GleichstellungAuf dem Regenbogenfamilientag

Ende April fand der zweite Regenbogenfamilien-Tag der grünen Bundestagsfraktion statt. Über 200 große und kleine Gäste diskutierten, spielten und grillten bei schönem Wetter und in sehr familiärer Atmosphäre.

Zunächst begrüßte Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende, die versammelten Gäste und betonte, dass Regenbogenfamilien vor allem in großen Städten alltäglicher geworden seien. Ihr Alltag aber sei weiterhin von besonderen Herausforderungen geprägt, die traditionellen Familien erspart blieben.

Patchwork- und Regenbogenfamilien verbindet das Anderssein

Danach führte die Autorin Stephanie Gerlach in das Thema ein. Mit ihren sehr lebensnahen Geschichten, traf sie die Anliegen vieler anwesender Gäste. Sie zeichnete ein Bild von so unterschiedlichen Familien, erklärte, was Patchwork- und Regenbogenfamilie verbindet und wie Kinder zwei Mütter oder Väter als selbstverständlich wahrnehmen. Außerdem machte sie deutlich, wo besonders für Regenbogenfamilien die Herausforderungen liegen. Am Ende ihres Vortrages begrüßte Frau Gerlach den Aufbau eines weiteren Regenbogenfamilienzentrums in München, das ähnlich wie das in Berlin von Constanze Körner geführte Zentrum ein wichtiger Anlaufpunkt für gleichgeschlechtliche Paare mit Familienwunsch sein solle.

Gesetzgeber muss Diskriminierung beseitigen

Die Einführungsrede von Frau Gerlach war ein guter Auftakt für die anschließende Podiumsdiskussion mit Dr. Friederike Wapler, Juristin von der Universität Göttingen, Katja Dörner, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und zwei Regenbogenfamilien. Frau Wapler stellte die aktuelle rechtliche Situation für Regenbogenfamilien dar. Eine rechtliche Verbesserung der Situation von homosexuellen Paaren und Familien sei seit 10 Jahren immer mühsam über Gerichte erstritten worden. Der Gesetzgeber hingegen bewegte sich bei der Beseitigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare kaum. Stiefkindadoption und das Eheverbot seien für viele Regenbogenfamilien mit zahlreichen rechtlichen und alltäglichen Hürden und damit Unsicherheiten verbunden. So hätte eine Co-Mutter zunächst keinerlei Rechte hinsichtlich des Kindes, was im Streitfall erst von den Gerichten geklärt werden müsse. Frau Wapler machte deutlich, dass der Gesetzgeber hier mehr das Kindswohl berücksichtigen solle.

Gesetzgeber muss Kindeswohl absichern

Neben dem diskriminierungsfreien Zugang zu Leistungen der künstlichen Befruchtung, wünschten sich Regenbogenfamilien eine rechtlich verbindlichere Absicherung schon vor der Zeugung. Im Zusammenhang mit Samenspenden gibt es bisher keine Absicherung für das Kind, die Co-Mutter wie auch den Samenspender. Auch dem Recht des Kindes auf Kenntnis eigener Abstammung trägt das geltende Recht nicht genügend Rechnung. Katja Dörner erläuterte hierzu das grüne Konzept einer Elternschaftsvereinbarung, mit der schon vor der Zeugung für künftige Familie sowie Samenspender Rechtssicherheit geschaffen werden könnte. Für eine lesbische Mutter war genau diese fehlende rechtliche Absicherung zu einer großen familiären Belastung geworden, da der Samenspender trotz anderweitiger Absprachen das Sorgerecht beantragt hatte. Diesem hatte ein Gericht stattgegeben, sodass sie als Co-Mutter das Kind ihrer Partnerin nun auch nicht mehr adoptieren kann.

Eine andere lesbische Mutter, die sich ganz bewusst für eine aktive Vaterschaft bei der Familiengründung entschieden hatte, wünschte sich eine Möglichkeit das Sorgerecht auf mehr als zwei Personen zu übertragen. Ihre 13 Monate alte Tochter sollte nicht nur einen rechtlichen Papa haben sondern auch zwei rechtliche Mütter.

Zum Schluss: netzwerken, sich austauschen und feiern

Während der Diskussion nutzten die Kleinen das Kinderprogramm und ihre Mütter und Väter gaben derweil Einblick in die alltäglichen Hürden. Ein Paar berichtete von der Anmeldung ihrer Tochter im Kindergarten, der nur über Formulare mit Angaben zu „Mutter“ und „Vater“ verfügte. Andere Familien kritisierten, dass es in den Kindergärten nur Bücher mit Mamas und Papas gibt. Mehr Sensibilität im Alltag für verschiedene Familienformen forderte zudem eine Besucherin, deren Antrag auf Telearbeit hinterfragt wurde, mit dem sie ihre Partnerin in Elternzeit unterstützen wollte. Mit welchen absurden Problemen manche aus dem Ausland kommenden Familien konfrontiert sind, machte auch eine Mutter deutlich, deren Kind in England geboren und sie im Geburtenregister als „parent“ eingetragen wurde. Da es in Deutschland der genauen Zuordnung „Mutter“ oder „Vater“ bedarf, konnte ihre Mutterschaft zunächst nicht anerkannt werden.

Aus dem Publikum kamen zudem Anregungen, dass sich bisher in der öffentlichen Debatte die Herausforderungen und Bedürfnisse von Trans*-Eltern zu wenig finden. Insbesondere § 11 Transsexuellengesetz, wonach transsexuelle Menschen gegenüber deren Eltern und Kindern trotz Personenstandsänderung weiterhin als dem alten Geschlecht zugehörig behandelt werden, stand in der Kritik.

Nach der Diskussion wurde beim gemeinsamen Essen munter weiter diskutiert und Kontakte geknüpft.

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