MeeresschutzZu viel Gülle in der Ostsee

Die Ostsee ist eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt, schreibt der EU-Rechnungshof. Kein üblicher Verdächtiger, der da zu so deutlichen Worten greift. Der Rechnungshof hat untersucht, wie die Maßnahmen zur Bekämpfung der Nährstoffbelastung greifen, zu denen alle Mitgliedstaaten verpflichtet sind. Sein Fazit: Da passiert zu wenig. Eigentlich haben sich alle EU-Mitglieder verpflichtet, einen guten Umweltzustand der Meere zu erreichen. Davon sind wir aber weit entfernt. Denn wir lassen eine Agrarindustrie walten, die ungehemmt ihre überschüssige Gülle großzügig auf die Äcker verteilt. Beim ersten Regen werden die Nitrate und Phosphate in die Flüsse und ins Grundwasser geschwemmt und fort ins Meer getragen.

Explosionsartiges Algenwachstum

Gülle und Dünger lässt aber nicht nur die Pflanzen auf dem Acker wachsen, sie düngen das Meer gleich mit. Und das hat fatale Folgen. Denn plötzlich wachsen Algen explosionsartig, trüben das Meerwasser ein, benötigtes Licht kann nicht mehr durchdringen, Tangwäldern oder Seegraswiesen sterben ab. Diese Pflanzen sind aber ein wichtiger Baustein in der Nahrungskette. Verschwinden sie, sind andere Meereslebewesen in ihrer Existenz bedroht. Und damit nicht genug: Absterbende Pflanzen sinken auf den Meeresboden und werden dort von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess entzieht dem Wasser und dem Meeresboden Sauerstoff, gleichzeitig entsteht giftiger Schwefelwasserstoff. Pflanzen und Tieren, die am Meeresboden leben, geht buchstäblich die Luft aus, das ökologische Gleichgewicht gerät vollends aus dem Ruder.

Todeszonen in der Ostsee

Einer Studie der Universität Aarhus zufolge haben sich diese sauerstoffarmen, lebensfeindlichen Bereiche, sogenannte Todeszonen in der Ostsee stark ausgeweitet. Von circa 5.000 Quadratkilometern vor 110 Jahren sind sie auf mittlerweile 60.000 Quadratkilometer angewachsen. Das entspricht einer Fläche dreimal so groß wie Sachsen-Anhalt. Weder Fische noch andere Meeresbewohner können in dieser weltweit größten Todeszone menschlichen Ursprungs existieren. Ihr Lebensraum in der Ostsee ist dadurch drastisch geschrumpft.

Der Tatort ist die Landwirtschaft, dort müssen Reformen ansetzen. Deutschland reißt jeden Grenzwert bei Nitraten, das ist allgemein bekannt. Die EU Kommission klagt inzwischen gegen Deutschland für die Nicht-Einhaltung der Nitratrichtlinie. Wir brauchen dringend eine Reform der Düngeverordnung, die strikte Auflagen zum Gülleaustrag vorsieht. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung wird den Ansprüchen nicht im Ansatz gerecht. Unser Antrag zur Änderung im Düngerecht liegt vor.

Die Ostsee ist eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt, schreibt der EU-Rechnungshof. Kein üblicher Verdächtiger, der da zu so deutlichen Worten greift. Der Rechnungshof hat untersucht, wie die Maßnahmen zur Bekämpfung der Nährstoffbelastung greifen, zu denen alle Mitgliedstaaten verpflichtet sind. Sein Fazit: Da passiert zu wenig.

Die gesamte deutsche Ostsee ist als gefährdetes Gebiet eingestuft. Insbesondere sind die Belastungen in den Küstengewässern besonders hoch. Dort werden die Orientierungswerte, also diejenigen Werte die es für die Einhaltung des guten ökologischen Zustands braucht, weit überschritten. Bei den Gesamtstickstoffwerten oder auch Phosphor werden die Zielwerte nach Daten des Bund/Länder-Ausschuss Nord- und Ostsee (BLANO) bis zu 369 Prozent überschritten. Eine grafische Darstellung des Zustands der deutschen Küstengewässer ist den beiden Karten zu entnehmen.

