ZeitpolitikAlles eine Frage der Zeit

Katja Dörner: "Wir wollen Ideen entwickeln, wie wir Druck aus der Rushhour des Lebens nehmen können."

Seite 3: Katja Dörner erklärt „Zeit für Zeit“

Katja Dörner, die gemeinsam mit Kerstin Andreae die neue Arbeitsgruppe Zeitpolitik leitet, erklärt kurz und knapp:

Worum geht es eigentlich beim Thema Zeitpolitik?

Die Beschleunigung und Verdichtung unserer Lebens- und Arbeitswelt hat unseren Alltag verändert. Mit dem Smartphone sind wir überall präsent und ständig erreichbar. Weil wir immer mehr in unserem Leben unterbringen wollen und müssen, wird unsere Zeit immer knapper. Viele Menschen fühlen sich permanent im Hamsterrad. Sie stehen vor der Frage, wie sie all die unterschiedlichen Anforderungen und Wünsche miteinander vereinbaren können: Familienleben mit Kindern, sich weiterbilden, sich bürgerschaftlich engagieren, Angehörige pflegen – natürlich alles im Einklang mit Job und Karriere.

Welches Ziel verfolgt ihr damit?

Wir wollen Ideen entwickeln, wie wir Druck aus der Rushhour des Lebens nehmen können. Denn vor allem junge Menschen, die gerade in ihrem Beruf durchstarten und zugleich im besten Alter sind, um eine Familie zu gründen, haben es nicht leicht. Es geht darum, wie jeder Einzelne Souveränität über seine Zeit zurückerlangen kann. Wie lassen sich beispielsweise Phasen reduzierter Arbeitszeit ermöglichen, ohne dass Menschen dadurch in einer Sackgasse landen. Hierzu wollen wir konkrete Vorschläge – eine grüne Zeitpolitik – entwickeln und selbstverständlich auch parlamentarisch debattieren lassen.

Was macht die „grüne Zeitpolitik“ besonders?

Menschen sollen selbstbestimmter über ihr Leben und ihre Zeit verfügen können und damit auch individuell mehr Freiheit gewinnen. Unsere Zeitpolitik ist auch ein Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. Viele junge Väter würden gerne weniger, Mütter aber mehr arbeiten. Hier wollen wir echte Wahlfreiheit schaffen. Und last but not least: Es geht uns um Gerechtigkeit. Zeitsouveränität darf keine Frage des Einkommens sein. Diese drei Aspekte kommen in vielen anderen zeitpolitischen Konzepten zu kurz.

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