MeeresschutzGeisternetze fischen im Meer

Ein Dorsch hat sich 08.03.2014 in einem Geisternetz am Wrack des Holzfrachters 'Fliegender Holländer' in der Ostsee vor Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) verfangen.

Geisternetze sind herrenlose umhertreibende Stell- und Schleppnetze, die sich von Fangschiffen losgerissen haben, von Stürmen weggerissen wurden oder auch absichtlich im Meer entsorgt wurden. Sie machen ein Zehntel des gesamten Mülls in den Weltmeeren aus.

Netze, die nie eingeholt werden.

Sie treiben entweder offen im Meer oder verfangen sich an Hindernissen, wie zum Beispiel Steinen oder Wrackteilen. In Europa gehen allein jährlich insgesamt etwa 25 000 Netze von circa 1.250 Kilometer Länge verloren. Geisternetze können jahrelang weiterfischen ohne dass die Beute jemals eingeholt würde. Diese Netze werden so zur Todesfalle für Fische, Schweinswale und andere Meerestiere und sind zu einer wachsenden Bedrohung für den Fischbestand geworden.

Tonnen toter Fische, die keiner isst.

Allein für die Ostsee wird der „Fang“ der Geisternetze laut einer Schätzung der Umwelt- und der Landwirtschaftsorganisationen (FAO, UNEP) auf jährlich mehrere hundert Tonnen Kabeljau geschätzt. Auch für Seevögel, die sich in den Netzen oder ihren umhertreibenden Fragmenten verfangen, werden diese Netze oft zu tödlichen Fallen.

Es gibt Regeln, aber nahezu keine Kontrollen.

Zwar gibt es Regelungen der EU, die eigentlich sicherstellen sollen, dass Netze entsprechend gekennzeichnet werden und verloren gegangenes Fanggerät geborgen, beziehungsweise gemeldet werden muss. Allerdings zeigen die Antworten der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage deutlich, dass es an der Umsetzung und Kontrolle fehlt.

So werden nur vereinzelt verloren gegangene Fanggeräte gemeldet oder abgegeben Trotzdem sieht die Bundesregierung keinen weiteren Handlungsbedarf oder die Notwendigkeit für ein Meldesystem. Das steht im klaren Widerspruch zu den eigenen Aussagen, wie gefährlich die Geisternetze für die Tierwelt der Meere sind.

Fragen zur Häufigkeit der Kontrollen beantwortet die Bundesregierung erst gar nicht. Es braucht dringend eine Ausweitung der Kontrollen und ein staatliches Meldesystem. Auch müssen Verstöße tatsächlich geahndet werden und bessere Bergungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dem Verursacherprinzip muss hier endlich Rechnung getragen werden.

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