FAQ zum Wolf

Ein europäischer Grauwolf mit Welpen
Der Wolf war Jahrtausende ein Teil der europäischen und deutschen Natur und Artenvielfalt. Doch jahrhundertelange Verfolgung führte zu einer systematischen Ausrottung in weiten Teilen Europas. Mittlerweile konnten sich auch in Deutschland Wölfe langsam wieder ausbreiten. In diesem Zusammenhang stellen sich viele Fragen. Wir haben sie gesammelt und beantwortet.

Warum breiten sich Wölfe bei uns wieder aus?

Der Wolf war Jahrtausende ein Teil der europäischen und deutschen Natur und Artenvielfalt. Doch jahrhundertelange Verfolgung führte zu einer systematischen Ausrottung in weiten Teilen Europas. In Deutschland wurde der letzte Wolf um ca. 1900 erlegt. Durch einen konsequenten und strengen Schutz und dem Stopp der Bejagung konnten Wölfe sich wieder langsam ausbreiten. Seit den 1980/ 1990er Jahren ist er auch wieder zu uns zurückgekehrt.

Wurden Wölfe in Deutschland angesiedelt?

Nein. Entgegen vieler sich immer wieder wiederholender Aussagen, hat niemand jemals in Deutschland oder in Europa Wölfe absichtlich „angesiedelt“. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und benötigen keine Wildnis sondern kommen in Kulturlandschaften gut klar. Sie verbreiten sich natürlich und wandern aus anderen Regionen ein. Die Wölfe in Deutschland stammen überwiegend aus der polnisch-ostdeutschen Flachlandpopulation. Einige wenige wandern nun aus der alpinen Population zu uns.

Wie viele Wölfe gibt es derzeit in Deutschland?

In Deutschland leben laut dem Bericht des Monitoringjahres 2016/2017 60 Wolfsrudel, 13 Paare und 4 Einzeltiere in Deutschland. Durch die Geburtenrate in 2017 ist anzunehmen, dass das aktuell mehr geworden sind. Ein Rudel umfasst die Elterntiere, die letzten Jungtiere sowie vom vorletzten Wurf - Tiere im Alter von 12-22 Monaten - dann wandern diese eigenständig ab und suchen sich ein eigenes Revier.

Ist der Wolf gefährlich für Menschen?

Ja und nein. Der Wolf ist natürlich ein großes Raubtier. Allerdings sind gesunde Wölfe, die nicht provoziert oder angefüttert werden, in der Regel keine Gefahr. Dennoch kann man in keinem Fall völlig ausschließen, dass es zu Angriffen von Wölfen auf Menschen kommen kann. Das wäre unverantwortlich. In Deutschland gab es in 18 Jahren keine Situation, bei der sich ein Wolf aggressiv Menschen genähert hat. Die Wahrscheinlichkeit von einem Wolf angegriffen zu werden, ist außer-ordentlich gering - sehr viel geringer, als z.B. von Hunden tödlich verletzt zu werden: 1998 – 2015 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 65 Tote durch Hunde. Im Wald können insbesondere auch Wildscheine den Spaziergängern gefährlich werden.
Seit über 60 Jahren gibt es in ganz Europa gemäß einer internationalen Studie neun Fälle, in denen Menschen von Wölfen getötet wurden:
Fünfmal waren die Wölfe tollwütig – in Deutschland ist die Tollwut aber seit 2008 ausgerottet. Viermal – 1957 und 1974 in Spanien – griffen sie Kleinkinder an.
Ein Wolf ist an sich keine Gefahr für Menschen, die er im Grundsatz meidet. Aber äußere Umstände können sein Verhalten verändern. Das Anfüttern von Wölfen wie auf einem niedersächsischen Truppenübungsplatz erfolgt, ist hochgradig fahrlässig!

Was frisst der Wolf?

Wölfe ernähren sich in Mitteleuropa von Rehen, Hirschen und Wildschweinen, örtlich auch von Damhirschen oder Mufflons, vereinzelt von Hasen (ganz unten). Nutztiere machen derzeit in Deutschland ca. 1,1% in der Nahrungszusammensetzung aus, doch hängt die genaue Zusammensetzung vom örtlichen Nahrungsangebot ab. Der Bestand an Rehen und Wildschweinen liegt in vielen Regionen Deutschlands auf einem historischen Höchststand. Allerdings verändert der Wolf im Regelfall "nur" die Struktur und die Art und Weise wie sich die Beutetiere im Wald verhalten, weniger, kaum oder gar nicht die Anzahl von Rehen, Wildschweinen oder Hirschen. Wölfe erlegen bevorzugt schwache oder kranke Tiere und sorgen bei den gesunden für mehr Bewegung und daher weniger Konzentration auf immer gleichen Standorten.

Warum werden immer wieder Schafe und Rinder vom Wolf gerissen?

Bei ihren langen Streifzügen kommen Wölfe immer wieder mit Nutztieren in Weidehaltung in Kontakt. Sind Nutztiere nicht oder nur schlecht geschützt, wird der Wolf versuchen, leichte Beute zu machen. Neben Ziegen und Schafen sind seltener auch Rinder, oder sogar Pferde betroffen. Auf einer Weide, wo die Tiere nicht fliehen können, gerät der Wolf oft in einen sogenannten „Blutrausch“, da der Jagdtrieb des Wolfes durch die Präsenz der Tiere immer wieder von neuem ausgelöst wird. Das führt oft zu schrecklichen Bildern und schwerwiegenden auch emotionalen Verlusten bei den TierhalterInnen.

