Diese Webseite verwendet Cookies zur Auswertung und Optimierung unseres Web-Angebots. Nutzungsdaten dieser Webseite werden nur in anonymisierter Form gesammelt und gespeichert. Einzelheiten über die eingesetzten Cookies und die Möglichkeit, die Nutzungsdatenanalyse zu unterbinden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

SolarenergieBundesregierung ohne Vision

Männer installieren Solarpanels auf einem Dach
Seit Jahren dümpelt der Ausbau der Solarenergie vor sich hin. Der sowieso schon zu geringe Ausbaukorridor der Bundesregierung wird seit 2014 nicht mehr annähernd erreicht. Wirtschaft und Verbände sind viel weiter, das wurde in einem Fachgespräch deutlich.

Seit Jahren dümpelt der Ausbau der Solarenergie vor sich hin. Der sowieso schon zu geringe Ausbaukorridor der Bundesregierung wird seit 2014 nicht mehr annähernd erreicht. Der Bundesregierung fehlen eindeutig eine Vision und der Weitblick für die Ankurbelung des Ausbaus der Solarenergie in Deutschland. In unserem Fachgespräch „Neue Finanzierungsmodelle für die Photovoltaik“ wurde dagegen deutlich, dass die Wirtschaft und Verbände schon viel weiter sind. Sie diskutieren bereits verschiedene Modelle, die den Ausbau innerhalb sowie außerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) stärken würden. Alle eingeladenen Referentinnen und Referenten waren sich einig, dass vor allem eine Reform des Steuer-, Abgaben- und Netzentgeltsystems notwendig ist.

Wir als grüne Bundestagsfraktion wollen die richtigen Instrumente und Anreize für den weiteren Ausbau der Solaranlagen sowohl innerhalb als auch außerhalb des EEG setzen. Es ist Zeit, die Solarrevolution voranzutreiben! Solarenergie kann vielseitig genutzt werden und stößt auf breite Zustimmung – die Ausgangslage für die Stärkung des Ausbaus ist also sehr gut. Außerdem wird Solarenergie dringend zur Dekarbonisierung unseres Energiesystems gebraucht – umso mehr noch, wenn es um den emissionsfreien Stromverbrauch in weiteren Sektoren, wie Wärme oder Verkehr, geht. In unserem Fachgespräch bekamen wir einen breiten Einblick in die aktuellen Vorschläge durch die Präsentationen der Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Branchen und Interessengruppen. Neben Frau Petersen vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stellten Johannes Lackmann von WestfalenWind sowie Robert Busch vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft und Marcel Keiffenheim vom Bündnis Bürgerenergie ihre Modelle vor.

Ausbau von Photovoltaik vereinfachen und Eigenverbrauch attraktiver machen

Der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern muss für die Menschen deutlich einfacher und attraktiver gemacht werden. Dafür muss der Rechtsrahmen reformiert werden. Wenn die Hürden niedriger sind und die Menschen von den Anlagen direkt profitieren können, wird auch die Teilnahme am Ausbau steigen. In unserem Fachgespräch stellte zunächst Johannes Lackmann sein Konzept vor. Lackmann forderte die Einführung von Net-Metering in Deutschland, wonach die sogenannten Prosumenten – das sind Verbraucher, die gleichzeitig Konsumenten und Produzenten sind – nur die Differenz zwischen dem eingespeisten Strom aus Photovoltaik und dem vom Netz bezogenen Strom zahlen. Dabei soll jeder seinen Stromverbrauch möglichst optimieren. Dies – gekoppelt mit optimaler Nutzung der Netze – würde für einen weitgehenden Ausgleich zwischen der Erzeugung und dem Verbrauch sorgen, so dass die EEG-Förderung nicht mehr notwendig sei.

Anschließend präsentierte Frau Dr. Maren Petersen das Drei-Säulen-Modell vom BDEW zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Neben Direktvermarktung im EEG (1. Säule) und Ausschreibungsmengen in Verbindung mit einer Marktprämie (2. Säule) sollen in der dritten Säule die Rechte und Pflichten von Prosumenten definiert werden. Dabei sollen sie weiterhin eine Förderung über das EEG erhalten, so der Vorschlag. Gleichzeitig sollen die Prosumenten jedoch Umlagen und Netzentgelte zahlen. Damit würde größtmögliche Transparenz über die Kosten entstehen.

Marcel Keiffenheim stellte dagegen ein Modell zur Bürgerstromhandelsplattform vor, in dem die Verkäufer und Käufer die Handelsverträge direkt untereinander ohne externe Förderung abschließen würden. Neben dem Szenario von Johannes Lackmann würde die EEG-Umlage auch durch das Modell von Marcel Keiffenheim entlastet werden. Robert Busch vom Bundesverband Neue Energiewirtschafts schlug wiederum vor, sowohl die Netzentgelte als auch die EEG-Umlage als Fixkosten zu Beginn jedes Jahres abzubuchen, um das Zahlungssystem zu vereinfachen.

Alle müssen zur Netzinfrastruktur beitragen

Einigkeit herrschte darüber, dass auch die Prosumenten durch Nutzungsentgelte zum Erhalt der Netze beitragen müssen. Eine komplette Befreiung davon sei nicht möglich, da alle die Netze letztendlich nutzen würden, auch wenn möglicherweise für kürzere zeitliche Abschnitte als bisher. Die Netze dürften auch nicht nur als Speicher angewendet werden. Allerdings wären für die Netzentgelte auch unterschiedliche Modelle denkbar, beispielsweise ein Pauschalbetrag oder ein an den erzeugten Kilowattstunden gekoppeltes Modell.

Im Anschluss an die Vorträge kommentierte Frank Peter von der Agora Energiewende die Vorschläge im Hinblick auf ihre Systemdienlichkeit. Dabei betonte auch er, dass es wichtig sei, in dieser Legislaturperiode das Steuer-, Abgaben- und Netzentgeltsystem zu reformieren und Einschränkungen für den Eigenverbrauch abzuschaffen. Gleichzeitig müsse aber auch das Gesamtsystem der Stromerzeugung im Blick behalten werden. Dazu gehöre ebenfalls das Thema Verteilnetze und deren Steuerung.

Die Politik muss Prosumenten unterstützen

Im Rahmen des Gesprächs wurde deutlich, dass der in den informellen Verhandlungen zwischen dem Rat der Europäischen Union (die Mitgliedstaaten) und dem Europäischen Parlament erreichte vorläufige Kompromiss zur Änderung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Artikel 21) eine positive Ausgangslage für die Weiterentwicklung der Rolle der Prosumenten bei der Energiewende darstelle. Allerdings komme es nun darauf an, wie die Mitgliedstaaten diesen Türöffner nutzen. Die grüne Bundestagsfraktion wird die Vorschläge weiter erörtern, um ein langfristiges Konzept für Deutschland zu entwickeln. Nur so kommt die Solarrevolution voran.

Dekarbonisierung oder auch Entkarbonisierung bezeichnet die Umstellung der Wirtschaftsweise, speziell der Energiewirtschaft, in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff. Quelle: Wikipedia

Mehr zum Thema Energie