DemografiekonferenzGemeinsam für Morgen

GEMEINSAM FÜR MORGEN– Demografie-Konferenz am 10.02.2017

Seite 8: Weltcafé 7 Fachkräftemangel verhindern

Brigitte Pothmer, Arbeitsmarktexpertin der grünen Bundestagsfraktion, und Dr. Matthias Mayer von der Bertelsmann Stiftung diskutierten gemeinsam mit Gästen über Strategien zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Wenn wir keine verstärkten Anstrengungen unternehmen, wird sich das aktuelle Erwerbspersonenpotenzial bis zum Jahr 2050 von 45 Millionen auf 29 Millionen Personen verringern. Durch Zuwanderung, eine zunehmende Aktivierung der einheimischen Fachkräftepotenziale und Veränderungen durch Industrie 4.0 kann diesem drohenden Fachkräftemangel jedoch entgegengesteuert werden. Diskutiert wurden konkrete Konzepte, mit denen dieser drohende Fachkräftemangel verhindert werden kann. Einen wesentlichen Beitrag kann dabei die Fachkräfteeinwanderung leisten. Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen sind aber viel zu restriktiv, kompliziert und bürokratisch. Die grüne Bundestagsfraktion schlägt deshalb vor, diese in einem Einwanderungsgesetz zu systematisierten und zu vereinfachen und zusätzlich ein Punktesystem zur Vergabe von Visa zur Arbeitsplatzsuche einzuführen. In diesem Zusammenhang wurde die Sorge geäußert, dass andere Länder darunter leiden könnten, wenn Deutschland qualifiziertes Personal abwirbt – der sogenannte Braindrain. Hierzu schildert Brigitte Pothmer eigene Erfahrungen, die sie im Rahmen eines Rumänien-Besuchs gewinnen konnte. Durch die zirkuläre Migration, also durch die spätere Rückkehr von qualifiziertem Personal nach Rumänien, kam es dort zu einer Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft. Somit darf das Problem der Abwanderung von Fachkräften nicht einseitig negativ betrachtet werden, es kann auch positive Effekte geben. Nichtsdestotrotz dürfen Leistungen der Daseinsvorsorge in den Herkunftsstaaten nicht gefährdet und die Vorgaben internationaler Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation zum Fachkräfteabfluss müssen eingehalten werden.

Zuwanderung allein wird das Problem des Fachkräftemangels nicht lösen. Gleichzeitig müssen die bisher nicht genutzten einheimischen Potenziale von Frauen, Älteren und Arbeitslosen genutzt werden. Könnte in Deutschland etwa die Frauenerwerbstätigkeit auf ein skandinavisches Niveau angehoben werden, ergäbe sich ein Potential von 2.1 Millionen Vollzeitäquivalenten. Modelle wie die Minijobs sind hier besonders kontraproduktiv - anstatt Möglichkeiten des Einstiegs in reguläre Beschäftigung zu bieten, haben sie sich als berufliche Sackgasse - vor allem für Frauen - erwiesen.

Am Ende der Debatte war eins klar - eine einfache Lösung zur Bekämpfung eines Fachkräftemangels in Deutschland wird es nicht geben. Ein umfangreiches Maßnahmenpaket ist nötig, um die drohenden Effekte des demografischen Wandels abzuschwächen.

Poetry-Slammerin Svenja Gräfen über das Alter

Nach den einleitenden Reden, diskutierten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in elf verschiedenen Weltcafés. Hier sind die Berichte dazu:

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