Tag des WolfesErfolgreicher Artenschutz - Wölfe sind wieder in Deutschland

Ein europäischer Grauwolf mit Welpen

Generationen kannten den Wolf nur noch aus Märchen, als schlauen aber bösen Gesellen. Seit etwa 15 Jahren liest man vom Wolf nun auch wieder in den Tageszeitungen: Er ist in vielen Regionen wieder heimisch geworden. Es ist ein Erfolg des Arten- und Naturschutzes, dass ein einst ausgerottetes Tier wieder bei uns leben kann. Es bestehen aber auch Ängste und Konflikte. Konflikte wie es sie bei Wildschweinen, Rehen oder Waschbären im weit größerem Maße gibt.

Ein neues Miteinander von Mensch und Wolf müssen wir erst wieder lernen. Dazu braucht es vor allem Informationen für Bürgerinnen und Bürger, aber auch Managementpläne, Schadensvorsorge und gegebenenfalls Entschädigungsregelungen.

Der Wolf in Deutschland

Früher war der Wolf in ganz Europa verbreitet. Doch die jahrhundertlange Verfolgung durch den Menschen rottete ihn in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas aus, da er als Gefahr für die zunehmenden Nutztierhaltung und als Konkurrent von Jagdinteressen gesehen wurde. Nach 150 Jahren hält er nun wieder Einzug in Deutschland. Zurzeit leben in sechs Bundesländern wieder dauerhaft Wölfe. In 13 Bundesländern wurde er seit dem Jahr 2000 mindestens einmal nachgewiesen. Geschätzt 25 Rudel mit etwa 200 Tieren gibt es derzeit in Deutschland.

Der Wolf ist eine streng geschützte Art in Europa und genießt auch international hohen Schutz. Die Richtlinien verpflichten zum Schutz der existierenden Wölfe und zur Verbesserung der Population.

Artenschutz bedeutet nicht nur Elefanten und Nashörnern in Afrika zu retten, sondern auch heimische Arten ganz konkret vor unserer Haustür: Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist ein Erfolg des Artenschutzes, so wie die Rettung der Elefanten vor dem Aussterben einer werden soll.

Der Lebensraum des Wolfes

Wölfe sind sehr anpassungsfähig und haben keine besonders hohen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie können gut in einer Kulturlandschaft leben solange sie genügend Nahrung finden. Worauf sie jedoch angewiesen sind, ist die Toleranz der Menschen. Wölfe leben dort, wo wir Menschen sie leben lassen. Eine Zukunft für den Wolf in Deutschland wird es deshalb nur mit einer Akzeptanz in der breiten Bevölkerung geben. Viele Teile Deutschlands sind sogenanntes Wolfserwartungsgebiet und brauchen deshalb rechtzeitig Informationen, Gespräche und die Klärung von Schadensansprüchen.

Leben mit Wölfen

Wir müssen das Zusammenleben mit einem Wildtier in unmittelbarere Nachbarschaft erst wieder lernen. In Gebieten in denen der Wolf schon seit mehreren Jahren zurückgekehrt ist, haben wir uns mittlerweile wieder daran gewöhnt, unseren Lebensraum mit ihm zu teilen. Hingegen sind in den neuen Wolfsgebieten, in denen Wölfe erst seit Kurzem vorkommen, Befürchtungen und Vorbehalte stärker vorhanden. Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit bringt dabei den Bürgerinnen und Bürgern die Lebensweise des Wolfes näher und baut so Vorbehalte ab.

Die Reaktionen auf die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sind dabei überwiegend positiv. Gelegentlich begegnet man den Wölfen aber auch mit Vorbehalten und Sorgen, so fürchten Wald-Spaziergänger um ihre Sicherheit. Wölfe sind aber in aller Regel scheue und vorsichtige Tiere, die den Kontakt zu Menschen meiden. Eine zufällige Begegnung beim Spazieren im Wald ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. Eine Begegnung ist beispielsweise bei ungünstigen Windverhältnissen nicht gänzlich auszuschließen und kann beängstigend wirken.

Eine Studie, die Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten zusammenstellt, kommt zu folgendem Schluss: Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus. Sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Für den seltenen Fall, dass dem nicht so ist, sind Ausnahmegenehmigungen zur Vertreibung beziehungsweise Tötung von Problemwölfen möglich.

Wolf und Schaf geht das?

Wölfe jagen die Tiere, die sie am leichtesten erbeuten können. Das sind beispielsweise altes, krankes oder schwaches Wild oder deren Jungtiere. In Gebieten mit Nutztierhaltung kann es allerdings auch das Schaf oder die Ziege sein. Probleme treten vor allem dort auf, wo der Mensch in Folge der Ausrottung von Wolf, Bär und Luchs Schutzmaßnahmen längst aufgegeben hat: Dort wo Wölfe auf ungeschützte Schafherden stoßen, können wenige Tiere hohe Schäden verursachen. Mit der Etablierung von Wölfen in einem neuen Gebiet steigt die Anzahl der Übergriffe dort zunächst häufig an. Es ist aber bisher kein Trend zu erkennen, dass die Anzahl der Nutztierschäden in Relation zur wachsenden Wolfspopulation dauerhaft ansteigt. Zum Beispiel wurden in dem Wolfsland Sachsen 2015 acht Fälle an Nutztierschäden etwa an Gatterwild gemeldet. In fünf Fällen konnte der Wolf als Verursacher festgestellt beziehungsweise nicht ausgeschlossen werden. Bundesländer können Programme für Herdenschutzmaßnahmen und Kompensationszahlungen für Risse auflegen und die Nutztierhalter im Zusammenleben mit dem Wolf unterstützen. Diese Förderrichtlinien müssen eine angemessene Unterstützung dabei bieten, die Nutztierherden wolfsicher auszustatten und Risse zu kompensieren, um finanzielle Verluste für den Herdenbesitzer aufzufangen.

Was ist zu tun?

Der Wolf ist willkommen in Deutschland. Dies ist ein großer Schritt für den Artenschutz. Wir dürfen dabei entstehende Probleme nicht ignorieren und müssen zu klaren Regelungen für die Kompensation und Prävention von Schäden an Nutztieren kommen. Dafür gibt es in Deutschland bisher keine bundeseinheitliche Regelung. Die Umsetzung von Natur- und Artenschutz ist Ländersache, weshalb die Fach- und Vollzugsbehörden der Länder für den Schutz des Wolfes zuständig sind. Einige Bundesländer haben keine entsprechenden Verordnungen, was zukünftig zu Konflikten mit den betroffenen Interessensgruppen führen könnte. Hier besteht Handlungsbedarf.

Alle Bundesländer sind gefordert und sollten frühzeitig belastbare Managementpläne aufstellen. Um die Rückkehr des Wolfes zu begleiten, braucht es ein entsprechendes Monitoring, die Unterstützung von Nutztierhaltern und Maßnahmen zur Schadensprävention. Dazu sollte der Bund ein „Kompetenzzentrum Wolf“ auf Bundesebene einzurichten, das die Entwicklung des Wolfs in Deutschland im Auge behält. Das Zentrum könnte nicht nur die Daten aus den Bundesländern erfassen und länderübergreifend koordinieren, sondern auch für eine Zusammenarbeit und gemeinsame Strategien zwischen den Ländern Sorge tragen.

Vor allem aber brauchen der Artenschutz und gerade auch der Wolf unsere Bereitschaft Natur und Wildnis zuzulassen. Nicht nur während eines Abenteuerurlaubes in Afrika oder anderswo weit entfernt sondern ganz konkret bei uns vor der Haustür.

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