CBD-KonferenzArtensterben geht weiter

Vom Amur-Tiger, der größten Katzenart auf der Erde, leben nur noch etwa 450 Tiere.

Gleich zum Auftakt der Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD) wurde in Pyeongchang (Südkorea) der Zwischenbericht zur Lage der Welt in puncto Artensterben vorgelegt. Er attestierte der Weltgemeinschaft ein vernichtendes Urteil: Ohne eine massive Umsetzungsoffensive und einen ambitionierten Aktionsplan werden bis 2020 18 der 20 sogenannten Aichi-Ziele verfehlt. Ausnahmen sind die Ausweisung von Schutzgebieten und die Ratifizierung des Nagoya-Protokolls, also dem Instrument zum Stopp von Biopiraterie. Die Aichi-Ziele wurden 2010 zur Rettung der Artenvielfalt ausgerufen.

Bei einigen Zielen sind wir noch nicht einmal auf dem richtigen Weg. Im Gegenteil: Die Situation verschlimmert sich. So werden Habitate, insbesondere Regenwälder in großem Ausmaß weiter vernichtet, Verschmutzungen durch schädliche Stickstoffeinträge nehmen weiter zu und die Korallenriffe sind immer noch akut gefährdet. Mit Schutzgebieten allein wird der Stopp des Artensterbens nicht zu schaffen sein. Wir brauchen dringend und schnell eine andere Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, um den Artenverlust zu stoppen. Die Klimakatastrophe muss abgewendet werden und die Art und Weise wie wir konsumieren muss nachhaltig gestaltet werden. Die Bundesregierung muss in Korea auf einen ambitionierten Aktionsplan drängen.

Aber Deutschland ist hier nicht nur international, sondern auch im eigenen Hause in der Pflicht. Die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie stockt, bei vielen Schlüsselthemen duckt sich die Bundesregierung aus der Verantwortung. Oder die große Koalition beschließt gar Gesetze und Verordnungen, die das Artensterben in der Fläche noch weiter voranschreiten lassen, wie zum Beispiel die Agrarreform.

Der Grundsatz „Erhalten, was uns erhält“ muss endlich in alle Ressorts Einzug finden. Ihm muss als Querschnittsaufgabe in allen Entscheidungen Rechnung getragen werden. Und es benötigt eine angemessene finanzielle Unterstützung, die aus dem Abbau von schädlichen Subventionen finanziert werden könnte - übrigens ein weiteres Aichi-Ziel, von dem man weit entfernt ist. Es ist absurd mit ansehen zu müssen, wie mit wenigen hart errungenen Naturschutzmitteln versucht wird, das zu retten, was an anderer Stelle mit Milliardensubventionen kaputt gemacht wird.

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