Fachgespräch: EntwicklungsfinanzierungArme Länder in der Schuldenfalle

Demo gegen Weltbank und IWF in Südafrika, in Cape Town 2007
Die grüne Bundestagsfraktion hat sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Grüner Salon Entwicklungsfinanzierung" Anfang November 2016 mit der Verschuldung von Entwicklungsländern befasst. Es droht die Rückkehr einer weltweiten Schuldenkrise. Das Foto zeigt eine Demo gegen Weltband und IWF in Südafrika, Cape Town 2007.

Seite 2: Fallbeispiel Sambia – Ein Land in der Schuldenfalle

In seiner Keynote hat Geoffrey Chongo vom Jesuit Center for Theological Reflection eindrücklich die Situation in seinem Heimatland dargestellt. Sambia wurden im Rahmen der sogenannten HIPC-Initiative in den Jahren 2005 und 2006 von sieben Milliarden Dollar Schulden insgesamt sechs Milliarden erlassen. Heute beträgt die Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), nicht einmal 35 Prozent - aus Sicht der meisten Industriestaaten ein kaum als problematisch anzusehender Wert – für Sambia hingegen schon. Zwei Drittel dieser Schulden bestehen allerdings gegenüber dem Ausland. Besonders kritisch sei die hohe Steigerungsrate, so Chongo. Allein im Zeitraum 2011 bis 2015 hat sich die Verschuldung verdreifacht. Von knapp zwei auf etwa sechs Milliarden Dollar.

Diese Verschuldung trifft auf eine vergleichsweise verletzliche Volkswirtschaft. Typisch wie für viele Entwicklungsländer ist auch Sambia stark abhängig vom Export unverarbeiteter Rohstoffe wie etwa Kupfer. Die Wirtschaft ist zu wenig diversifiziert. In Zeiten hoher Rohstoffpreise und niedriger Zinsen in den Industrieländern war die Bereitschaft an Sambia Geld zu verleihen groß. Genauso groß war aber auch dessen Bereitschaft diese Kredite auch aufzunehmen. Die Rückzahlbarkeit schien nicht gefährdet. Bei Zinswenden und insbesondere bei dem Verfall der Rohstoffpreise, wie seit einiger Zeit, wird es nun jedoch gefährlich. Hinzu kommen Korruption, Verschwendung von Mitteln, falsche Ausgabenprioritäten und zu wenig Mobilisation von inländischen Finanzquellen. Der IWF ist daher nun zurück in Sambia – mit seinen altbekannten Rezepten von Austerität und Sozialkürzungen.

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