Studie zum BetreuungsgeldFalsche Anreize verhindern frühkindliche Förderung

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Das Betreuungsgeld erweist sich wie befürchtet als bildungspolitische Katastrophe: Es schafft Fehlanreize und zementiert die ohnehin schon große Chancenungleichheit für Kinder in Deutschland. So gelingt kein Bildungsaufbruch und so sieht auch keine moderne Familienpolitik aus.

Das Betreuungsgeld wird besonders stark von sozial benachteiligten Familien in Anspruch genommen, deren Kinder somit Angebote der frühkindlichen Bildung in der Kindertagesbetreuung nicht nutzen können. Mehr als ein Viertel der Eltern, die keine Berufsausbildung oder einen Hauptschulabschluss haben, geben das Betreuungsgeld als Grund dafür an, auf die Kita zu verzichten. Bei Eltern mit mittlerer Reife reduzierte sich der Anteil auf 14 Prozent, bei Akademikern lag er bei weniger als acht Prozent.

Auch Familien mit Migrationshintergrund nehmen das Betreuungsgeld überdurchschnittlich häufig in Anspruch. Das führt dazu, dass diejenigen, die besonders stark von der Kindertagesbetreuung und dem Erlernen der Zweitsprache Deutsch profitieren würden, auf die Angebote frühkindlicher Bildung und Betreuung verzichten und somit weniger gut vorbereitet in die Schullaufbahn und Bildungsbiografie starten können.

Schnellstmöglich wieder abschaffen

Die Bundesregierung darf nach diesen Erkenntnissen nicht aus reiner Koalitionsraison am Betreuungsgeld festhalten. Sie muss das Betreuungsgeld schnellstmöglich wieder abschaffen und die freiwerdenden Milliarden in den dringend nötigen Ausbau der Qualität frühkindlicher Bildung investieren. Nur so kann die beste frühe und individuelle Förderung aller Kinder gelingen. Ein hochwertiges Angebot an Kindertagesbetreuung verbessert die Bildungs- und Zukunftschancen aller Kinder erheblich. Gute Kitas erleichtern es vielen Eltern, Beruf und Familienleben besser miteinander zu vereinbaren. Ein bedarfsgerechtes, qualitativ gutes und ganztägiges Angebot der Kindertagesbetreuung ist gerade auch für Alleinerziehende enorm wichtig und hilft nachhaltig Kinderarmut zu bekämpfen.

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3 Kommentare
Sicher???
eb 01.08.2014

Gerade kam ich aus einer GR-sitzung, bei der die Leiterin einer Kita den Alltag in ihrer Einrichtung mit 2 U3-Gruppen schilderte. Es ist eine gute Kita mit engagierten ErzieherInnen, das vorweg!!!
Nach ihrer Schilderung fragten wir uns, "was soll eigentlich dieser ganze Krampf mit den z.T Säuglingen in solchen Einrichtungen --" Gerne würde ich die Eltern sehen, die nach einem Tag Mithilfe in einer U3-Gruppe das Wohl ihrer Kinder dort gut gestaltet erleben und es begeistert weiterhin in die Einrichtung schicken. Es ist doch blind zu meinen, dass die Erziehung durch die Eltern hier die schlechtere Alternative sei. Beides muss möglich sein! Auch das Betreuungsgeld!!

hier!
Miriam 03.08.2014

Ich bin eine solche Mutter, die mehrfach bereits einen ganzen Tag in unserer städtischen, altersgemischten Kita verbracht hat und ich gebe meine beiden Kinder (2 und 3 Jahre alt) mit sehr gutem Gefühl dort ab. So viel Abwechslung bei gleichzeitig individuellem Eingehen auf das einzelne Kind und so viele soziale Erfahrungen kann ich ihnen zu Hause nicht bieten. Auch durch das Betreuungsgeld wird niemand gezwungen, sein Kind in eine Kita zu geben! Aber gerade gewisse Bevölkerungsgruppen können von einer guten Betreuung stark profitieren.

Bindung vor Bildung!
Britta Weber 03.08.2014

Ich möchte dringend darum bitten einen Unterschied zwischen Kleinkindbetreuung, früher "Krippen" und Kitas für das klassiche Kindergartenalter 3-6 zu machen.
Das Betreuungsgeld betrifft nur erstere, nämlich die Kleinkinder.
Bei Kleinkindern geht es nicht um Bildung sondern um Bindung. Bindung ist die Voraussetzung für die Bildung von Ressilienz, der seelischen Widerstandskraft.
Ich finde es anmaßend automatisch anzunehmen , dass weniger gebildete Eltern sich schlechter um ihre Kleinkinder kümmern können. Wichtig ist sicher der Kindergartenbesuch ab 3, der reicht, meiner Erfahrung als Erzieherin nach, auch völlig aus um Deutsch zu lernen.

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