KinderarmutBenachteiligte Kinder brauchen mehr Unterstützung

Kind sitzt auf verrostetem Geländer vor Plattenbau

UNICEF hat seinen Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 unter dem Titel „Reiche Kinder, kluge glückliche Kinder?“ veröffentlicht. Der Bericht umfasst mehrere Aufsätze, Studien und journalistische Berichte zum materiellen und subjektiven Wohlbefinden von Kindern, ihrer Bildung, zu Gesundheit und Sicherheit, ihrem Risikoverhalten und ihren Beziehungen. Der Report vermittelt ein differenziertes Bild zur tatsächlichen Lage der Kinder in Deutschland. Auf einige Punkte machen der Herausgeber Prof. Dr. Hans Bertram und UNICEF besonders aufmerksam.

Der Kontrast zwischen objektiven Daten und der subjektiven Selbsteinschätzung

Zwar ist die Mehrzahl der Mädchen und Jungen in Industrieländern – und so auch in Deutschland – mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Nirgendwo sonst ist jedoch der Kontrast zwischen vergleichsweise guten „objektiven“ Daten und der subjektiven Selbsteinschätzung der jungen Generation so groß. Etwa 15 Prozent der Mädchen und Jungen blickt nach Aussagen von UNICEF negativ in die Zukunft.

Viele benachteiligte Kinder drohen abgehängt zu werden …

In Deutschland laufen benachteiligte Kinder und Jugendliche Gefahr immer stärker von der sozialen Entwicklung abgehängt zu werden. UNICEF möchte besonders auf ihre Situation aufmerksam machen. Schließlich berge der Blick auf Durchschnittswerte die Gefahr, die gravierenden Probleme eines Teils der Kinder zu übersehen. Ihre Teilhabechancen müssen dringend verbessert werden. Sie brauchen frühzeitigere und umfassendere Unterstützung.

… insbesondere Kinder, die länger in Armut leben müssen

So ergab eine für den Report erstellte Längsschnittanalyse, dass zwischen 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen langjährige Armutserfahrungen gemacht haben. Die meisten von ihnen (6,9 Prozent) lebten zwischen 7 und 11 Jahre lang in einem Haushalt, der mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen musste. 1,7 Prozent aller Heranwachsenden wuchsen sogar 12 bis 17 Jahre lang unter diesen schwierigen Bedingungen auf. Auf die heutige Situation bezogen wären demnach laut UNICEF insgesamt rund 1,1 Millionen Heranwachsende einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend relativer Armut ausgesetzt.

Die Armutserfahrungen haben nach Einschätzung der Forscher vor allem dann einen stark negativen Effekt auf die allgemeine Lebenszufriedenheit, wenn sie durchschnittlich ein Drittel der Kindheit ausmachen. Die subjektive Lebenszufriedenheit ist ein entscheidender Faktor für ein positives Selbstbild von Kindern und ihre Fähigkeit, Probleme im weiteren Lebensverlauf zu bewältigen. Ist sie durch lang andauernde Armutserfahrungen beschädigt, wirkt sich dies sehr negativ auf die Teilhabechancen aus.

Mögliche künftige Armutsverläufe bei Kindern müssen daher frühzeitig identifiziert und betroffene Familien gezielt unterstützt werden – materiell und sozial.

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