Gesunde ErnährungZucker reduzieren!

Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke und Zuckerwürfel, die den Zuckeranteil symbolisieren
In anderen europäischen Ländern haben politische Initiativen dazu geführt, dass die Hersteller den Zucker in Fertigprodukten - oder wie hier im Bild in Erfrischungsgetränken - reduzieren. Doch Deutschland bleibt untätig. Die Bundesregierung muss endlich aktiv werden, um den Zuckergehalt in Lebensmitteln zu reduzieren.

29 Stück Würfelzucker am Tag – das ist unsere durchschnittliche tägliche Zuckerbilanz. Das ist fast die doppelte Menge dessen, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für maximal tolerierbar hält und fast das Vierfache dessen, was sie empfiehlt.

Den meisten Zucker nehmen wir über verarbeitete Lebensmittel zu uns. Dazu gehören beispielsweise Softdrinks, Fruchtjoghurts oder Frühstücksflocken. Schon mit einem Glas Limonade oder einem Fruchtjoghurt kommt man auf 20 Gramm Zucker – damit hat ein Kind die von der WHO empfohlene tägliche Zuckerration bereits ausgeschöpft.

Kaum Verbesserungen bei Fertigprodukten

Eine Untersuchung der Stiftung Warentest belegt, dass sich am Zuckergehalt von Limonaden, Cerealien, Fruchtjoghurts und Fertigsoßen in Deutschland in den letzten Jahren kaum etwas geändert.

In anderen Ländern hingegen hat der politische Druck dazu geführt, dass der Zuckergehalt in Fertigprodukten reduziert wurde. So hat in Großbritannien die seit dem 6. April 2018 geltende Zuckersteuer auf Softdrinks bereits im Vorfeld dazu geführt, dass Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke auf unter fünf Gramm pro 100 Milliliter senkten. Dieselben Hersteller verkaufen in Deutschland ganz ungeniert Limonaden mit doppelt so viel Zucker.

Es braucht dringend konkrete Reduktionsziele für Fertigprodukte

Wir brauchen dringend klare Vorgaben für eine Reduktion von Zucker in Fertigprodukten. Eine Zuckerreduktionsstrategie muss bei den Fertigprodukten ansetzen – mit konkreten, zeitlich festgelegten Zuckerreduktionszielen für Fertigprodukte. Das darf allerdings nicht dazu führen, dass Zucker lediglich durch Süßstoffe ersetzt wird. Außerdem fordern wir eine einfach verständliche Ampelkennzeichnung und klare Regeln für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet. Der von der Lebensmittelwirtschaft vorgelegte Vorschlag einer Nährwertampel ist eine Mogelpackung, da er Verbraucherinnen und Verbraucher durch unrealistische Portionsangaben bewusst in die Irre führt.

Bundesregierung muss weg von Freiwilligkeitsgläubigkeit

Schon viel zu lange lässt sich die Bundesregierung blauäugig von den Versprechungen der Lebensmittelwirtschaft hinhalten. Sie muss die Branche nun endlich in die Pflicht nehmen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lebensmittelwirtschaft hier in Deutschland an hohen Zuckergehalten festhält, während sie in anderen Ländern längst reduziert.

Die Bundesregierung muss erreichen, dass auch in Deutschland der Zuckergehalt in verarbeiteten Produkten merklich reduziert wird. Dafür muss sie ihren bisherigen Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft aufgeben und eine Reduktionsstrategie mit konkreten Reduktions- und Zeitvorgaben sowie eine verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung für Lebensmittel durchsetzen.

Wenn sich die Lebensmittelwirtschaft nicht bewegt, sollten auch die Erfahrungen unserer Nachbarländer, die eine Zuckersteuer auf Getränke erheben, ernsthaft geprüft werden.

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