Insektensterben Das unheimliche Verschwinden der Schmetterlinge

Schmetterling auf Blume
Die Schmetterlinge bleiben aus. Weniger Schmetterlinge heißt auch weniger Obstbestäuber – ein ganzes Ökosystem gerät aus der Balance. Eine von uns in Auftrag gegebene Studie nennt die Ursachen.

Es summt und brummt nicht auf den Wiesen und Feldern und auch kaum ein Zwitschern ist zu hören. Der Frühling bleibt stumm. Die dramatische Situation der Vögel mit Einbußen von über 50 Prozent in den letzten 20 Jahren ist mittlerweile breit bekannt. Erschreckend ist aber auch die Situation der Schmetterlinge. Diese für das Ökosystem so wichtigen Insekten verschwinden zunehmend.

Grüne Studie zur Situation der Schmetterlinge

Eine von der Bundestagsfraktion beauftragte Studie zur Situation der Schmetterlinge kam zu dem erschreckenden Ergebnis, dass allein 40 Prozent der Tagfalter vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehören unter anderem der Bläuling oder der Goldene Scheckenfalter. Für das Flächen- und Agrarland NRW ist die Untersuchung noch alarmierender. Dort sind fast 70 Prozent der Tagfalter gefährdet. Das hat weitgehende Folgen: Weniger Raupen heißt auch weniger Futter für die Vögel, weniger Schmetterlinge heißt auch weniger Obstbestäuber – ein ganzes Ökosystem gerät aus der Balance.

Die Ursachen für die zunehmende Bestandsgefährdung werden in der Studie vor allem dem Einsatz von Pestiziden, der Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Bebauung – und damit Zerstörung natürlicher Lebensräume und artenreicher Kulturlandschaften für Siedlung, Industrie und Gewerbe zugerechnet.

Agrarwende jetzt!

Für den Schmetterlingsschutz in ganz Deutschland braucht es darum klare Vorgaben durch den Bund: Wir brauchen die Agrarwende hin zu einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Das bedeutet auch einen Stopp des übermäßigen Einsatzes von Ackergiften und den Erhalt wertvollen Grünlands. 

Wenn Union und SPD hier nicht endlich gegensteuern, verschwinden immer mehr Schmetterlinge unwiederbringlich. Damit hängt auch das Verschwinden der Feld-Vögel zusammen. In Deutschland hat etwa der Bestand der Kiebitze zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent abgenommen, die Zahl der Braunkehlchen um 63 Prozent. So kann es nicht weitergehen – wir müssen diese Artensterben stoppen, bevor wir das Netz unserer Lebensgrundlagen so sehr durchlöchert haben, dass es nicht mehr hält.

Die Studie im Wortlaut

Metastudie (Literaturauswertung) zum Rückgang der Schmetterlinge (Tagfalter) in Deutschland (speziell Nordrhein-Westfalen)

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2 Kommentare
Die Grünen - Notwendiger denn je
Jörg Westerhoff, Augsburg 14.05.2017

Ob der Ethik-Experte Michael Rosenberger sich zum Fleischkonsum äußert (Reduzierung auf ein Viertel), ob
Greenpeace Wahlprüfsteine vorlegt (Wende in der Landwirtschaft ist unabdingbar für Gewässer- und Arten-
schutz), ob sich das Umweltinstitut zu denselben Pro-
blemen äußert, ob sich Klimaforscher, Meeresforscher
oder allgemein Zukunftsforscher sich äußern: Es läuft stets auf die Forderung nach ökologisch fun-
dierter Politik hinaus, also die Politik der Grünen.
Die Grünen sind auch die einzige Partei, die sich dezidiert gegen die Unterwanderung der Gesellschaft durch Neonazis wenden. (Man lese dazu "Der tiefe Staat" vonJürgen Roth - Heyne, erschütternde Recherchen.)

Grebenau
Rolf, Fischer 14.05.2017

Ich bin ein durchaus wertkonservativer Mensch weit ab irgendwelcher ökologischen Spinnereien. Man kann allen Skeptikern die Studien der Uni Hohenheim zum dramatischen Insektensterben durch den Einsatz von Neonicotinoide in der Landwirtschaft ans Herz legen. Hier läuft etwas komplett aus dem Ruder und man schaut nur noch erschüttert zu.

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