Speichergipfel Der Weg zur Speicherrevolution

Grüner Speichergipfel
Beim Treffen mit der Energiespeicherbranche wurde deutlich, dass das größte Hemmnis für den Einsatz von Energiespeichern die Bundesregierung ist. Das macht die Energiewende teurer als sie sein müsste. Der Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter (Bildmitte), hat zusammen mit Fraktionsvize Oliver Krischer (im Bild rechts) und der energiepolitischen Sprecherin Julia Verlinden die Branche in den Bundestag eingeladen, um die Probleme der Speicherwirtschaft zu erörtern und Lösungen zu entwickeln.

Energiespeicher sind eine tragende Säule der Energiewende. Ihre Bedeutung wird mit der Zunahme schwankender Solar- und Windstromerzeugung weiter wachsen, denn sie können Strom in Überschusszeiten aufnehmen und ihn bei Bedarf abgeben. Und sie können in vielen Bereichen Dienstleitungen zur Netzstabilisierung und zur Erhöhung der Versorgungssicherheit übernehmen. Und nicht zuletzt sind Energiespeicher die Schnittstelle zwischen Strom, Wärme und Mobilität und damit ein Schlüssel für die Nutzung von Ökostrom in all diesen Bereichen.

Doch bis heute wird der Durchbruch von Speichersystemen durch falsche Rahmenbedingungen behindert. Der Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, hat zusammen mit Fraktionsvize Oliver Krischer und der energiepolitischen Sprecherin Julia Verlinden die Branche in den Bundestag eingeladen, um die Probleme der Speicherwirtschaft zu erörtern und Lösungen zu entwickeln.

Speichern wird zum Verlustgeschäft gemacht

Als Hauptproblem wurde von den vertretenen Unternehmen herausgestellt, dass Speicher immer noch als Letztverbraucher behandelt und mit Entgelten und Umlagen belastet werden. Trotz ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und einzelner Ausnahmeregelungen haben sie keine Chance, Marktreife zu erlangen. Diese ordnungsrechtliche Hürde gilt es nach einhelliger Meinung der Unternehmensvertreter abzubauen und Speicher von ungerechtfertigten Abgabenlast zu befreien.

Die EU-Kommission habe hier den richtigen Akzent gesetzt. In ihrem Winterpaket, das zurzeit in Brüssel verhandelt wird, werden Speicher als eigene Kategorie neben Erzeugern und Verbraucher von Energie herausgestellt. Damit wäre vorgezeichnet, dass sie nicht länger wie Letztverbraucher behandelt werden dürften. Doch ob es so kommt, wird von der Bundesregierung und ihrer Verhandlungsführung abhängen.

Schwarz-rote Regelungswut

Bislang sein die schwarz-rote Regelungswut gegenüber Speichern immens, wie die Branche an viele Beispielen klar machte. Jede kleine Innovation müsse zunächst mit den zuständigen Behörden, etwa der Bundesnetzagentur, sowie den Netzbetreibern abgesprochen werden. Das seien langwierige Verhandlungen, bei denen viele innovative Einsatzmöglichkeiten für Speicher versandeten. Die Politik müsse sich zum Ausbau von Speichern bekennen und Gesetze beschließen, die klar machen, dass Speicher ihre vielfältigen Potenziale im Markt entfalten sollen.

So können einzelne Speicher zurzeit entweder nur zur Netzstabilisierung oder aber zum Einspeisen von Solarstrom eingesetzt werden. Machen sie beides, verlieren sie die eben erst neu eingeführte Vergünstigung bei der EEG-Umlage schon wieder und sind dann nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Die Praxis sei voll von solchen Widersprüchen, beklagten die Unternehmen.

Grüne wollen Speicherrevolution

In ihrem Thesenpapier haben die drei Grünen-Politiker den Weg abgesteckt, wie die grüne Bundestagsfraktion Energiespeicher im Strom- und Wärmebereich endlich zum Durchbruch zu verhelfen will. Forschung alleine genügt uns nicht. Wir wollen die Markteinführung von Speichern ankurbeln. Neben der Befreiung von Abgaben und Umlagen soll dazu ein neues 400-Millionen-Euro-Programm zur Installation von 10.000 Wärmespeichern eingeführt und das Batterieförderprogramm weitergeführt werden. Unser Ziel ist es, Speicher marktgängig zu machen. So streben wir einen Strommarkt an, in dem Flexibilität und Umweltverträglichkeit einen Preis bekommen. Dann würden auch Speicher zu einer festen und wirtschaftlichen Größe im Energiemarkt.

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2 Kommentare
Alternativen fehlen
Helmut Kaufmann 31.03.2017

Eines haben alle Diskussionen und Schreiben gemeinsam: Nie kommt ein Fachmann zu Wort!
Bei allen Diskussionen über die Energiewende sollte man über einige Grundkenntnisse über diese Energie verfügen:
Strom ist kein Produkt welches man in beliebigen Mengen herstellen kann. Der ist in den Stromleitungen in Form von freien Elektronen vorhanden die in einem geschlossenen Kreis bewegt werden müssen. Deshalb kann kein einziges Watt produziert werden wenn nicht gleichzeitig ein Verbraucher eingeschaltet ist. Wind und Sonne geht nur wenn entsprechende Speicher zur Verfügung ständen. Die benötigten Kapazitäten übersteigen jede Vorstellungskraft und sind nicht realisierbar.

Kleiner Hinweis an den Fachmann
Aldo Piacentini 13.04.2017

Hallo Herr Kaufmann, Ihr Kommentar greift zu kurz und zieht am Thema vorbei. Zunächst handelt es sich bei dem von Ihnen erwähnten "Watt" um eine Leistungsangabe, die weder erzeugt noch verbraucht werden kann. Sicherlich meinten Sie die Wattsekunde. Zudem ging es nicht um zentral zu installierende Energiespeicher für etliche Terawattstunden sondern um die Glättung von Verbrauchs- und Erzeugungsspitzen in regionalen Verteilnetzen, denen in der Regel mit kumulierten Speichergrößen von einigen MWh begegnet werden kann. Nur um diese Speicher ging es beim Speichergipfel. Freundliche Grüße Aldo Piacentini

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