FachgesprächNeue Impulse für die Energiewende

Fachgespräch Energie 4.0

Der Energiemarkt ist im Umbruch. Die Umstellung auf erneuerbare Energien, die anstehende Verbindung von Strom-, Verkehrs- und Wärmesektor sowie die steigenden Anforderungen an Flexibilität und Effizienz in der Energieversorgung lassen neue Geschäftsfelder entstehen.

Genossenschaften und Start Ups machen sich allerorts auf, diese neue Energiewelt zu gestalten. Mit frischen Ideen und innovativer Technik verleihen sie der erneuerbaren Energieerzeugung für Strom und Wärme sowie dem Energiesparen Impulse.

Bundesregierung bremst Startups

Wir haben die neuen Energieakteure eingeladen, um ihr Innovationspotenzial kennenzulernen und zu diskutieren, welche politische Unterstützung sie für mehr Energiewende und Klimaschutz benötigen. Bislang ist der gesetzliche Rahmen bei weitem nicht auf die neue Energiewelt abgestimmt. Da waren sich die Gäste beim Fachgespräch „Energie 4.0 – neue Impulse für die Energiewende“ einig. Kleine Startups würden mit überbordender Bürokratie und technischen Standards geradezu erstickt.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer machte zu Beginn der Veranstaltung klar, dass die grüne Bundestagsfraktion die neuen Energiewende-Akteure fördern will. Denn mit ihren Ideen sei es möglich, einer dezentralen, von den Bürgerinnen und Bürgern mitgestalteten Energiewende ganz nahe zu kommen. Im Unterschied zur Bundesregierung wollen wir die Chancen nutzen, die durch das vielfältige Engagement der Energie-Startups entstehen. Sie geben den Spin vor, mit dem eine hundertprozentige Dekarbonisierung der Energiewirtschaft bis 2050 möglich werde, war sich auch Robert Busch vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft sicher. Es sei nicht die Frage, ob man dieses Ziel erreichen könne, sondern nur noch wie und wann.

Neue Wärme stärkt Klimaschutz

Bei der Vorstellung der einzelnen Startups lieferten VerteterInnen der Firmen Vilisto, Energieheld, Thermondo und Vestaxx Einblicke in die neue Wärmewelt. Mit selbstlernenden Thermostaten, Gebäudesanierung aus einer Hand, Heizungswechsel und Stromheizung im Fenster liefern die Unternehmen neue Ansätze, den CO2-Ausstoß von Gebäuden zu verringern. Ihre Forderungen an die Politik: Eine bessere Kommunikation und mehr Engagement für die Wärmewende, auch um neue Fachkräfte für das Handwerk gewinnen zu können, sowie eine auf Kleinunternehmen zugeschnittene Förderpolitik.

Strom kann man fast überall erzeugen

Strom aus Fotovoltaikanlagen oder Windrädern kennen heute alle. Aber Strom aus Flugdrachen, Bächen und Dachziegeln? Das ist neu. Bluefreedom hat ein Miniwasserkraftwerk entwickelt, das ohne schädliche Wirkungen für Fische Strom erzeugt. Crestmill bietet Dachziegel mit integriertem Windrad an, das vom Dachfirst Strom liefert. EnerKite lässt Flugdrachen steigen, die Ökostrom liefern und die Umwelt durch minimalen Ressourcenaufwand schonen. Und auch bewährte Firmen, suchen nach neuen Lösungen. So erzeugt Mitsubishi Hitachi alternative Treibstoffe mithilfe von Ökostrom, der für den Güterverkehr, Flugzeuge oder Schiffe genutzt werden könnte.

Die Dienstleister kommen

Besonders große Marktchancen werden den neuen Energiedienstleistern eingeräumt. Der Einzug neuer, oftmals digitaler Technologien bietet weit mehr Möglichkeiten für eine sichere Versorgung mit 100 Prozent Ökostrom. Strombedarf und -erzeugung werden über eine intelligente Steuerung und den Einsatz von Speichern jederzeit und an jedem Ort zielsicher aufeinander abgestimmt.

