LebensmittelkennzeichnungKein großer Wurf

Nährwerttabelle auf einem Lebensmittel

Die europäische Lebensmittelinformationsverordnung führt ab dem 13. Dezember zu einigen Verbesserungen, wichtige Kennzeichnungslücken werden aber nicht beseitigt.

Mehr Lücken als Informationen

So wird beispielsweise auf den Lebensmitteln zu erkennen sein, wenn bei der Herstellung Käse- oder Schinkenimitate eingesetzt wurden. Allergene Inhaltsstoffe müssen deutlicher gekennzeichnet sein, und ab April muss bei frischem Fleisch die Herkunft angegeben werden, so wie es beim Rindfleisch schon lange Pflicht ist. Andererseits bestehen die wichtigsten Kennzeichnungslücken weiter. Sie wurden in Brüssel abgelehnt – mit tatkräftiger Unterstützung der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung und auf massivem Druck der Lebensmittelwirtschaft. Daher wird es weiterhin keine leicht verständliche Nährwertkennzeichnung in Form einer Nährwertampel geben. Auch Herkunftsangaben sind bei den meisten Lebensmitteln nach wie vor Fehlanzeige. Selbst bei Fleisch greift die neue Herkunftsangabe nicht, wenn das Fleisch minimal verarbeitet wurde oder als Zutat verwendet wird. Die neue Mindestschriftgröße ist so klein gewählt, dass Angaben zu Nährwerten und Inhaltsstoffen für viele Menschen weiterhin nur mit der Lupe lesbar sein werden. Und die Nährwerttabelle auf Lebensmitteln wird erst in zwei Jahren zur Pflicht.

Allergenkennzeichnung: Chance für verbraucherfreundliche Umsetzung vertan

Eine Chance zur verbraucherfreundlichen Umsetzung der europäischen Vorgaben hätte Bundesernährungsminister Schmidt bei der Allergenkennzeichnung für unverpackte Lebensmittel gehabt. Doch anstatt eine schriftliche Angabe direkt am Regal oder Tresen vorzuschreiben und damit Klarheit für AllergikerInnen zu schaffen, hat Schmidt dem Druck der Lebensmittelwirtschaft nachgegeben, die keine schriftliche Information wollte. Rechtlich ausreichend ist es nun, wenn den VerbraucherInnen auf Nachfrage eine schriftliche Information vorgelegt wird. Diese neue Regelung hilft den rund sechs Millionen Allergikern nur bedingt. Denn so besteht weiterhin die Gefahr einer falschen mündlichen Auskunft durch das Verkaufspersonal. Und da VerkäuferInnen oder KellnerInnen verpflichtet sind, auf Nachfrage schriftliche Informationen zur Verfügung zu stellen, wäre es ein Leichtes, diese direkt am Verkaufsort für alle sichtbar anzubringen oder auszulegen.

Wir Grüne im Bundestag fordern schon lange, den Verbraucherschutz durch verbesserte Informationen im Lebensmittelbereich EU-weit zu verbessern (u.a. BT-Drucksache 17/12694).

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