Fachgespräch: EntwicklungsfinanzierungArme Länder in der Schuldenfalle

Demo gegen Weltbank und IWF in Südafrika, in Cape Town 2007
Die grüne Bundestagsfraktion hat sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Grüner Salon Entwicklungsfinanzierung" Anfang November 2016 mit der Verschuldung von Entwicklungsländern befasst. Es droht die Rückkehr einer weltweiten Schuldenkrise. Das Foto zeigt eine Demo gegen Weltband und IWF in Südafrika, Cape Town 2007.

Seite 3: Rückkehr einer weltweiten Schuldenkrise droht

Jürgen Kaiser von erlassjahr.de hob den Blick auf die globale Eben. Insgesamt sind nach Angaben von erlassjahr.de und des IWF derzeit 108 Staaten von Überschuldung bedroht. Und der Trend zeigt eine sich verschärfende Entwicklung. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl der gefährdeten Länder von 84 auf 108 erhöht. „Klassisch“ waren drei Gruppen von Ländern von Ver- und Überschuldung betroffen: Die sogenannten. HIPC-Länder, die 2005 / 06 schon einmal entschuldet wurden. Außerdem Inselstaaten, die durch externe Schocks (z.B. Hurrikans) betroffen sind. Hinzu kamen die Transformationsstaaten in Mittel- und Osteuropa. Nun geraten aber weitere Staaten in Schwierigkeiten, die bislang eher nicht im Fokus waren: zum Beispiel Ecuador, Südafrika, Marokko, Costa Rica.

Entwicklung bzw. Projekte in Entwicklungsländern werden global betrachtet zunehmend über Kredite finanziert. Niedrige Zinsen und hohe Liquidität in den westlichen Staaten treffen auf großen Investitionsbedarf bei Infrastruktur im globalen Süden. Ganz ähnlich geschah dies bereits in den 1970ern und 1980ern. Jürgen Kaiser prognostiziert, dass dies zu einer neuen Schuldenkrise führen könnte. Verschärft wird die Lage zudem durch das aggressive Agieren der so genannten Geier-Fonds. Bei Zahlungsunfähigkeit von Staaten erschweren diese Lösungen auf dem Verhandlungsweg indem sie auf ihren rechtlichen Ansprüchen auf Rückzahlung beharren. Derzeit könnte ein Kapitalvolumen von global 900 Milliarden Dollar von Geier-Fonds betroffen sein. Dies zeigt wie dringend an dieser Stelle Handlungsbedarf besteht.

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