Unternehmen, die dies heute bereits praktizieren sind zum Beispiel Caterva, Sonnenbatterie, Prosumergy oder auch die Bürgerwerke eG. Dazu kommen neue digitale Möglichkeiten, mit denen Strom dezentral in der Nachbarschaft gehandelt und über die Blockchain-Technologie abgerechnet werden kann. Setzen sich diese Ansätze durch, könnten sich beispielsweise Wohnblocks, PV-Anlagenbetreiber oder Einkaufsgemeinschaften in Zukunft ihre eigene Energieversorgung organisieren.

Bundesregierung fördert an Startups vorbei

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Im Laufe der Veranstaltung wurde immer klarer, dass sich der marktwirtschaftliche Rahmen deutlich verändern muss. Es braucht eine juristisch klare Definition von Speichern sowie eine Diskussion über die Struktur der Netzentgelte und andere Umlagen- und Abgabensystem im Stromsektor.

Auch ein besserer Zugang zu Fördermitteln und Wagniskapital wurde angesprochen. Die bisherigen Programme seien vollständig auf Großunternehmen zugeschnitten. Für kleine Startups seine die Töpfe dagegen unerreichbar.

Die Energiezukunft ist grün

Zum Abschluss konstatierte Julia Verlinden, dass der energiepolitische Rahmen für Klimaschutz und Energiewende stimmen muss, damit neue Ideen eine Chance haben, in den Markt einzutreten. Die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag sagt, dazu brauche es neue Marktstrukturen. So helfe auch ein zügiger Kohleausstieg, Platz für neue Ideen zu schaffen. Ebenso helfe eine angemessene CO2-Bepreisung oder das Abschaffen des Ausbaudeckels für erneuerbare Energien. Denn mit weniger Fossilen und mehr Erneuerbaren wächst auch der Markt für die erneuerbare, dezentrale und vielfältige Energiewelt.

Mit Blick auf die neue Energiewirtschaft machte Julia Verlinden klar, dass gezielte Förderung der Startups wichtig ist. Bedeutender aber noch wäre das klare politische Signal, dass die neuen Akteure anerkannt und ihr Eintritt in den Markt gewollt sei. Davon ist unter Schwarz-Rot kaum etwas zu spüren. Als erstes brauche es fortschrittliche Bedingungen für die Nutzung von Speichern. Außerdem müsse der Zugang der Startups zu Kapital gesichert und die Förderung für sie umgestaltet werden.

Mehr zum Thema Energie

2 Kommentare
Bluefreedom
Günter Glier 02.04.2017

Ich habe in die Homepage reingeschaut und folgenden Eindruck gewonnen:
Zwar ein StartUp, das Chancen hat, jedoch vermisse ich ein deutliches Impressum, jedenfalls konnte ich dieses nicht finden. Es ist mir deshalb nicht möglich, denen eine Mail zu senden!
In der Homepage wird nach meinem Geschmack sehr dick aufgetragen, was mich misstrauisch macht.

Interessant
Aldo Piacentini 13.04.2017

Hallo, danke für den interessanten newsletter, den wir immer gern lesen. Wir hätten uns jedoch gefreut, wenn auch wir als Pionier der Branche und Hersteller von ORC-Anlagen die in Geothermie- und Biomassekraftwerken eingesetzt werden, auch zum Fachgespräch "Neue Impulse für die Energiewende" eingeladen worden wären. Zudem haben wir in Ihrem Newsletter den Hinweis auf "Strom aus Abwärme" vermisst. Strom aus Abwärme (bspw. aus Stahl-, Glas-, und Kraftwerken) könnte bspw. ca. 12 % des derzeit benötigten deutschen Strombedarfes decken, ohne das es dafür neuer Stromtrassen bedürfte
Viele Grüße
Aldo Piacentini / www.gmk.info, www.orc-fachverband.de

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4402752