HeizkostenSehenden Auges in die Wärme-Kostenfalle

Qualmende Schornsteine von Wohnhäusern in Leipzig

Wer mit fossilen Brennstoffen heizt, wird Jahr für Jahr von seiner Jahresabrechnung der Heizkosten geschockt. Für 2012 belief sich allein die Nachzahlung bei einer mit Öl beheizten Achtzigquadratmeter-Wohnung im Schnitt auf 204 Euro. Grund sind die gestiegenen Nettoimportkosten für Öl, Erdgas und Steinkohle. Im Jahr 2012 machten sie bundesweit 94 Milliarden Euro aus – das sind 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts!

Nie zuvor musste eine solch hohe Summe für den Import fossiler Energieträger aufgebracht werden. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für fossile Brennstoffimporte haben sich in Deutschland binnen zehn Jahren von gut 400 auf fast 1200 Euro annähernd verdreifacht. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Schon die Preissteigerungen im ersten Quartal 2013 dürfte Haushalten Mehrkosten von bis zu 65 Euro beschwert haben. Das ist das alarmierende Ergebnis einer aktuellen Studie zur Heizkostenentwicklung im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion.

Die enormen wirtschaftlichen und sozialen Risiken der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern können und müssen überwunden werden. So zeigt die Studie auf, dass der Ersatz von einer Million alter Ölheizungen, eine bessere Dämmung für eine Million alte Wohngebäude, eine geringfügig effizientere PKW-Flotte und die Einführung von Elektroantrieben für einen Teil der PKW die Importkosten Deutschlands (Nettoölimporte) um 9,2 Milliarden Euro pro Jahr entlasten würde. Das wären 13,5 Prozent der gesamten Ölnettoimportkosten. Wir würden damit nicht nur die Milliardenüberweisungen für teures Erdöl an Ölscheichs und für Erdgas an Herrn Putin stoppen, sondern auch das Klima schützen.

Dazu müssen wir endlich einen Durchbruch bei energiesparenden und auf erneuerbaren Energien basierenden Heizkonzepten schaffen und in der Breite umsetzen. Es braucht endlich einen neuen Energiesparfonds, aus dem verlässlich, unbürokratisch vor allem einkommensschwache Haushalte beim Energiesparen gefördert werden. Es braucht eine stetige und höhere Förderung erneuerbar erzeugter Wärme und eine Nutzungspflicht für Bestandsgebäude. Doch von all dem findet sich im schwarz-roten Koalitionsvertrag nichts. Sehenden Auges treibt die Bundesregierung immer mehr Haushalte in die Wärme-Kostenfalle.

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