EmbryonenschutzKommt der genetisch optimierte Mensch?

Eine Hand, in einem Schutzanzug, halt ein Gläschen mit einer Flüßigkeit in der Hand. Im Hintergrund sind verschiedene Kurven auf einem Bildschirm zu sehen.
Im Ausland laufen erste Experimente mit gentechnisch veränderten Embryonen. Wir sagen Nein zur Schnipselei am menschlichen Erbgut.

Die Anlagen für Erbkrankheiten sollen in einem frühen Stadium aus dem Erbgut des Embryos entfernt werden, so dass der entstehende Mensch gesund bleibt und seine sich entwickelnden Keimzellen, also die Ei- und Samenzellen, die Krankheiten nicht mehr auf die Nachkommen übertragen können. Aktuell besteht jedoch weitgehende Einigkeit, dass Risiken und Nebenwirkungen den möglichen Nutzen weit übersteigen und eine praktische Anwendung bisher nicht absehbar ist. Zudem bestehen erhebliche ethische Bedenken gegen diesen Tabubruch in Richtung „Menschenzüchtung“, der bereits viele Science Fiction-Autoren inspiriert hat und aktuell umso intensiver rezipiert wird.

No go Keimbahnveränderung

Eingriffe in die natürliche menschliche Fortpflanzung sind in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz geregelt. Versuche mit menschlichen Keimzellen sind bei uns nur im Reagenzglas zulässig, Versuche mit befruchteten Eizellen und den daraus entstehenden, lebensfähigen Embryonen komplett verboten. Nach Ansicht von Juristen gibt es trotzdem Regelungslücken, durch die eine Forschung mit gentechnisch veränderten Embryonen in manchen Fällen straffrei bliebe. Früher oder später wird es also nötig werden, hier von gesetzgeberischer Seite nachzuschärfen.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Biotechnologie & Bioethik der grünen Bundestagsfraktion haben sich im Sommer 2017 auf folgende Formulierung geeinigt: „Eingriffe in die menschliche Keimbahn, die sich auch auf nachfolgende Generationen auswirken würden, lehnen wir ab.“

Die grüne Arbeitsgruppe stellt weiter fest: „Embryonen sind menschliches Leben und genießen unseren Schutz. Ihren Verbrauch zu Forschungszwecken lehnen wir ebenso ab.“

Bioethik im Parlament – das Gewissen entscheidet

Wir begrüßen, dass in Deutschland seit 1991 eines der strengsten Embryonenschutzgesetze weltweit gilt. Der Fortschritt von Forschung und Wissenschaft hat jedoch immer wieder Anpassungen gefordert. So wurden erbitterte Debatten darüber geführt, ob beziehungsweise in welchem Umfang embryonale Stammzellen für die Forschung verwendet werden dürfen und in welchem Rahmen eine Auslese von gesunden Embryonen vor dem Einsetzen in den Mutterleib zulässig sein kann (Präimplantationsdiagnostik). Dabei haben sich Abgeordnete über Fraktionsgrenzen hinweg entsprechend ihrer persönlichen Überzeugungen zusammen gefunden. Dies würde wohl im Falle einer Abstimmung über die Zulässigkeit der Keimbahneditierung wieder so sein.

Mehr zum Thema Bioethik

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4404163