LebensmittelkennzeichnungLebensmittel-Ampel ja, aber nicht als Mogelpackung

Eine Tabelle in Scheckkartenform mit der Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel

Es kommt wieder Fahrt in die Diskussion um die dringend notwendige Nährwertampel für Lebensmittel. Eine Ampel, die durch die Farben grün, gelb und rot auf den ersten Blick sichtbar machen soll, wenn Lebensmittel zu viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Am 8. März haben sechs internationale Lebensmittelhersteller – Unilever, Mars, Nestlé, Coca-Cola, PepsiCo und Mondelez – angekündigt, dass sie ihre Produkte zukünftig europaweit mit einer Ampelkennzeichnung versehen wollen. Der Haken daran: Die Ampelkennzeichnung soll sich auf die jeweilige Portionsgröße beziehen. Im Klartext heißt das: Die Hersteller können den Zucker-, Fett- und Salzgehalt durch kleine Portionsgrößen schönrechnen. Wählt man die Portionsgrößen klein genug, wird kaum rot auf den Verpackungen zu sehen sein. Außerdem wird durch unterschiedliche Portionsgrößen der große Vorteil der Ampelkennzeichnung unterlaufen: die einfache Vergleichbarkeit von Produkten.

Wir Grüne im Bundestag halten diesen Vorschlag einer portionsbasierten Nährwertampel daher für ungeeignet. Das ist eher Schönrechnerei statt mehr Klarheit auf den Verpackungen. Wir wollen eine Nährwertampel für Lebensmittel – aber nur eine, die sich an festen Größen, also 100 g bzw. 100 ml orientiert und damit auch wirklich objektiv und vergleichbar ist. Sonst wird aus der Nährwertampel eine Mogelpackung.

Verbraucher wollen Nährwertampel für schnelle Orientierung

Die Vorteile einer Nährwertampel sind durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Insbesondere bei der Vergleichbarkeit von Produkten wird den Verbraucherinnern und Verbrauchern eine einfache und schnelle Kaufentscheidungshilfe an die Hand geben. Wiederholte Verbraucherumfragen haben immer wieder die hohe Akzeptanz und den Wunsch nach einer farblichen Kennzeichnung belegt. Die Ampelkennzeichnung kann ein sinnvolles Instrument zur Prävention von Übergewicht sein. Daher haben wir als grüne Bundestagsfraktion ebenso wie Ärzte- und Verbraucherverbände sowie Wissenschaftler die Ampelkennzeichnung seit Jahren gefordert.

Verbrauchertäuschung durch zu hohe Zuckerempfehlung

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Unternehmen regelmäßig zu kleine Portionsgrößen nennen, um den Eindruck einer geringeren Kalorienaufnahme zu erzeugen. Andererseits haben Verbraucherstudien belegt, dass immer größere Portionen und somit auch mehr Kalorien zu sich genommen wurden. Kritisch ist auch der Bezugswert für Zucker: Hier müssen sich die Unternehmen an die Vorgaben der europäischen Verordnung zur Lebensmittelkennzeichnung (Lebensmittelinformationsverordnung) halten. Dieser liegt mit einer Tagesdosis von 90 g wesentlich über den Empfehlungen der WHO, die bei 25-50 g pro Tag liegen. Die aktuell geltende EU-Regelung führt auch in Kombination mit Portionsgrößen also dazu, dass selbst stark gezuckerte Produkte nicht mit rot gekennzeichnet werden müssten. Die Bundesregierung muss sich daher auf EU-Ebene für die Überarbeitung der EU-Kennzeichnungsverordnung einzusetzen. Die Bezugswerte für Zucker, Fett und Salz müssen sich an wissenschaftlichen Empfehlungen von Gesundheitsorganisationen wie der WHO orientieren.

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2 Kommentare
Lebensmittel-Ampel
E. Ostendorf 15.03.2017

Sehr geenrte Damen und Herren,

ich wollte wissen, ob die Kennzeichnung durch die Ampel zusätzlich zur Angabe der auf 100 g bezogenen Kennzeichnung auf die Packung kommt oder ob letztere dann entfällt. Ich benötige die Kenntnis dieser Werte beim Einkaufen. Mir reicht es auch aus, wenn letztere auf den Packungen steht.

Mit freundl. Gruss
E. Ostendorf

Antwort an E.Ostendorf
Grüne Redaktion 24.03.2017

Hallo,
diese Angabe wäre zusätzlich.
freundliche Grüße
die Redaktion

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