FachgesprächSupermacht Supermarkt - Arbeitsrechte in der globalen Lieferkette

Eine Frau in Kenia pflückt Kaffee.

Ob an deutschen Supermarktkassen oder auf brasilianischen Orangenplantagen – an beiden Enden der globalen Lieferkette reicht der Lohn oft nicht zum Leben. Dies ist kein Zufall. In Deutschland dominieren vier Supermarktketten den Lebensmitteleinzelhandel. Diese Marktmacht wird von den Supermärkten gezielt genutzt, um Preise zu drücken und Abhängigkeiten zu verstärken. Leidtragende sind die Angestellten in Deutschland, aber auch die ArbeiterInnen in Entwicklungsländern. Unter dem Motto „Supermacht Supermarkt – Arbeitsrechte in der globalen Lieferkette“ luden Uwe Kekeritz, Beate Müller-Gemmeke und die grüne Bundestagsfraktion am 13. Oktober 2014 VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein, um über die Marktkonzentration im deutschen Einzelhandel und die Auswirkungen im nationalen wie globalen Kontext zu diskutieren.

Nicht selten menschenunwürdig

In ihrer Eingangsrede verdeutlichte Stefanie Nutzenberger (Bundesvorstandsmitglied von ver.di und Leiterin des Fachbereichs Handel) die Situation im deutschen Einzelhandel. Sie führte aus, dass die vier führenden Supermarktketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarzgruppe (Lidl und Kaufland) 85 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. Ihnen stünden rund 6.000 Lebensmittelhersteller gegenüber. Die Supermarktketten nutzten ihre Nachfragemacht gezielt dazu, Preise zu drücken und den Produzenten Geschäftsbedingungen zu diktieren. Dies geschehe zu Lasten der Angestellten in Deutschland, aber auch auf Kosten der Beschäftigten in den Herstellungsländern. Denn in den vergangenen Jahrzehnten sei der Einkauf von Waren aus dem Ausland stark gestiegen. Zudem gelte der Markt als gesättigt. Um steigende Gewinne zu garantieren, müssten somit Kosten gespart werden. Dies führe zu einem „Sparen nach innen“. Der Preisdruck würde so bis ans Ende der Lieferkette weitergegeben.

Über die Auswirkungen der Marktkonzentration im deutschen Einzelhandel auf die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern diskutierten im ersten Panel Franziska Humbert, die Kampagnenleiterin der Oxfam Supermarkt-Kampagne und Ulrich Dalibor von ver.di. Beide Referenten zeichneten ein umfassendes Bild über die Zusammenhänge von deutschem Einzelhandel und internationaler Lieferkette. Soziale, ökologische Standards würden häufig nicht eingehalten. Nicht selten käme es zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Zudem mangele es an Gewerkschaftsfreiheit und existenzsichernden Löhnen

Im zweiten Panel standen die Arbeitsbedingungen in deutschen Supermärkten im Fokus der Debatte. Vor dem Hintergrund der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse im deutschen Einzelhandel prallten die Meinungen von Heribert Jöris vom Handelsverband Deutschland und die gewerkschaftliche Sichtweise von Ulrich Dalibor aufeinander. Während Jöris auf die Verantwortung der Politik verwies, Rahmenbedingungen für funktionierende Märkte zu schaffen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen festzulegen, bekräftigte Ulrich Dalibor, dass die Verantwortung bei den Supermarktketten liege. Die Gewerkschaften hätten in den vergangenen Jahren schlicht die Geduld verloren. Die Supermarktketten hielten sich bei den Löhnen immer weniger an die Tarifbindung und umgingen den Mindestlohn mit Werkverträgen und Teilzeitregelungen. Dass sich die Supermarktketten nun auch noch für eine Ausdehnung der Öffnungszeiten einsetzten sei ein Schritt in die falsche Richtung.

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1 Kommentar
Wehret den Anfängen !
HANS RÖSCH 18.11.2014

Die Supermarktketten müssen,besser kontrolliert
werden, (Betriesräte),jeder sollte sich überlegen,
möglichst wenig in ALDI & CO einzukaufen.

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