DemografiekonferenzGemeinsam für Morgen

GEMEINSAM FÜR MORGEN– Demografie-Konferenz am 10.02.2017

Auf der Demografiekonferenz am 10.02.2017 stellte Doris Wagner MdB, Sprecherin für Demografiepolitik, das in der grünen Bundestagsfraktion erarbeitete Demografiekonzept vor. Der demografische Wandel ist in vollem Gange: Während die Zahl der älteren Menschen stetig zunimmt, werden Kinder und Jugendliche weniger.

Dass unsere Bevölkerung trotzdem wächst, liegt daran, dass wir länger leben und Menschen nach Deutschland einwandern. Familien werden bunter, Lebensverläufe bewegter. In vielen Städten feiern Kinder nicht nur das Weihnachts- sondern auch das Zuckerfest gemeinsam. In manchen ländlichen Regionen hingegen treffen Kinder andere Gleichaltrige nur noch in der Schule der nächsten Stadt und nicht mehr vor der Tür im Dorf.

Unsere Gesellschaft steuert auf einen Fachkräftemangel zu. Gleichzeitig wünschen sich mehr Menschen größere Zeitsouveränität. Der demografische Wandel ist voller Gegensätze und eine der größten Gestaltungsaufgaben unserer Zeit. Welche Weichen muss Politik für ein gutes Leben vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen stellen?

Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben

Prof. Waldemar Stange, Experte in Sachen Kinder- und Jugendbeteiligung, betonte, dass „gerade in ländlichen Regionen, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen an Bedeutung verlieren, da dort der demografische Wandel eine besondere Qualität hat.“ Dort altert die Gesellschaft besonders stark, Kinder und Jugendliche sind eine kleiner werdende Gruppe.

Politische Landjugend

Damit junge Menschen trotzdem gehört werden, möchte die grüne Bundestagsfraktion ihre Beteiligung stärken. Dies fordert auch Prof. Stange: „Man muss den Jugendlichen etwas zutrauen und selbst etwas risikofreudiger sein“. „Wichtig ist, Jugendliche nicht auf Spielwiesen zu schicken, sondern sie ernst zu nehmen, nicht zu unterfordern und dafür zu sorgen, dass ihre Beteiligung zu echter politischer Veränderung führt. Jugendbeteiligung ist sinnvoll, machbar und macht Spaß.“

Mit mehr Zeit durch die Rush-hour des Lebens

Viele Menschen empfinden die Zeitknappheit in der Rush-hour des Lebens als große Belastung. Familiengründung, Karriere und Pflege der Eltern müssen unter einen Hut gebracht werden. Gleichzeitig sorgt die demografische Entwicklung dafür, dass der Druck auf diese schrumpfende Gruppe steigt.

Immer weniger Menschen müssen den gesellschaftlichen Wohlstand erwirtschaften.
Erschwert durch einen Fachkräftemangel, der in unterschiedlichen Branchen und Regionen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Viele Menschen wünschen sich in dieser Phase mehr zeitliche Flexibilität. Deshalb hat die grüne Bundestagsfraktion vier Modelle entwickelt, die Menschen „Zeit“ geben: die Flexible Vollzeit, die KinderZeitPlus, die PflegeZeitPlus und die BildungsZeitPlus.

Homeoffice statt Präsenzkultur

Stefanie Lohaus, Herausgeberin des Missy Magazins und selbst mitten in der Vereinbarkeitsakrobatik wünscht sich, dass der „Club der Zeitmillionäre kein elitärer Club bleibt.“ Damit das gelingt ist eine neue gleichberechtigte partnerschaftliche Verteilung von Zeit erforderlich und neue Arbeitszeitmodelle. Dabei so Lohaus, „müssen wir wegkommen von unsinniger Präsenzkultur. Und dazu gehören mehr Ideen als das Homeoffice.“ Doch „Arbeitszeit ist nicht nur zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, sie ist es auch zwischen den Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten und zwischen verschiedenen Ländern.“

50 fühlt sich längst nicht alt.

Jahrzehntelang wurden ältere Beschäftigte innerbetrieblich aufs Abstellgleis verschoben, bei Neueinstellungen diskriminiert und durch eine Frühverrentungspraxis aus dem Arbeitsleben gedrängt. Die grüne Bundestagsfraktion möchte stattdessen gleichberechtigte Beschäftigte, egal wie alt sie sind. Aufgrund ihrer Erfahrung und aufgrund des Fachkräftemangels ist die Generation 50+ inzwischen stärker gefragt. Der Vorteil von altersgemischten Team wird vielerorts erkannt und gefördert.

Beratung für altersgerechtes Bauen

Doris Wagner sagte in ihrer Einführung, dass „die meisten Menschen sich wünschen, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben zu können.“ Deshalb sei es wichtig, Menschen zu ermutigen, schon in der Lebensmitte darüber nachzudenken, was an ihrem Haus oder ihrer Wohnung baulich verändert werden muss, damit sie zuhause alt werden können. Dafür sind mehr Beratung zum altersgerechten Umbauen und entsprechende finanzielle Fördermöglichkeiten sinnvoll.

Dr. Hajo Schumacher konstatierte, dass es „häufig die Einsamkeit ist, die die Menschen in die Pflegeheime bringt - nicht Krankheit. Einsamkeit kostet sieben Lebensjahre.“ Er betont wie wichtig Sinnstiftung und Gemeinschaft für ein gutes Leben im Alter sind: „Menschen brauchen ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Sinn und eine gemeinsame Idee - das schafft Zusammenhalt im Alter.“

Fachkräftemangel in der Pflege

Dass der Fachkräftemangel im Pflegebereich doppelt zuschlägt, hängt an den geburtenstarken Jahrgängen, die langsam pflegebedürftig werden. Und es liegt daran, dass die Pflegekräfte selbst altern und der Nachwuchs aus den geburtenschwächeren Jahrgängen ausbleibt.

Hazal Temel ist frisch ausgebildete Pflegerin und legte den Fokus ihres Inputs auf den Mehrwert kultursensibler Pflege. „Nicht jeder Moslem trinkt keinen Alkohol und nicht jeder Christ geht jeden Sonntag in die Kirche – auch in der kultursensiblen Pflege darf man nicht pauschalisieren!“ Kultursensible Pflege ist nicht nur etwas für ältere Menschen mit Migrationshintergrund – bei jedem Menschen muss die individuelle Geschichte berücksichtigt werden, um die Bedürfnisse angemessen zu erfassen.

Poetry-Slammerin Svenja Gräfen über das Alter

 
 
 

 

Nach den einleitenden Reden, diskutierten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in elf verschiedenen Weltcafés.
Hier sind die Berichte dazu:

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