Abweichung des Medians der Stickstoffwerte vom Orientierungswert in Prozent

Abweichung des Medians der Phosphorwerte vom Orientierungswert in Prozent

Eigentlich haben sich alle EU-Mitglieder verpflichtet, einen guten Umweltzustand der Meere zu erreichen. Davon sind wir aber weit entfernt. Denn wir lassen eine Agrarindustrie walten, die ungehemmt ihre überschüssige Gülle großzügig auf die Äcker verteilt. Beim ersten Regen werden die Nitrate und Phosphate in die Flüsse und ins Grundwasser geschwemmt und fort ins Meer getragen.

Explosionsartiges Algenwachstum

Gülle und Dünger lässt aber nicht nur die Pflanzen auf dem Acker wachsen, sie düngen das Meer gleich mit. Und das hat fatale Folgen. Denn plötzlich wachsen Algen explosionsartig, trüben das Meerwasser ein, benötigtes Licht kann nicht mehr durchdringen, Tangwäldern oder Seegraswiesen sterben ab. Diese Pflanzen sind aber ein wichtiger Baustein in der Nahrungskette. Verschwinden sie, sind andere Meereslebewesen in ihrer Existenz bedroht. Und damit nicht genug: Absterbende Pflanzen sinken auf den Meeresboden und werden dort von Bakterien zersetzt. Dieser Prozess entzieht dem Wasser und dem Meeresboden Sauerstoff, gleichzeitig entsteht giftiger Schwefelwasserstoff. Pflanzen und Tieren, die am Meeresboden leben, geht buchstäblich die Luft aus, das ökologische Gleichgewicht gerät vollends aus dem Ruder.

Todeszonen in der Ostsee

Einer Studie der Universität Aarhus zufolge haben sich diese sauerstoffarmen, lebensfeindlichen Bereiche, sogenannte Todeszonen in der Ostsee stark ausgeweitet. Von circa 5.000 Quadratkilometern vor 110 Jahren sind sie auf mittlerweile 60.000 Quadratkilometer angewachsen. Das entspricht einer Fläche dreimal so groß wie Sachsen-Anhalt. Weder Fische noch andere Meeresbewohner können in dieser weltweit größten Todeszone menschlichen Ursprungs existieren. Ihr Lebensraum in der Ostsee ist dadurch drastisch geschrumpft.

Der Tatort ist die Landwirtschaft, dort müssen Reformen ansetzen. Deutschland reißt jeden Grenzwert bei Nitraten, das ist allgemein bekannt. Die EU Kommission klagt inzwischen gegen Deutschland für die Nicht-Einhaltung der Nitratrichtlinie. Wir brauchen dringend eine Reform der Düngeverordnung, die strikte Auflagen zum Gülleaustrag vorsieht. Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung wird den Ansprüchen nicht im Ansatz gerecht. Unser Antrag zur Änderung im Düngerecht liegt vor.

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1 Kommentar
Gutes und wichtiges Thema aber Problematik unzureichend erklärt
Dr. Horst Denzer 01.06.2016

Die Ostsee ist das größte Brackwassergebiet der Erde (salzarmes Oberflächenwasser und salzreiches Tiefenwasser) und daher ökologisch
sehr anfällig. Düngemitteleinträge in die Ostsee durch Anrainerstaaten :
z.B. Stickstoffdünger : Deutschland : 3 % Polen ; 28 %
z.B. Phosphatdünger : Deutschland : 2 % Polen : 34 %
andere Anrainer liegen dazwischen. Tickende "Zeitbomben" sind Fässer mit Nervengiften (nach 1. Weltkrieg) und radioaktivem Abfall (nach 2. Weltkrieg) in der Ostsee, die undicht werden können. Auch Plastikmüll, an dem Fische und Vögel nach Verschlucken verenden, ist immer noch ein großes Problem. Überfischung ist ein weiteres ernstes Problem

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