Grüne StudieKohlekraftwerke sind Quecksilberschleudern

Kohlekraftwerke Niederaußem und Frimmersdorf
Kohlekraftwerke in Deutschland stoßen deutlich zu viel hochgiftiges Quecksilber aus. Quecksilber reichert sich in der Natur an und ist für Menschen extrem gefährlich. Unsere Studie zeigt: Filteranlagen könnten Quecksilber- und Stickoxidausstoß um rund 80 Prozent reduzieren. Und wir müssen jetzt den Kohleausstieg einleiten.

Kohlekraftwerke in Deutschland stoßen deutlich zu viel hochgiftiges Quecksilber aus. Das ist das Ergebnis einer Studie des Think-Tanks European Environmental Bureau (EEB) im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion. Im Vergleich zu den US-Kohlekraftwerken stoßen die deutschen Kohlekraftwerke pro erzeugter Megawattstunde rund 21-mal mehr Quecksilber aus, weil hier entsprechende Filtertechnologien nicht installiert sind.

Filter für Quecksilber

Einmal in der Atmosphäre, breitet sich Quecksilber weiträumig und über weite Distanzen in der Umwelt aus. Da dieses Schwermetall persistent und bioakkumulativ ist, reichert sich dieser Stoff in den Umweltmedien Wasser, Boden und schließlich den Lebewesen an. Das Gift verbleibt aber nicht nur lange in der Umwelt, sondern sammelt sich im menschlichen Körper an und baut sich dort nicht wieder ab.

Giftiges Quecksilber reichert sich in der Natur an

Bereits kleine Mengen von bestimmten organischen Quecksilberverbindungen können dem Menschen schaden. Besonders gefährdet sind Embryos und Kleinkinder. Untersuchungen beweisen, dass Quecksilberbelastung die geistige Entwicklung von Kindern verlangsamen und damit den Intelligenzquotienten mindern kann.

„Quecksilber ist hochgiftig und entsteht weiterhin bei der klimafeindlichen Energieerzeugung aus Kohle“, so die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. „Das Gift kann aber zu vertretbaren Kosten bei Kohlekraftwerken herausgefiltert werden. Was in den USA schon längst eine Selbstverständlichkeit ist, müssen wir auch in Deutschland schnellstmöglich angehen.“

Keine Grenzwerte für Quecksilber-Emissionen

Im Gegensatz zu den USA gibt es aktuell in der EU keine Grenzwerte bezüglich der Quecksilber-Emissionen. Diese sind erst in den nächsten Jahren vorgeschrieben und liegen deutlich über den amerikanischen Grenzwerten. Trotzdem regt sich in den Bundesländern mit Braunkohleabbau Widerstand gegen diese neuen EU-Grenzwerte für Quecksilber.

„Es ist unfassbar, dass sich die SPD- und CDU-Ministerpräsidenten der Kohleländer selbst gegen die schwachen Grenzwerte der EU wehren“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer. „Ministerpräsident Laschet und andere wollen mit blödsinnigen Kostenargumenten verhindern, dass unsere Atemluft und unsere Essen endlich giftfrei werden. Den Energiekonzernen ein paar Euro Kosten zu ersparen, ist für Laschet & Co. wichtiger als die Gesundheit der Menschen zu schützen.“

Laut Studie können Milliarden gesellschaftlicher Kosten eingespart werden, wenn die deutschen Kohlekraftwerke mit der „Beste-Verfügbare-Technik“ (BVT) bei der Quecksilber-Abscheidung nachgerüstet werden.

Zusammenfassung der Studie:

  • Die Braun- und Steinkohlekraftwerke in Deutschland stoßen große Mengen an Quecksilber und Stickoxiden aus, insbesondere im Vergleich zu den Kohlekraftwerken in den USA: Die 54 deutschen Kohlekraftwerke emittierten 2015 über fünf Tonnen Quecksilber mit einer Gesamtleistung von ca. 52GW und Kohlestromerzeugung von 245,58TWh.
  • Auch der deutsche Quecksilber-Grenzwert von 10μg/Nm³, welcher ab 2019 gelten soll, ist mindestens doppelt so hoch wie der schon seit 2015 geltende US-Grenzwert für Braunkohleanlagen und um ein siebenfaches höher als der schon geltende US-Grenzwert für Steinkohleanlagen.
  • Die exzessiven Emissionen an Quecksilber und Stickoxiden verursachen in Deutschland hohe gesellschaftliche Kosten, insbesondere im Gesundheitssystem: Quecksilber zählt zu den schädlichsten neurotoxischen Substanzen.
  • Wenn die deutschen Kraftwerke nach dem Stand der Technik „Beste Verfügbare Technik“ (BVT) betrieben würden, so könnten jährlich eine Gesamtfracht von 4.077 Kilogramm Quecksilber vermieden werden, was einem Minderungspotenzial von 81,3 Prozent entspricht.

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