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Biologische VielfaltRasantes Insektensterben bestätigt

Marienkäfer auf einer Blüte
Ein weiteres Mal bestätigen Wissenschaftler den rasanten Rückgang von Insekten in ganz Deutschland. Es braucht dringend eine Landwirtschaft, die ohne massenhaften Pestizideinsatz auskommt und die ökologische Zusammenhänge respektiert.

Am 18. Oktober 2017 hat ein renommiertes Wissenschaftsjournal eine Studie veröffentlicht, die das rasante Insektensterben ein weiteres Mal eindeutig belegt. 76 Prozent weniger Insekten – in Teilen sogar bis zu 82 Prozent weniger – wurde in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 festgestellt. Das bedeutet weniger Schmetterlinge, Bienen und Wespen aber auch unscheinbarere Fluginsekten in unserer Umwelt. Über weniger Stechmücken mag man sich vielleicht sogar noch freuen, aber der Schaden an der Ökologie ist dramatisch:

  • Insekten sind für die Bestäubung von circa 80 Prozent unserer Wildpflanzen verantwortlich.
  • 60 Prozent der Vögel in der heimischen Natur ernähren sich hauptsächlich von Insekten.

Sorgen müssen sich auch vor allem die Landnutzer, die auf die Bestäubungsleistung der Insekten angewiesen sind. Allein für Deutschland schätzt der Umweltwirtschaftsbericht den Marktwert der davon abhängigen Produkte auf 2,5 Milliarden Euro. Weltweit sind es schätzungsweise 230 bis 570 Milliarden US-Dollar. Ohne Insektenbestäubung müssen wir auf Kaffee oder Kakao ebenso verzichten wie auf Äpfel oder Mandeln.

Die Rolle der Landwirtschaft

Über lange Zeit war die Landwirtschaft Trägerin der Biodiversität. Die vielfältige Kulturlandschaft mit Hecken und Knicks, Bäumen und Oberflächengewässern bot Insekten wichtige Lebensräume und Nahrung. Doch die zunehmende Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft hat ihre Rolle ins Gegenteil verkehrt. Großflächige Monokulturen, Erosion, Stickstoffüberschüsse aus Düngung oder Massentierhaltung und Belastungen aus dem massiven Pestizideinsatz haben entscheidenden Anteil am Insektensterben.

Bauernverband lehnt Verantwortung ab

Es ist ungeheuerlich, dass der Bauernverband noch immer mit fadenscheinigen Argumenten zu behaupten versucht, die Agrarindustrie hätte damit nichts zu tun.

Besonders die Verwendung chemisch-synthetischer Pestizide gehört zu den stärksten Treibern des Artenrückgangs in der Agrarlandschaft. Ackergifte schädigen verschiedenste Lebewesen. Totalherbizide wie Glyphosat töten komplette Nahrungs- und Lebensraumhabitate ab. Seit dem Jahr 1994 ist der Absatz an Pestizidwirkstoffen in Deutschland um die Hälfte gestiegen.

Über 100.000 Tonnen Pestizide landeten 2015 auf deutschen Äckern. Dabei werden immer wirksamere und damit oft auch toxischere Wirkstoffe eingesetzt. Am Absatz von Neonikotinoiden – das sind besonders bienengiftige Insektizide – hat sich trotz Teilverboten kaum etwas geändert. Bei Glyphosat hat die verkaufte Menge zwar abgenommen, dennoch gehört der Wirkstoff immer noch zum Standard des „Pflanzenschutzes“ auf rund 40 Prozent der deutschen Ackerflächen.

Wir müssen auch in Deutschland dringend einen anderen Weg einschlagen. Die grüne Bundestagsfraktion hatte deshalb in der vergangenen Wahlperiode einen umfassenden Plan zur Pestizidreduktion vorgelegt und einen entsprechenden Antrag an die Bundesregierung formuliert. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die ökologische Zusammenhänge respektiert und die ohne den Großeinsatz von Pestiziden auskommt.

Studie belegt: Die fliegende Insektenbiomasse in deutschen Schutzgebieten ist in 27 Jahren um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. http://journals.plos.org

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