Klima statt KohleFragen und Antworten: Energiewende

Männer installieren Solarpanels auf einem Dach

Seite 2: WIE SOLL ES MIT DER ENERGIEWENDE WEITERGEHEN? KANN SIE AUF DAUER FINANZIERT WERDEN? DROHEN DIE ENERGIEKOSTEN WEITER ZU STEIGEN?

Der grüne Weg der Energiewende macht sich langfristig bezahlt. Weil er alternativlos ist, wenn wir den Klimawandel so begrenzen wollen, dass die Erde für die Menschen lebenswert bleibt. Weil der Umstieg auf erneuerbare Energien uns jährlich Milliarden für teure Kohle-, Gas- und Ölimporte erspart. Weil die Energiewende hilft, die massiven Folgekosten von Atomwirtschaft und CO2-Ausstoß zu vermeiden. Und weil die Energiewende bei erneuerbaren Energien, Energiemanagement, Netzausbau und Speichertechnik das Fundament legt für eine starke Wirtschaft mit zukunftsfähigen Jobs und hochwertigen Produkten.

Doch wie werden die erforderlichen Investitionen in EE-Anlagen, Netzen, Speicher und Kraftwerke gegenfinanziert? Im heutigen System erfolgt dies fast ausnahmslos über die Erlöse für verkaufte Kilowattstunden. Unternehmen und die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen sie zurück über die Stromrechnung, die nicht nur die Kosten der Stromerzeugung und -beschaffung, sondern auch Umlagen für den Bau und Betrieb von Netzen sowie die Mehrkosten für erneuerbar erzeugten Strom enthält. In den letzten Jahren sind die Beschaffungskosten für Strom an der Börse gesunken. Davon profitieren vor allem Großunternehmen, deren pausenlose Beschwerden über angeblich steigende Industriestrompreise völlig unangemessen sind. Wir haben heute die niedrigsten Industriestrompreise seit zehn Jahren - das bestätigen auch die Zahlen der Lobbyverbände.

Zugleich muss der Gefahr begegnet werden, dass die EEG-Umlage auch künftig den Strompreis in die Höhe treibt. Dies ist auch ohne Deckelung von Wind- und Solarstrom möglich: Windenergie an Land ist heute schon die preiswerteste Form der Stromerzeugung, preiswerter als aus neuen Kohlekraftwerken. Deshalb ist Windstrom schon heute - und absehbar auch die Photovoltaik - der "Billigmacher" der Energiewende. Die Alternative aus Ausbau der erneuerbaren Energien wären neue Kohle- oder Atomkraftwerke: Was das bedeutet, kann man in Großbritannien beobachten: Die Festpreise, die dort ein neues Atomkraftwerk bekommen soll, sind mehr als doppelt so hoch wie die Kosten für Windenergie an Land - die Entsorgungskosten für den Atommüll und alle anderen Kosten der Atomkraft noch nicht einmal eingerechnet.

Der heutige Strommarkt ist auf fossile Kraftwerke ausgerichtet und orientiert sich an deren Brennstoffkosten. Wind und Sonne haben aber keine Brennstoffkosten sondern lediglich Kosten für den Aufbau der Anlagen und können deshalb im heutigen Marktsystem nicht konkurrieren. Eine neues "Strommarktdesign" ist deshalb die zentrale Herausforderung für eine erfolgreiche Energiewende. Wir wollen daher den Strommarkt verändern und zum Beispiel Prämien für alle klimaverträglichen und flexiblen Stromerzeugungsanlagen (z. B. Gas-Kraftwerke, Speicher, Lastmanagement) einführen. Damit würden sich auch die Marktchancen für steuerbare erneuerbare Energien (Biomasse, Wasser) deutlich verbessern. Sie könnten bei Bedarf ihren Strom an der Börse - zu Zeiten hoher Preise - und im Regelstrommarkt vermarkten. Auf dieser Basis sollten sie perspektivisch neben dem Markterlös statt einer EEG-Vergütung nur noch eine Prämie für die bereitgestellte Leistung erhalten.

Bei Wind- und Solarstrom ist die Situation anders, da sie vor allem dann Strom liefern, wenn der Börsenpreis niedrig ist. Eine Refinanzierung allein über den heutigen Markt ist daher kaum möglich, zumindest so lange, wie die Speicherung oder Nutzung des Ökostroms im Wärmemarkt (Power-to-Heat) und im Verkehrsbereich (E Mobilität) noch nicht wirtschaftlich ist. Deshalb brauchen wir weiter das EEG. Darüber hinaus wollen wir Ökostrom vermehrt in den Endkundenmarkt liefern, z. B. als regional erzeugten Ökostrom. Damit würden gleich drei Ziele erreicht: Erstens könnten die Verbraucherinnen und Verbraucher direkt günstigen Ökostrom beziehen, zweitens würden regionale und genossenschaftliche Anbieter gestärkt und drittens würde die über das EEG zu vergütende Ökostrommenge und damit die EEG-Kosten gesenkt.

Wir diskutieren darüber hinaus, ob die Entwicklungskosten der erneuerbaren Energien, die einen relevanten Teil der derzeitigen Umlage ausmachen, aus der Umlage herausgenommen und über einen Fonds finanziert werden sollten, wie es Klaus Töpfer vorgeschlagen hat.

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