Fachgespräch zur BürgerenergiewendeWie wird Energieeffizienz zum Bürgerprojekt?

Seite 3: Praxisbeispiele

Praxisbeispiel 1: vor Ort in Energiesparen investieren und Energiewende gestalten

Als erstes Praxisbeispiel präsentierte Herbert Köpnick von B.A.UM. e.V. die Regionalen Energieeffizienz-Genossenschaften (REEG). Bisher wären Energiegenossenschaften kaum im Geschäftsfeld Energieeffizienz aktiv. Doch die REEG könnten die Energiewende beflügeln. So hätten der Austausch von Leuchtmitteln in Industriehallen oder der Errichtung eines Pool-Caps in einem Hotel durch REEG bereits bis zu 190 % Rendite erbracht. Man befinde sich allerdings noch in der Pilotphase mit den REEG. Politische Unterstützung sei notwendig, jedoch gäbe es durch das geplante Kleinanlegerschutzgesetz und die EEG-Reform auch viel Verunsicherung bei den Akteuren. Um die „Goldgrube Energieeffizienz“ zu heben, müssten gesetzliche Hürden abgebaut statt verstärkt werden, wie er anhand von Beispielen erläuterte. Gerade in der Zusammenarbeit von IHKen, Kirchen, Bürgermeistern und Zivilgesellschaft vor Ort läge die Stärke des Modells REEG.

Praxisbeispiel 2: Crowdfunding für Energieeffizienz – neue Finanzierungsinstrumente und Beteiligungschancen

Im zweiten Praxisbeispiel stellte Marilyn Heib die Energieffizienz-Crowdfunding-Plattform bettervest vor. Bettervest stellt auf ihrer Homepage Energieeffizienz-Projekte vor und sammelt von Privatleuten (der „Crowd“) Geld ein um Energieeffizienzprojekte zu finanzieren, als Alternative zu herkömmlichen Kreditfinanzierungen über Banken. Die Bürgerinvestoren bekommen über eine Laufzeit von wenigen Jahren ihr angelegtes Geld plus Zinsen zurückgezahlt. Da 89% aller Bürgerinnen und Bürger die Energiewende wollen, habe bettervest keine Probleme, Investoren zu finden, auch wenn es nicht ohne Risiko ist, Geld als Nachrangdarlehen bei bettervest anzulegen. Es gäbe ein eher großes Interesse an spezifischen Investments in Deutschland, die über Crowdfunding-Plattformen getätigt werden könnten. Insgesamt verzeichnete der Crowdfunding-Markt enorme Wachstumszahlen. Ein Vorteil neben den niedrigen Beträgen, mit denen man sich schon beteiligen kann, seien die enormen Marketing-Effekte, die vor allem über social media erreicht würden. Darüber hinaus stelle die Crowd, also der Investoren- und Interessentenkreis, bei bettervest durch ihr Fachwissen jedes Projekt auf den Prüfstand, sodass man keine unausgegorenen Konzepte präsentieren könne. Sie rief die Anwesenden dazu auf, sich mit Projekten bei bettervest zu melden. Wenn nicht neue gesetzliche Hürden wie das Kleinanlegerschutzgesetz das Geschäftsmodell gefährden würden, hätte man genug Investoren, um noch viel mehr Energieeffizienz-Projekte umzusetzen.

Praxisbeispiel 3: Erfahrungen mit Bürger-Effizienzprojekten in NRW

Das dritte Praxisbeispiel „solar und spar“ stellte der Energieberater Detmar Schaumburg vor. Mit diesem Modellvorhaben wurden Schulen energetisch saniert und Photovoltaik-Anlagen installiert. Man habe dabei jedoch nicht die höchste Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund gestellt, sondern versucht, unter Effizienzgesichtspunkten möglichst viel zu erreichen. Es wurden also auch Maßnahmen ergriffen, die verhältnismäßig kompliziert und aufwendig umzusetzen waren und keine schnellen Renditen versprechen. Dadurch hätte man nicht der Kommune die schwierigsten und teuersten Effizienz-Maßnahmen übrig gelassen, sondern dafür gesorgt, dass am Ende alle profitieren. Rein durch technische Maßnahmen habe man bis zu 65% Energieeinsparung erreicht. Obwohl die Modellprojekte sehr erfolgreich waren, geht es nicht weiter. Ein Problem sei, dass am Anfang eines Projekts häufig das Geld für die Initialzündung fehle. Schließlich müsse man Investoren belastbare Zahlen zu Einsparungen, Kosten usw. präsentieren, die sich jedoch nicht ohne finanziellen Aufwand ermitteln lassen. Es gäbe außerdem in vielen Kommunen Unsicherheit, ob man solche Projekte überhaupt machen dürfe oder ob man sie beispielsweise eigentlich vorher europaweit ausschreiben müsste.

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