Fischerei in KüstenmeerenDorsch in den Fängen der Politik

Schiffe im Hafen, Deutschland, Mecklenburg Vorpommern, Ruegen

Der westliche Dorsch ist ein beliebter Speisefisch. Er hält sich gerne in deutschen Küstengewässern von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf. Sein Bestand ist akut bedroht. Jahrelange intensive Fischerei und das Ausbleiben des Nachwuchses im Jahr 2015 haben die Bestände massiv dezimiert. Das ist relevant für die jährlich neu zu verhandelnden Fischfangquoten, die jedes Jahr für das kommende Jahr von den EU-Fischereiministern festgelegt werden.

Politik setzt sich über Wissenschaft hinweg

Am 10. September 2016 haben die Minister der EU-Staaten daher beschlossen, die Fangquoten für den westlichen Dorsch um mehr als die Hälfte (56 Prozent) zu kürzen. Das scheint drastisch, entspricht jedoch keineswegs den Vorschlägen der unabhängigen Wissenschaftler. Diese hatten eine Fangquotenkürzung um 88 Prozent gefordert. Auf diese Weise würde gewährleistet, dass sich der akut bedrohte westliche Dorsch wieder erholen könnte.

Doch auch dieses Mal halten sich die politischen Vertreter nicht an die wissenschaftlich fundierten Vorschläge - und das obwohl sich die Mitgliedstatten sowie EU Kommission und Parlament in ihrem Ostseemanagementplan darauf geeinigt hatten, wissenschaftliche Empfehlungen eins zu eins umzusetzen. Schon in der Vergangenheit war es gängige Praxis, dass Quoten rein politische Entscheidungen waren - bar jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das wiederholt sich jetzt: Das jüngst in Kraft getretene Ostseemanagement ist das Papier nich wert, auf dem es geschrieben wurde.

Höhere Quote heute heißt leere Fischernetzte morgen

Denn wieder einmal überwiegen das kurzfristige wirtschaftliche Interesse der Berufsfischer und das politische Verscherbeln der Quote. Eine Kürzung um 88 Prozent hätte für viele Fischer ohne Kompensationsmöglichkeiten sicherlich das berufliche Aus bedeutet. Auf lange Sicht bedeutet jedoch eine anhaltende Überfischung der Bestände das endgültige Aus für die Ostseefischerei. Sinkende Bestandszahlen, abnehmende Erträge werden bald leere Fischernetze und leere Geldbeutel nach sich ziehen.

Freizeitfischer nun mit Quote, aber wer prüft?

Verglichen mit gewerblichen Fischern ziehen Freizeitfischer eine ähnlich große Menge an Dorsch aus dem Wasser. Sie wurden nun mit einer Quote bedacht. Was sich zunächst gut anhört, hilft am Ende wenig: Freizeitfischer dürfen zwar während der Laichsaison im Februar und März nur drei Dorsche am Tag angeln. Wie man jedoch sicherstellen will, dass sie sich an diese Vorgabe halten, ist völlig unklar. Dass beim Einfahren in den Hafen in die Eimer geschaut wird, ist sicherlich nicht geplant.

Am Ende leiden der westliche Dorsch und die gewerblichen Fischer, die es an den Küsten dann so nicht mehr geben wird.

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