Für ein bürgerschaftliches Engagement, dass in unser aller Leben passt!

2. Die Vielfalt bürgerschaftlichen Engagements fördern

Ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen setzt eine lebendige Zivilgesellschaft voraus: Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig und mitverantwortlich für die gesellschaftlichen Belange engagieren, und Organisationen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wirken zusammen und befruchten sich, sie vereinbaren und setzen Grenzen und sie kontrollieren sich gegenseitig. Aufgabe des Staates ist es u.a., Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, die es der Zivilgesellschaft ermöglichen, sich an gesellschaftlich relevanten Entscheidungen zu beteiligen und sich selbst durch tätiges Engagement einzubringen.

Während der Rot-Grünen-Koalition hat die Enquete-Kommission des Bundestags "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" den engen Begriff des Ehrenamts deutlich erweitert und an die moderne Bürgergesellschaft angepasst (Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagement" des Deutschen Bundestages: Bericht: Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft, 2002). Unter bürgerschaftlichem Engagement werden alle Formen des Ehrenamts, des freiwilligen Engagements verstanden, soweit sie den folgenden Kriterien genügen: Es ist freiwillig, nicht auf materiellen Gewinn gerichtet, gemeinwohlbezogen, findet im öffentlichen Raum statt und wird in der Regel gemeinschaftlich ausgeübt. Hinzu kommen Merkmale wie die Übernahme von Verantwortung, der Einsatz für soziale/ökonomische und ökologische Gerechtigkeit, demokratische Strukturen sowie die individuellen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger zur Selbstverantwortung, -stärkung und -organisation.

Engagement ist vielfältig und bunt. Es findet in unterschiedlichen Formen und Bereichen statt: durch die freiwillige Mitarbeit in bestehenden Strukturen z.B. in Pflegeeinrichtungen oder in der Jugendhilfe, bei der Entwicklung neuer Konzepte wie Urban Gardening oder der innovativen Gestaltung neuer Ideen z.B. bei Bürgerinitiativen, selbstorganisierter Kinderbetreuung oder Patenschaften. Engagement findet sich auch in der Vertretung von Interessen bestimmter Gruppen z.B. bei Selbsthilfegruppen oder der Patientenvertretung oder bei der Organisation und Teilnahme an Bürgerbeteiligungs- und Partizipationsprozessen, z.B. bei Protestaktionen oder kommunalen Gestaltungsfragen. Dabei treffen gelegentliche und dauerhafte sowie mehr oder weniger zeitintensive Formen des Engagements aufeinander oder ergänzen sich. Neben der Zeitspende sind auch Geldspenden für Projekte und Organisationen Teil des bürgerschaftlichen Engagements. Die Jugendfreiwilligendienste und der im Zuge der von uns unterstützten Aussetzungder Wehrpflicht eingeführten Bundesfreiwilligendienst werden in diesem Positionspapier nicht behandelt. Wir werden diese 2015 separat aufgreifen, wenn die vom BMFSFJ in Auftrag gegebene Evaluation der entsprechenden Gesetze durch das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik vorliegt.

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