FachgesprächKWK-Förderung neu ausrichten

Biogasanlage mit Rapsfeld

Seite 2: Neues Strommarktdesign muss her

Auch Thies Clausen von der Agora Energiewende ging in seinem Vortrag (Download siehe am Ende des Artikels) auf die Probleme des bestehenden Strommarktdesigns ein. Eine volkswirtschaftlich unvorteilhafte Ausgestaltung von Umlagen, Netzentgelten und Befreiungen schaffe zusätzliche Verzerrungen und falsche Anreize sowohl für die Stromerzeugung als auch für das Lastmanagement auf der Verbrauchsseite. So lieferten beispielsweise industrielle KWK-Anlagen auch dann noch Strom, wenn schon große Mengen erneuerbar erzeugten Stroms im Netz seien. Er gab zudem zu bedenken, dass durch die EEG-Novelle vom Sommer 2014 der Zubau an Biogas betriebener KWK de facto abbrechen werde. Damit falle ein Treiber des bisherigen KWK-Ausbaus beinahe vollständig weg.

Künftig müssten die Förderbedingungen daher in erster Linie darauf ausgerichtet werden, die Effizienz des Gesamtsystems zu erhöhen. Bei intelligenter und differenzierter Ausgestaltung könne die KWK-Förderung einen wichtigen Beitrag zur Neugestaltung des Strommarktes leisten. Das Gesetz müsse dafür sorgen, dass zumindest hocheffiziente Gas-KWK in den nächsten Jahren nicht aus dem Markt gedrängt und Anlagen sinnvoll flexibilisiert würden.

Investitionssicherheit beachten

Matthias Krause, Geschäftsführer der Stadtwerke Halle GmbH, warnte davor, das 25%-Ziel für den KWK-Ausbau aufzugeben. Das würde einen erheblichen Rückschlag für die Investitionssicherheit von Kraftwerksplanungen bedeuten, auf die sich Stadtwerke in ihren bisherigen Investitionsentscheidungen verlassen hätten.

Er forderte ebenfalls eine Reform des Emissionshandels und eine Neuordnung des Strommarktes, da unter den gegebenen Bedingungen KWK-Anlagen stillgelegt werden müssten und keine Neuinvestitionen möglich seien. Um die Klimavorteile von Erdgas gegenüber Kohle zur Geltung zu bringen, sei die Einführung einer CO2-Steuer denkbar. Im Bereich der Abgaben für unterschiedliche Anlagentypen müsse zudem Wettbewerbsgleichheit hergestellt werden.

Im Blick auf die Gesetzesnovelle regte er eine zusätzliche Förderung des KWK-Anlagenbestandes an, beispielsweise in Form einer Kapazitätsprämie. Für Neubau und Modernisierung von KWK-Anlagen sei zudem ein höherer Fördersatz notwendig, auch sollten Investitionszuschüsse für Netz- und Speicherausbau steigen.

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