Engagement für Flüchtlinge stärkenWir brauchen ein Gesamtkonzept

Das vergangene Jahr war überwältigend: Eine Welle der Hilfsbereitschaft und der Wille zu einem solidarischen Engagement für Flüchtlinge gingen und gehen quer durch alle Gesellschaftsschichten in Stadt und Land. Anfang diesen Jahres haben wir als grüne Bundestagsfraktion über 80 Engagierte aus vielfältigen Projekten der zivilgesellschaftlichen Flüchtlingsarbeit nach Berlin eingeladen, um gemeinsam zu diskutieren, wie wir von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur kommen – auch im bürgerschaftlichen Engagement. Wir haben viele gute Ideen und Impulse mitgenommen. Sie finden sich in unserem Antrag „Heute für morgen helfen – Engagement für Geflüchtete stärken“ wieder.

Die letzten Monate haben nicht nur unser Land, sondern auch die Zivilgesellschaft verändert. Es engagieren sich Menschen, die das bisher nicht getan haben, und in einem Ausmaß, das wir nicht zu hoffen wagten. Die Freiwilligen sind oft höher qualifiziert, haben häufiger selbst einen Migrationshintergrund und sind jünger als die „klassisch Engagierten“. Viele, die bisher politisch nicht aktiv waren, erlebten an manchen Stellen ein Versagen und die Langsamkeit von Staat und traditionellen Institutionen. Sie wollen nicht zuschauen, sondern selber mitmischen. Und auch viele Flüchtlinge selbst wollen anpacken und Aufgaben übernehmen.

Damit die auf Soforthilfe ausgerichtete Willkommenskultur von einer auf Dauer angelegten Willkommensstruktur ergänzt wird, brauchen wir auch von Seiten der Politik mehr Engagement fürs Engagement!

Die in den letzten Monaten vielfach spontan und neu entstanden Initiativen brauchen über kurz oder lang Förderung, um zu überleben. Denn noch immer frisst der bürokratische Aufwand zur Sicherung der Finanzierung viel zu viel Zeit, die dem eigentlichen Anliegen verloren geht. Von der fehlenden Übersicht über den Förderungsdschungel, der viele demotiviert und frustriert zurücklässt, ganz zu schweigen. Langfristige, verlässliche und unbürokratische Förderungsstrukturen müssen jetzt her, damit sich die Lust am Engagement nicht in Frust verwandelt. Außerdem wollen wir:

  • die vor Ort bestehenden Engagement-Strukturen und das professionelle Freiwilligenmanagement durch die Förderung kommunaler Koordinationsstellen und eine vom Bund bereitgestellte zentrale Online-Plattform stärken
  • Supervisionen und Fortbildungen für Engagierte ausbauen und fördern. Wir regen an, Weiterbildungen fürs Engagement als Bildungsurlaub anzuerkennen
  • Engagierte gegen Angriffe von rechts schützen. Zivilgesellschaftliche Initiativen, einschließlich Flüchtlingshilfeeinrichtungen und die dort Engagierten sind zunehmend Zielscheibe von rassistisch motivierter Hetze und Gewalt. Das können und dürfen wir nicht hinnehmen. Zivilgesellschaftliche Initiativen müssen finanziell abgesichert werden, außerdem ist ein bundesweites Netz von Opferberatungsstellen erforderlich
  • das Engagement von Flüchtlingen selbst unterstützen: Geflüchtete sollten unkomplizierten Zugang zu Vereinen und zu allen Freiwilligendienstformaten bekommen, durch ihr Engagement dürfen ihnen keine Nachteile im Asylverfahren entstehen.

Ohne den hunderttausendfachen Einsatz der engagierten Helferinnen und Helfer wäre die Unterstützung für die Flüchtlinge und die Integration vor Ort kaum denkbar. Integration ohne Zivilgesellschaft funktioniert nicht. Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung auch konkrete Maßnahmen zur Unterstützung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements im anstehenden Integrationsgesetz.

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