AntibiotikaresistenzenGefährliche Keime im Geflügelfleisch

Rohe Hähnchen liegen gestapelt auf einem Teller
Geflügelfleisch ist so hoch mit gefährlichen Keimen belastet, dass das Landwirtschaftsministerium spezielle Zubereitungshinweise ausspricht. Das zeigt erneut: Die industrielle Massentierhaltung gehört schnellstmöglich abgeschafft.

Geflügelfleisch ist so hoch belastet, dass das Landwirtschaftsministerium spezielle Zubereitungshinweise ausspricht. Das hat die Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Umweltausschussvorsitzenden Bärbel Höhn ergeben.

Keime mindern die Wirkung von Antibiotika

Für das sogenannte Zoonose-Monitoring wurden Proben von Geflügelfleisch aus dem Lebensmitteleinzelhandel untersucht. Dabei zeigte sich, dass 44 Prozent des untersuchten Puten- und 13 Prozent des untersuchten Hähnchenfleischs mit MRSA-Keimen belastet sind. Diese Keime (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) spielen weltweit eine große Rolle als Verursacher von zum Teil schwerwiegenden Krankenhaus-Infektionen. Ein weiterer Grund zur Sorge ist die Belastung mit ESBL-Keimen. Auf der Hälfte der Hähnchenfleischproben und fast 40 Prozent der Putenfleischproben wurden Keime mit diesen Enzymen gefunden, die die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika mindern oder sogar aufheben können.

Schluss mit der Massentierhaltung

Das Bundeslandwirtschaftsministerium empfiehlt, diese Lebensmittel vor dem Verzehr durchzugaren. Doch das kann ja nicht die Lösung sein. Diese gefährlichen Keime haben gar nichts auf unseren Lebensmitteln zu suchen. Im Robert-Koch-Institut hält man die Keime für so gefährlich, dass es Verbrauchern empfiehlt, vor allem Hähnchenfleisch nur stark erhitzt zu essen und beim Verarbeiten Einmalhandschuhe zu tragen.

Ein Pakt für faire Tierhaltung
Die jetzt bekannt gewordenen Funde sind erschreckend hoch. Und es ist in den letzten Jahren zu keiner wesentlichen Besserung der Situation gekommen. Um einen grundsätzlichen Kulturwandel im Umgang mit Antibiotika herbeizuführen, muss die intensive Tierhaltung grundsätzlich verändert werden. Den Tieren muss mehr Platz, Zugang zu einem Außenbereich und artgerechte Beschäftigung gewährleistet werden. Denn in der drangvollen Enge industrieller Tierställe, die viel Stress für die Tiere bedeutet, haben Infektionen leichtes Spiel.

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