25 Jahre Grünes BandVom Todesstreifen zur Lebenslinie

Der Fluss Werra.

Die grüne Bundestagsfraktion lud aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Grünen Bandes zu einem Parlamentarischen Abend in den Bundestag. Gemeinsam mit einigen der damals wegbereitenden Naturschützern wurde ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes, dessen herausragende Bedeutung für Natur und Mensch, aber auch die Gefahren, die der Natur insbesondere aus der industriellen Landwirtschaft drohen, geworfen.

Aufgrund der historischen Zusammenhänge stand die Veranstaltung auch im Zusammenhang mit der friedlichen Revolution vor 25 Jahren, bei der gerade auch große Gruppen des Umweltschutzes auf die Straße gingen, um für sich und ihre Kinder eine bessere Umwelt zu fordern. Dies war auch für die naturschutzpolitische Sprecherin Steffi Lemke ein zentrales Motiv, an den Demonstrationen damals teilzunehmen. Ein Naturschutzpionier der damaligen DDR war Hauptredner auf der Veranstaltung: Prof.em. Dr. Michael Succow war damals verantwortlich für den Coup, große Teile des DDR-Gebiets kurz vor deren Auflösung in ein Nationalparkprogramm zu überführen. Prof. Succow schilderte in seinem Beitrag eindrücklich von der Agrarlandschaft seiner Kindheit, die unter der Intensivierungswelle der Landwirtschaft in der DDR komplett verschwand und wie sich seine Erfolge für den Naturschutz im Zuge der Wiedervereinigung zutrugen. Seine Mahnung für die Zukunft ist die Warnung vor der industriellen Landwirtschaft, die Natur und Landschaft aktuell wieder zerstört. Eine Geschichte, die fatal an die Zustände in der DDR erinnert.

Es ist paradox, dass es seinerzeit ausgerechnet auf dem für den Menschen tödlichen Grenzstreifen eine Atempause für die Natur gab. Dort entwickelte sich über die 40 Jahre Trennung ein Refugium für viele seltene Pflanzen und Tiere. Bereits ab 1975 hatte der Bund Naturschutz Bayern den ökologischen Wert des Grenzstreifens erkannt und erste umfassende Kartierungen der Vogelwelt auf westlicher Seite unternommen. Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, war im Jahr 1980 als Landesbeauftragter des Bund Naturschutz in Bayern Mitglied einer Delegationsreise in die DDR und konnte da bereits Kontakte zu Naturschützern aus der DDR knüpfen. Im Dezember 1989 war dann die Geburtsstunde des Grünen Bandes als die erste Resolution dazu verabschiedet wurde. Prof. Weiger schilderte diese Ereignisse in seinem Redebeitrag. Es war einer einzigartigen Konstellation der Geschichte zu verdanken, dass wir an der innerdeutschen Grenze nun eins der bedeutendsten Naturräume Deutschlands geschaffen haben, das in seiner Vielfalt ein geeignetes Mahnmal für die Friedliche Revolution und das Zusammenwachsen von Deutschland ein würdiges Zeichen ist. Hoffnungsvoll klang dabei auch an, dass die Erfahrungen des Grünen Bandes nun auch bei der Wiederversöhnung des geteilten Koreas eine Rolle spielen und auch für andere Konfliktregionen die Möglichkeit der Errichtung von „Peace-Parks“ in Erwägung gezogen werden.

Prof. Weiger machte aber auch deutlich, welche politischen Notwendigkeiten es nun noch braucht, um das Grüne Band in vollständigem Glanz erstrahlen zu lassen. Es ist notwendig, das Grüne Band als nationales Naturmonument rechtlich zu sichern. Um das Grüne Band zu vervollständigen, forderte Weiger ein „Bundesprogramm Lückenschluss“, das mit erweiterten Elementen in die Fläche hinein zum Biotopverbund beitragen und in einem Bundeskonzept der Grünen Infrastruktur aufgehen soll.

Auch in Deutschland gibt es, in Gedenken an unsere eigene Geschichte noch Hausaufgaben zu bewerkstelligen. So hat Rheinland-Pfalz gerade eine Initiative zum „Grünen Wall im Westen“ gestartet, die die grüne Umweltministerin Ulrike Höfken vorstellte. Gemeinsam mit Umweltverbänden soll so der ehemalige Westwall in Anlehnung an das Grüne Band „grün“ werden: für die Natur, für den Erhalt der Artenvielfalt, aber auch als mahnendes Monument in der Landschaft. Der vom Nazi-Regime unter horrendem Aufwand, teilweise durch Zwangsarbeit realisierte militärische Wall gegen Westen, soll für den Naturschutz, das Gedenken und die Erholung der Menschen gesichert werden, anstatt die Deutungshoheit darüber den (Neo)-Nazi-Pilgern zu überlassen.

Der „Grüne Wall im Westen“ wäre eine wichtige Ergänzung zu der Schutzgebietskulisse in Deutschland, die dank Prof Succow derzeit deutlich grüner in den neuen Bundesländern ausfällt als im Westen. Eine schöne Zukunftsvision: Durch ganz Deutschland ziehen sich kreuz und quer grüne Bänder – eine ganz und gar Grüne Infrastruktur!

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