NaturschutzSchwanenblume, Grünspecht & Co

Teufelshöhle bei Pottenstein

Alle Jahre wieder werden insgesamt 30 "Naturwesen" zur Natur des Jahres gewählt. Ob Baum, Vogel, Spinne oder Lurch, jeweils eine Art wird besonders gekürt und hervorgehoben. Es bedarf besonderer Anstrengungen der Politik, um diese Arten zu erhalten.

Vom Baum oder Vogel des Jahres hat wohl jede/r schon gehört. Dass es zum Beispiel ein Höhlentier des Jahres gibt, ist nicht mehr so bekannt. Für 2014 ist es die Höhlenwasserassel (Proasellus cavaticus). Sie ist auf ein intaktes Ökosystem im Grundwasser fürs Überleben angewiesen und steht sinnbildlich dafür, dass insbesondere bei unterirdischen Ökosystemen noch viel Forschungsbedarf besteht und sich auch dort - unsichtbar für uns - sensible Ökosysteme befinden, die durch die Förderung von unkonventionellem Erdgas, dem Fracking, nicht gefährdet werden dürfen.

Im Tageslicht und etwas hübscher anzusehen ist die Blume des Jahres. Für 2014 wurde die Schwanenblume (Butomus umbellatus) ausgewählt, die stellvertretend für die Arten der Flussauen und Marschgebiete steht. Die Bundesregierung sollte sich die vom Aussterben bedrohte Schwanenblume stets mahnend vor Augen führen, wenn sie ihr Nationales Hochwasserschutzprogramm bis Ende 2014 erarbeitet. Dem ökologischen Hochwasserschutz muss hier die höchste Priorität eingeräumt werden, denn gerade die intensiven Hochwasserschutzmaßnahmen der letzen Jahre haben den Auen ihrer natürlichen Dynamiken und Rückhaltefunktion beraubt und der Schwanenblume ihren Lebensraum genommen. Wo früher der Fluss über die Ufer trat und wichtige Nährstoffe in die Auen trug, die Schwanenblume und anderer Arten gedeihen lies, sind dort nur noch wachsende Siedlungen und Gewerbe zu finden. Wenn Flüsse wieder frei fließen können, Deiche rückverlegt und Auen, Feuchtgebiete und Moore an den Flüssen wieder renaturiert sind, wird die Schwanenblume weiterhin eine Heimat in Deutschland haben.

Das Gegenteil ist der Fall beim Baum des Jahres, die Traubeneiche (Quercus petraea), die bekannt für ihre Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit ist. Als ehemals subtropische Pflanze hat sie sich mittlerweile dem rauen Klima hier angepasst und übersteht eisige Winter und auch starke Stürme durch ihre steil nach unten wachsende Hauptwurzel. Selbst gegen schädliche Immissionen scheint sie gewappnet zu sein. So wird sie auch dem drohenden ökologischen Stillstand unter Schwarz-Rot trotzen können.

Leider wird es nicht allen Arten so gehen und dem Vogel des Jahres, dem Grünspecht (Picus viridis), kann es an den Kragen gehen, wenn immer mehr seiner Lebensräume wieder verschwinden sollten. So braucht er halboffene Landschaften wie zum Beispiel Auenwälder anstelle von Maismonokulturen, Streuobstwiesen statt industriell bewirtschafteter Agrarsteppen und grüne Städte anstelle von Betonsiedlungen. Freiflächen und Stadtgrün, zu dem neben Parks und Gärten auch Brachen, Dächer und Fassaden gehören, müssen gestärkt werden. Der Grünspecht wird es uns sein Leben lang danken.

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