MeeresschutzDas Meer hat mehr verdient

Fische und Korallen

Die Kanzelerin betont gerne, dass ihr der Meeresschutz wichtig ist. Auch für den anstehenden G7 Gipfel in Elmau kündigte sie an, sich dort dafür einzusetzen. Aber außer einem Aktionsplan gegen die Meeresvermüllung, der noch dazu halbherzig zu werden scheint, wird darüber hinaus nichts für einen wirksamen Schutz der Meere verabschiedet werden. Das greift viel zu kurz.

Meeresverschmutzung bedroht unsere Lebensgrundlagen

Die Ozeane sind weltweit in großem Umfang massiv bedroht: vor allem durch Überfischung und Aquakultur, Verschmutzung mit Plastik, Chemikalien, Radioaktivität, Erhitzung, CO2-Eintrag, Versauerung und den Raubbau an Bodenschätzen. Ein Aktionsplan, der nur das Thema Meeresmüll in Angriff nehmen will, reicht bei weitem nicht aus. Schließlich sind die Weltozeane die planetaren Schatzkammern der Artenvielfalt. Die Meeresökosysteme und -strömungen erfüllen wesentliche Funktionen für die globalen Stoffkreisläufe, den Klimahaushalt und sie sind Nahrungsquelle für mehr als eine Milliarde Menschen. Die Zukunft der Menschheit ist unmittelbar mit der unserer Meere verknüpft.

Unsere Meere sind in einer historischen Krise und zum Teil irreversibel verändert. Leergefischt, vermüllt, übernutzt und als größtes Opfer der Klimakrise sind die Meeresökosysteme bis zum Äußersten strapaziert. Sie werden als Müllhalde der Menschheit missbraucht, tausende quadratkilometer-große Plastikmüllteppiche strudeln durch die Ozeane, Nährstoffe aus industrieller Landwirtschaft und Gifte landen ungefiltert im Wasser. Auch militärische Aktivitäten und Altlasten, Schiffsverkehr, Bau und Betrieb von Offshore Windparks, maritime Erdöl- und Erdgasförderung, die Ausbeutung der Tiefsee, und die Sand- und Kiesgewinnung in Küstennähe bereitendem Ökosystem Meer zunehmend Probleme.

Jetzt konsequent handeln statt schwafeln

Dieser umfassenden Problematik muss man wirksame politische Maßnahmen entgegen setzen, bei der Kanzlerin kommt hier aber nur heiße Luft. Zunächst muss man dafür kämpfen, dass das Meer als Menschheitserbe anerkannt wird, es als ein komplexes Ökosystem betrachtet und das Vorsorgeprinzip konsequent anwendet wird.

In unserem grünen Antrag „Schutz der Meere weltweit verankern“ machen wir deutlich, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das Artensterben zu verhindern, die Vergiftung, Vermüllung und Überdüngung zu stoppen und um dem Meer wieder Raum zum Leben zu geben. Es liegt auf der Hand, dass dazu vielfältige Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen. Die Fischerei muss in die Verantwortung gezogen, konsequente Schutzzonen müssen ausgewiesen und umgesetzt werden, aber auch die Nährstoffeinträge (beispielsweise Phosphat aus der Landwirtschaft) minimiert werden, die das Ökosystem Meer belasten. Außerdem ist es notwendig, dass die Governance für das das Meer - als quasi-freier Raum - entsprechend gestärkt wird. Da kann und muss die UNO eine tragende Rolle spielen. Die Kanzlerin hätte ihren Einfluss auf die Mächtigsten beim G7 Gipfel dafür aufwenden müssen, so wird es bei einem bisschen Müll bleiben.

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