FamilieAlleinerziehende stärken - Kinderarmut bekämpfen

Ein Frau und ein Kind rennen treppen hinunter zum Strand.

SPD und CDU haben im Wahlkampf 2013 große Versprechen an die Familien gemacht: Das Kindergeld, die steuerlichen Kinderfreibeträge und der Kinderzuschlag sollten erheblich erhöht werden. Die Kinderarmut sollte bekämpft werden. Mit einem neuen Kindergeldmodell wollte die SPD die Familienförderung vom Kopf auf die Füße stellen. Mit ihrer 80 Prozent Mehrheit könnte die große Koalition nun ihre Versprechen einlösen und Familien helfen. Sie tut es aber nicht und darum legen wir dem Bundestag nun einen Antrag zur Stärkung Alleinerziehender vor.

In fast jedem vierten Familienhaushalt in Deutschland leben Kinder entweder mit ihrer Mutter oder ihrem Vater. Alleinerziehende sind längst nicht mehr die Ausnahme. Sie leisten enorm viel, sind häufig allein verantwortlich fürs Geld verdienen, Kinder erziehen, für den Haushalt, für den Weg zur Kita, zum Arzt oder zum Fußballverein. Alleinerziehende sind an sieben Tagen die Woche 24 Stunden im Einsatz. Dieses Engagement muss endlich entsprechend gewürdigt werden. Wir wollen, dass Alleinerziehende die Unterstützung bekommen, die sie verdienen!

Mit unserem Antrag „Alleinerziehende stärken –Teilhabe von Kindern sichern“ wollen wir den Weg dafür ebnen, dass Alleinerziehende besser in gut bezahlte Arbeit finden, dass sie einen leichteren Wiedereinstieg in den Beruf schaffen und wirksam vor Armut geschützt werden. Das ist zugleich einer der Schlüssel, Kinderarmut in Deutschland nachhaltig zu bekämpfen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen. Wir wollen, dass Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung für Alleinerziehende in Teilzeit möglich ist, dass Beruf und Familie besser vereinbar ist - etwa durch einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab dem ersten Geburtstag – und schließlich einen Umbau der derzeitigen Familienförderung: indem wir den Unterhaltsvorschuss ausweiten, eine Steuergutschrift für untere Einkommensgruppen einführen und den Kinderzuschlag ausweiten.

Alleinerziehende müssen mit größtem Armutsrisiko leben

Vier von zehn Alleinerziehenden mit kleinen Kindern sind arm. Dabei arbeiten alleinerziehende Frauen im Schnitt sogar fünf Stunden mehr als Frauen in Paarfamilien. Fast jedes zweit Kind im ALG II Bezug wächst in einem Alleinerziehendenhaushalt auf. Ein Drittel der Alleinerziehenden im SGB II Bezug ist gleichzeitig berufstätig und stockt auf. Hier wird die Schräglage in unserem Land deutlich.

Diese Schräglage bekommen auch die Kinder zu spüren. Die Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern und ihre Chancen hat eine Bertelsmann-Studie deutlich gezeigt. Kinderarmut hat weitreichende Folgen für Bildung, Gesundheit und Erfolgschancen im Leben. Das ist ein echtes Armutszeugnis für unser reiches Land. Wir wollen, dass Kinder alles haben, was sie brauchen, egal ob sie mit einem oder zwei Eltern leben. Kein Kind soll in Armut aufwachsen.

Staatliche Förderung darf Kinder nicht ungleich behandeln.

Der aktuelle Referentenentwurf aus dem Finanzministerium zur Anhebung des Kindergelds, der Kinderfreibeträge und des Kinderzuschusses ist völlig unzureichend. Denn die wenigen Euro mehr kommen bei den Betroffenen gar nicht erst an: Familien im Hartz IV-Bezug profitieren nicht vom Kindergeld, geschweige denn von einer Erhöhung der Freibeträge.

Finanzminister Wolfgang Schäubles Vorschlag geht an der Wirklichkeit vorbei und lenkt von den eigentlichen Problemen ab. Alleinerziehende liegen außerhalb seines Fokus. Die minimale Erhöhung von Kinderfreibeträgen und Kindergeld dürfte außerdem nicht erst ab 2015 gelten, sondern müsste rückwirkend auch für das Jahr 2014 gezahlt werden.

Die Art, wie in Deutschland Kinder finanziell gefördert werden, muss umgekrempelt und gerechter werden. Wir wollen den Unterhaltsvorschuss ausweiten, eine Steuergutschrift für untere Einkommensgruppen einführen und den Kinderzuschlag ausweiten. Der Weg über die Steuer führt immer dazu, dass gut Verdienende bessergestellt werden. Deswegen wollen wir weg von diesem ungerechten Umweg und langfristig hin zu einer direkten Kindergrundsicherung. So wäre gewährleistet, dass jedes Kind die gleiche staatliche Förderung erhält, unabhängig vom Einkommen oder Status der Eltern. Auf dem Weg dahin müssen eine Reihe von Verbesserungen im Unterhalts-, Sozial- und Steuerrecht umgesetzt werden. Unser Ziel ist es, Kinder zuverlässig vor Armut zu schützen, egal ob sie mit zwei Eltern oder einem Elternteil, mit keinem oder drei Geschwistern zusammen aufwachsen.

