Alte MenschenLebensqualität im Alter

"Leipziger Steppladies" proben für eine Auftritt

Die Lebenserwartung steigt in Deutschland. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Ein lang gehegter Menschheitstraum wird wahr: der Traum von einem langen Leben. Allerdings steht die Bevölkerungspyramide gleichzeitig auf dem Kopf: Während die Zahl der älteren Menschen stetig ansteigt, schrumpft die Zahl der Kinder und Jugendlichen. Das ist eine Herausforderung für unsere Gesellschaft und unsere sozialen Sicherungssysteme. Immer mehr Menschen treibt die Sorge um, ob sie im Alter in die Armut abrutschen.

Armut im Alter?

Neben der finanziellen Sicherheit entscheiden weitere Dinge über ein gutes Leben im Alter. Gesundheitliche Probleme können das Wohlbefinden im Alltag stark beeinträchtigen. Außerdem brauchen Menschen das Gefühl, eingebunden zu sein.

Gesund im Alter?

Für viele Menschen ist es dabei zunehmend wichtiger, auch im Alter vor allem selbstbestimmt leben zu können. Sie wollen beispielsweise den Rentenübergang flexibler gestalten oder so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung  bleiben können.

Selbstbestimmt im Alter?

Um diese verschiedenen Facetten von Lebensqualität im Alter zu beleuchten, hat die grüne Bundestagsfraktion am 15. März zu der Podiumsdiskussion „Zusammenhalt für ein gutes Leben im Alter“ in Offenburg eingeladen. Im Zentrum standen die Fragen: was bestimmt Lebensqualität im Alter heute? Welche Weichen muss die Politik jetzt und für die Zukunft stellen?

Lebensqualität im Alter

Kerstin Andreae,  stellvertretende Fraktionsvorsitzende, stellte zu Beginn der Veranstaltung klar, dass die grüne Bundestagsfraktion die verschiedenen Dimensionen von Lebensqualität zusammendenkt. Auf diesem Grundsatz beruht ihr Konzept „Gut Leben im Alter“.

Finanzielle Sicherheit ist wichtig. Mit einer Garantierente wollen die Grünen im Bundestag ein Mindestniveau oberhalb der Grundsicherung im Alter gewährleisten. Die Rentenversicherung soll zu einer Bürgerversicherung weiterentwickelt werden, damit sie auch in Zukunft tragfähig finanziert ist.

Genauso wichtig ist jedoch eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung. Außerdem müsse die Politik die richtigen Weichen stellen, damit die Menschen im Alter möglichst selbstbestimmt über ihren Alltag und zum Beispiel auch über ihre Wohnform entscheiden können. Dabei sind auch Begegnungsmöglichkeiten und Solidarität im Umfeld wichtig, damit Zusammenhalt zwischen allen Generationen stattfinden kann.

Gesundheit und Pflege – nah am Menschen

Die Kommune ist der Lebensraum, in dem der Alltag der Menschen stattfindet. Der Raum, der Versorgungslücken offenbart, aber auch Potenziale in sich birgt. Kommunen müssen deshalb künftig eine stärkere Rolle dabei haben, Präventionsangebote zu planen, zu steuern und zu gestalten. Das gilt auch für die gesundheitliche und pflegerische Versorgung vor Ort.

Prof. Dr. med. Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, machte in der Diskussion auf das Problem aufmerksam, dass es vor Ort niedrigschwellige Angebote der unterschiedlichsten Akteure gebe, diese Angebote kämen jedoch zum Beispiel bei Demenzerkrankten oft nicht an: „Es braucht einen Kümmerer, der in Kontakt mit den Leuten trifft und nach den Bedarfen fragt!“

Die grüne Bundestagsfraktion fordert deswegen ein unabhängiges Fallmanagement. Dabei sollen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen persönlich beraten und begleitet werden, bis alle Fragen geklärt sind und eine gute Versorgung steht. So kann auch die Vernetzung zwischen den einzelnen Anbietern und Einrichtungen verbessert werden.

Eingebunden und selbstbestimmt – in jedem Alter

Prof. Pantel stellte auch heraus, dass chronische Krankheiten eher entstehen und sich schneller verschlimmern, wenn Menschen auf sich alleine gestellt sind.

Bärbl Mielich, Staatsekretärin  im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, betonte in diesem Zusammenhang, dass Mehrgenerationenhäuser die Menschen zusammenführen und dass insbesondere auch ältere Menschen auf Kinder treffen. Das sei ein Erfolgsmodell und gewinnbringend für alle. Deswegen werden in den nächsten Jahren weitere Mehrgenerationenhäuser in Baden-Württemberg gegründet. Mit dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) hat das Land außerdem wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass mehr alternative Wohnformen entstehen können.

Dieses Ziel verfolgt auch die grüne Bundestagsfraktion. Zusammen mit der Wohnungswirtschaft sollen genossenschaftliche und gemeinschaftliche Wohnformen stärker gefördert werden. Ein Ausbau des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ kann mehr Menschen dazu verhelfen, in ihrer Wohnung und damit in der vertrauten Nachbarschaft zu bleiben. Das Programm Soziale Stadt muss besser für Nachbarschafts- und gemeinschaftsfördernde Projekte genutzt werden. Um Engagement zu unterstützen, muss außerdem im Bundeshaushalt mehr Geld für die Begleitung und Weiterbildung von Freiwilligen bereitgestellt werden.

„Älterwerden in Offenburg“ – ein gutes Beispiel

Martina Köllner, Leiterin der Abteilung Familien, Jugend und Senioren bei der Stadt Offenburg, berichtete, wie sich die Stadt Offenburg mit dem Dialogprozess „Älterwerden in Offenburg“ auf den demografischen Wandel vorbereitet. Bürgerinnen und Bürger können sich aktiv einbringen und darüber diskutieren, wie bestehende Angebote weiterentwickelt werden sollen. Dabei werden nicht nur die Themen Pflege und Gesundheit aufgegriffen, sondern auch Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Der Dialogprozess in Offenburg zeigt, dass es wie im Konzept „Gut Leben im Alter“ der grünen Bundestagsfraktion vorgesehen möglich ist, die verschiedenen Aspekte von Lebensqualität im Alter zusammenzuführen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort passende Angebote zu entwickeln.

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