Ölpreis-StudieWeiteres Festhalten am Erdöl führt zu Preiskollaps

Erdölförderpumpen im Sonnenuntergang

Nach Erdgas und Kohle sind auch die Ölpreise drastisch gefallen. Doch die aktuelle Investitionskrise, Einnahmeverluste der Ölexporteure sowie der Nachfrageschub durch niedrige Ölpreise erzeugen kurz- und mittelfristig erhebliche Preisrisiken, die einen erneuten Preisanstieg auslösen können. Deshalb gibt es nur eine Strategie aus diesem Dilemma: Weg vom Öl! Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von EnergyComment im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion.

Die Ölpreise auf den Weltmärkten haben sich seit dem Sommer 2014 halbiert und liegen derzeit knapp unter der Marke von 60 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Die Studie „Der Ölpreiskollaps Neue Ära oder nur kurze Episode? Hintergründe und Daten“ von Dr. Bukold führt für den Preiskollaps dabei zwei Hauptursachen auf: Eine Überversorgung des Marktes und eine Lähmung des OPEC-Kartells, das sich nicht - wie 2008/2009 - zu einer Produktionskürzung durchringen konnte. Statt die Preise zu stützen, kämpfen die Ölexporteure um Marktanteile. Seither herrscht auf dem Ölmarkt ein ungewohnter Verdrängungswettbewerb. Dadurch fallen die Einnahmen der Ölproduzenten im laufenden Jahr um knapp 1.000 Milliarden Dollar, wenn die Preise unverändert bleiben sollten. Für Investoren führt dieses Preisrisiko zu Unsicherheiten: Kapitalintensive und langfristig angelegte Ölprojekte werden es in Zukunft schwer haben, in den Vorstandsetagen und bei den Banken grünes Licht zu bekommen. Das gilt für die Erschließung der Arktis, brasilianisches Tiefwasser, kanadische Ölsande oder auch Projekte im Schwerölsektor.

Fracking-Boom in den USA bereits beendet

Die Studie kommt weiter zum Ergebnis, dass der Boom in der amerikanischen Schieferölbranche zum Stillstand gekommen ist. Schon ab dem Frühsommer werden die Produktionsmengen voraussichtlich sinken. Die Zahl der aktiven Bohrplattformen (Rigs) wurde halbiert. Die Zeichen einer Vollbremsung in den Schieferölregionen mehren sich, da die einzelnen Vorkommen schnell erschöpft sind. Die steigende Ölnachfrage kann damit nur gedeckt werden, wenn auch außerhalb der USA die Förderkapazitäten ausgebaut werden. Die Stabilität wichtiger Förderländer ist jedoch gefährdet: Mit Libyen, Syrien, Irak und Jemen befinden sich vier Staaten in der ölreichsten Region der Welt im Bürgerkrieg. Zwei weitere wichtige Produzenten, Iran und Russland, sind mit Wirtschaftssanktionen belegt. Zwei OPEC-Produzenten, Venezuela und Nigeria, durchlaufen schwere fiskalische und innenpolitische Krisen.

Weg vom Öl

Die aktuelle Niedrigpreisphase im Ölmarkt erzeugt also umso größere Preisrisiken, je länger sie andauert. Sie verursacht derzeit noch unüberschaubare politische Risiken in labilen Ölexportländern und führt zur Verschiebung großer Kapitalströme von den Ölproduzenten zu den Ölverbrauchern. Die Investitionen der Ölbranche schrumpfen daher, während der Verbrauch schneller als erwartet zunimmt. Die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen globalen Ölpreiskrise im kommenden Jahrzehnt steigt dadurch erheblich. Damit ist klar: Die aktuell niedrigen Ölpreise sollten nicht als energiepolitisches Ruhekissen missverstanden werden. Sie sollten vielmehr als finanzielles Sprungbrett dienen, um durch entsprechende Investitionen den Ölverbrauch rechtzeitig zu verringern und volkswirtschaftliche Risiken damit nachhaltig zu minimieren. Es ist jetzt an der Zeit in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren und etwa alte Heizungen auszutauschen und Gebäude zu dämmen. Hier ist von Seiten der schwarz-roten Bundesregierung eine Modernisierungsoffensive mit Zuschüssen und nicht alleine Förderprogramme mit verbilligten Krediten, die in der derzeitigen Situation auf dem Kreditmarkt sowieso nicht weiterhelfen, gefragt. Doch sie handelt nicht und belastet damit mittelfristig die Geldbeutel der Menschen in Deutschland.

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