bewirkt worden“.

Und auch die anstehenden Aufgaben wurden im Gespräch deutlich: „Es fehlt der Schritt vom Beobachten – Monitoring – zur Verbesserung – Fort- und Weiterbildung, dafür brauchen wir ein Bildungsqualitätsinstitut“, „die Zweigliedrigkeit des Schulwesens und das Ende von Sitzenbleiben und „Abschulen“ fördern die Lernkultur“, „die Kooperation der Schulen mit den Eltern müssen gestärkt und überall im Schulalltag verankert werden“, „LehrerInnen brauchen in ihrer Arbeitszeit auch Raum für Fortbildung, Teamarbeit und Elternkontakte, nicht nur, wenn´s brennt, sondern geplant und regelmäßig“ und für alles gilt: „so früh wie möglich anfangen!“.

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für eine Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen ein. Wie das gehen soll, damit alle Kinder und Jugendlichen in diesem Land eine gute Zukunft finden, zeigt unser Antrag: Mehr Bildungsgerechtigkeit für die Einwanderungsgesellschaft - Damit Herkunft nicht über Zukunft bestimmt. So schaffen wir das!

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