Alleinerziehende müssen arbeiten können.

Wir wollen, dass Alleinerziehende arbeiten können, wenn sie dies möchten. Das ist die beste Armutsprävention. Eltern, die alleine für ihre Kinder die Verantwortung tragen, sind besonders motiviert zu arbeiten. Und gerade sie haben es besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt. Deswegen muss arbeiten leichter möglich sein, besonders nach längeren Phasen der Auszeit für die Kinder. Wir brauchen Teilzeit-Ausbildungen, die auch mit kleinen Kindern zu stemmen sind und eine finanzielle Unterstützung, die auch während der Ausbildungsphase für die Familie reicht. Und nicht zuletzt muss sich auch die Arbeitskultur in Deutschland verändern, damit Eltern mitbestimmen können, wann sie arbeiten. Denn oft entscheidet viel mehr die Flexibilität als die Stundenzahl, ob Eltern bei einem Theaterstück an der Schule oder einem Elternabend in der Kita dabei sein können.

Alleinerziehende stärken, heißt Kinder stärken

Auch die fünfte Evaluation des Kinderförderungsgesetzes kommt aktuell zu dem Ergebnis: Wir brauchen mehr und bessere Kita-Plätze. Inklusion, Sprachförderung oder Partizipation von Kindern funktionieren nur, wenn auch ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Dafür sind genug Erzieherinnen und Erzieher erforderlich – egal ob Kinder in Hamburg, Leipzig, Hannover oder München aufwachsen. Mindeststandards für die Qualität in Kitas sollten bundesweit einheitlich festgelegt werden. Notwendig ist außerdem der Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Kitaplatz ab dem ersten Geburtstag.

In der grünen Bundestagsfraktion engagieren wir uns intensiv für die Anerkennung der Leistungen Alleinerziehender und der Bekämpfung von Kinderarmut: Wir machen uns stark für Familien – egal in welcher Form, für Investitionen in gute Kitas und Schulen, für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für eine Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze und langfristig die Einführung einer Kindergrundsicherung.

Mehr zum Thema Familie

4 Kommentare
63225 Langen /Hessen Südliche -Ringstr.161
Braun Sylvia Astrid 20.03.2015

Ich finde es sehr gut wenn es mehr Möglichkeiten gibt denn Familien und den Kindern mehr Recht als alleinerziehende zu geben und auf dem Arbeitsmarkt gute bezahlte Arbeiten zu bekommen, jedoch sollten
die Familien in unser Sozialgesellschaft als alleinerziehende nicht ausgegrenzt werden !

Ich war selbst sehr ,sehr lange Age 2 Bezieher, und konnte meine Weiterbildung zur Erziehern 1997 nicht fertig bringen, denn dass Arbeitsamt stoppt mir dies Ausbildung ... Heute bin ich in Rente mit 58 Jahren
Ich finde es sehr Gut was die Grünen , in Berlin vorhaben.
und verbleibe
Mit lieben Grüßen

Sylvia Astrid Braun
Grüße aus Langen /Hessen

Betreung
Anke Herrrmann 21.03.2015

Hallo, Ich bin seit 13 1/2 Jahren alleinerziehend. In der Zwischenzeit verdiene ich gutes Geld...ABER, ich arbeite Vollzeit und somit ist die Betreung für meinen Sohn nicht gewährleitet. Warum müssen wir alleinerziehende genauso viel Steuern zahlen wie ein allein stehender Mann. Das kann nicht sein. Ich bräuchte zu mindest eine Putzfrau und jemand der Essen für 2-3 Tage vorbereitet Alleinerziehende brauchen eine Steuerersparnis um solche DInge zahlen zu können, vor allem wenn der Vater des Kindes seinen finanziellen Beitrag nicht leistet.
Nicht fair.
Danke und viele Grüße,
Anke Herrmann

Alleinerziehende besser unterstützen
Ursula Werheid-Ebert 22.03.2015

Ich finde es sehr wichtig, Alleinerziehende mit Ihren kindern besonders zu unterstützen. Wir können es uns
nicht leisten, Kinder nicht zu unterstützen,wo in Deutschland eh zu wenig Kinder geboren werden.

Jens Dörschel 31.03.2015

Wie werden eigentlich die immer häufigeren Eltern in der Statistik, der Politik uund im Sozialrecht berücksichtigt, die sich die Erziehungszeit auch nach ihrer Trennung teilen? Sind das dann zwei Alleinerziehende (die aber die halbe Zeit die Kinder gar nicht betreuen)? Oder werden die Kinder dann fiktiv einem Elternteil zugeordnet, der dann offiziell ebenfalls ganztags alleinerziehend ist , während der andere die Kinder offiziell gar nicht betreut? Ich fürchte, hier steht eine Modernisierung des Sozialrechts teilweise noch aus.

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4394888