Kann man verhindern, dass Wölfe Nutztiere reißen?

Man kann Wolfsrisse durch flächendeckende und standortangepasste Herdenschutzmaßnahmen minimieren. Eine komplette Sicherheit kann es aber nicht geben und ein Restrisiko bleibt. Daher ist es so wichtig, dass Weidetierhalter sowohl eine ausreichende Unterstützung bei der Prävention, wie auch bei der unbürokratischen Entschädigung erhalten.

Wie müssen Weidetierhalter unterstützt werden?

Eine besondere Herausforderung stellen Übergriffe von Wölfen auf extensiv gehaltene Herdentie-re wie Schafe, Ziegen und Rinder dar. Die extensive Weidetierhaltung ist für den Grünlanderhalt unersetzlich, sie ist zugleich tiergerecht und schützt viele seltene Standorte. Die Betriebe können oft kaum kostendeckend arbeiten, da ihre gesellschaftliche Leistung durch die derzeitige Agrarför-derung nicht ausreichend honoriert wird. Zusätzliche Kosten für Herdenschutz sowie wirtschaftliche Schäden durch Wolfsrisse können Betriebe oft nicht mehr auffangen. Zwar machen Nutztiere weniger als 1% der Nahrung von Wölfen aus, aber jeder Verlust wiegt ökonomisch und emotional schwer und kann zur existenzbedrohenden Frage für Bäuerinnen und Bauern und Schäferinnen und Schäfer werden.
Die Hauptprobleme der Schäfer schon seit vielen Jahren liegen in Bürokratie bei EU, Bund, Land und Kommunen, bei gedeckelter Förderung gerade beim Herdenschutz und Entschädigungen (EU-De-minimis-Regelung), zu niedrigen Preisen für Lammfleisch und Wolle, der Hunde-Tierschutzverordnung des Bundes zu Lasten des Einsatzes von Herdenschutzhunden, manchmal fehlender Unterstützung beim Bau von Ställen, Suche nach Wanderwegen und Nachtpferchen. Dafür bieten wir entsprechende Lösungen an.

Sind Elektrozäune und Herdenschutzhunde als Schutz gegenüber Wölfen geeignet?

Ja. Allerdings gibt es keinen 100%-igen Schutz. Elektrozäune führen zu einem Rückgang von 60-70% schon allein bei den Wolfsangriffen und damit auch bei den Wolfsrissen. Zu empfehlen sind nicht nur 90cm hohe Zäune, sondern mind. 105 cm, am besten 120 cm hohe Zäune. Bei nachgewiesenen Wolfsangriffen dienen Flatterbänder am oberen Rand der Zäune der weiteren Abschreckung.
Herdenschutzhunde, die gemeinsam mit den Nutztieren aufwachsen, sich zur Herde zugehörig fühlen und diese daher schützen, werden erfolgreich in Portugal, Italien, Rumänien, der Schweiz… eingesetzt.

Können Herdenschutzhunde gefährlich für Menschen werden?

Ja und nein. In Abhängigkeit insbesondere von der Erziehung können Herdenschutzhunde aggressiv auch gegenüber Menschen sein (wie andere Hunde auch). Ausschlaggebens ist hier die Erziehung und Ausbildung, wie z.B. ein gute Sozialisierung mit dem Menschen. Bundeseinheitliche Kriterien für die Eignung der Rasse, bzw. die Ausbildung wäre hierfür ebenso sinnvoll wie eine gezielte Unterstützung bei der Hundeausbildung.

Warum wollen die Grünen nicht, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird?

Der Wolf unterliegt sowohl gemäß der Berner Konvention als auch der EU-FFH-Richtlinie als auch gemäß Bundesnaturschutzgesetz strengem Schutz. Er ist nicht im Bundesjagdrecht als jagdbare Art aufgeführt. Auch in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Sachsen, ist der Wolf nicht im Jagd-recht.
Selbst für den Fall, dass ein Wolf ein atypisches Verhalten an den Tag legt (aggressiv gegenüber Menschen, Tollwut, wiederholtes Überspringen hoher Weidezäune und wiederholte Nutztierrisse) gibt § 45 (7) Bundesnaturschutzgesetz die Möglichkeit, Wölfe zu fangen, mit Gummigeschossen zu vertreiben oder sogar abzuschießen. Dazu bedarf es keiner Zuordnung in das Jagdrecht. 2016 wurde in Niedersachsen ein verhaltensauffälliger Wolf per Ausnahmegenehmigung als Vorsichtsmaßnahme getötet - auf Basis des § 45 (7) Bundesnaturschutzgesetz. Er gehörte zu den offensichtlich von Soldaten auf einem Truppenübungsplatz angefütterten Tieren. Wir sehen daher keine Veranlassung, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, wo er auf Grund seines Schutzstatus eine ganzjährige Schonzeit unterliegen würde und gar nicht bejagt werden könnte. Würde der Wolf gleichzeitig dem Naturschutz - und dem Jagdrecht unterliegen, müssten dadurch beide Gesetzgebungen beim Wolf berücksichtigt werden. Nötige Abstimmungsprozesse unter den Behörden, wenn es z.B.um den Abschuss eines Wolfes mit atypischen Verhalten geht, würden sich dadurch verkomplizieren, rasches Handeln verhindert.

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