Niedrige ÖlpreiseGefahr für den Klimaschutz?

Erdölförderpumpen im Sonnenuntergang

Über ein Drittel der hierzulande verbrauchten Energie wird aus Erdöl gewonnen. Deutschland ist bei der Deckung seines Rohölbedarfs zu 98 Prozent auf Importe angewiesen – und freut sich wie andere Länder auch, dass trotz des weiterhin hohen Verbrauchs der Ölpreis in den letzten Monaten vor allem eine Richtung kennt: Nach unten. Erdöl ist derzeit so günstig wie letztmalig 2009, inmitten der internationalen Finanzkrise.

Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf Ölkonzerne wie ExxonMobil hat, erläuterte Olaf Martins in seinem Vortrag. Dabei wies er darauf hin, dass der derzeit niedrige Ölpreis für die langfristige Entwicklung des Unternehmens kaum eine Rolle spielt, da Investments oftmals Jahre oder sogar Jahrzehnte heraus entschieden werden. Trotz alternativer Antriebstechnologien im Verkehrsbereich – etwa durch Elektroautos – wird Erdöl seiner Auffassung nach über viele Jahrzehnte weiterhin der Energieträger in diesem Bereich bleiben.

In seinem Vortrag „Wie geht es weiter mit der Ölproduktion?“ erläuterte Dr. Harald Andruleit von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), dass trotz der Endlichkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl diese auch noch langfristig in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mit der gestiegenen Nachfrage auch die weltweite Produktion anstieg – etwa durch neue Fördermethoden. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass Erdöl der erste Energierohstoff ist, bei dem eine geologische Limitierung langfristig zu erwarten ist.

Dr. Steffen Bukold von EnergyComment machte deutlich, dass der derzeitige Preiskollaps zwei Hauptursachen hat. Erstens eine Überversorgung des Marktes und zweitens eine Lähmung des OPEC-Kartells, das sich nicht - wie 2008/2009 - zu einer Produktionskürzung durchringen konnte. Statt die Preise zu stützen, kämpfen die Ölexporteure um Marktanteile. Seither herrscht auf dem Ölmarkt ein ungewohnter Verdrängungswettbewerb. Dadurch fallen die Einnahmen der Ölproduzenten. Für Investoren führt dieses Preisrisiko zu Unsicherheiten: Kapitalintensive und langfristig angelegte Ölprojekte werden es in Zukunft schwer haben, in den Vorstandsetagen und bei den Banken grünes Licht zu bekommen. Das gilt für die Erschließung der Arktis, brasilianisches Tiefwasser, kanadische Ölsande oder auch Projekte im Schwerölsektor.

Swantje Küchler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) machte in ihrer Präsentation „Niedriger Ölpreis – Chance für den Abbau von umweltschädlichen Investitionen“ deutlich, dass es Marktverzerrungen durch den niedrigen Ölpreis gibt und gleichzeitig externe Kosten wie etwa Klimaerwärmung und Umweltschäden bei der Förderung oftmals nicht von den Verursachern getragen werden. Gleichzeitig geht auch sie davon aus, dass der Erdölpreis demnächst wieder steigen wird und deshalb die Energiewende forciert werden muss um sich unabhängiger vom Anstieg fossiler Energiepreise zu machen. Deshalb plädiert sie für die Abschaffungen von Subventionen wie dem Dienstwagenprivileg und der Einführung einer CO2-Steuer.

Bei der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Fragen, welche konkreten Auswirkungen uns bevorstehen und wann wieder mit steigenden Ölpreisen zu rechnen ist. Dabei wurde klar, dass der derzeit geringe Ölpreis nur ein kurzfristiges Phänomen ist und bald wieder mit Preisanstiegen zu rechnen ist. Diese Blaupause führt faktisch etwa dazu, dass derzeit kaum Investitionen in Energieeffizienz im Gebäudebereich getätigt werden. Dies stellt aber spätestens bei wieder steigenden Erdölpreisen ein Problem für Hausbesitzer und Mieter da.

Im Schlusswort machte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer deutlich, dass die aktuelle Niedrigpreisphase im Ölmarkt umso größere Preisrisiken erzeugt, je länger sie andauert. Deshalb dürfen die aktuell niedrigen Ölpreise nicht als energiepolitisches Ruhekissen missverstanden werden. Sie sollten vielmehr als finanzielles Sprungbrett dienen, um durch entsprechende Investitionen den Ölverbrauch rechtzeitig zu verringern und volkswirtschaftliche Risiken damit nachhaltig zu minimieren. Es ist jetzt an der Zeit in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren. Falls dies nicht geschieht hängen wir weiter am Öltropf wie der Junkie an der Nadel.

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