PlenumHeute für morgen in Kinder und gute Kitas investieren

Vier Kinder experimentieren in einer Kita mit verschiedenen Materialien.

Mit bundesweit guten Betreuungsangeboten würden die Bildungs- und Zukunftschancen für alle Kinder erheblich verbessert. Ein bedarfsgerechtes Angebot würde es außerdem vielen Eltern erleichtern, Beruf und Familienleben besser miteinander zu vereinbaren. Ein bedarfsgerechtes, qualitativ gutes und ganztägiges Angebot wäre auch für Alleinerziehende enorm wichtig. Und schließlich könnte es helfen, Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen.

Doch 2014 fehlten bundesweit noch immer 184.000 Kitaplätze. Vor allem in Westdeutschland klafft nach wie vor eine große Lücke zwischen den Wünschen von Eltern und den Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Die Evaluation des Kinderförderungsgesetzes zeigt: besonders die unter Dreijährigen brauchen mehr Plätze. Im aktuellen Bericht steht auch, was momentan auf den Straßen und bei den bestreikten Kitas überdeutlich wird: Erzieherinnen und Erzieher sind unzufrieden mit der Anerkennung und der Bezahlung ihrer Arbeit. Dabei leisten sie enorm viel. In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher immer weiter gestiegen: Inklusion, Sprachförderung, digitale Bildung und vieles mehr. Die Ansprüche an die Betreuung, Erziehung und Bildung unserer Kleinsten sind zu Recht hoch. Auf dem Gehaltszettel bildet sich diese gestiegene Verantwortung aber bislang nicht ab.

Dabei liegt der Zusammenhang zwischen guter Qualität von Kitas und guter Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern auf der Hand: Damit Kinder in den Genuss guter Kitas kommen, damit die Erzieherinnen und Erzieher sich den Kindern mit Engagement und Freude widmen können, müssen Kitas gute Arbeitgeber sein.

Investitionen in frühkindliche Bildung lohnen sich für Kinder und für unsere Gesellschaft

Die jüngste Bertelsmann-Studie hat wieder deutlich gezeigt, dass sich die Investition in frühkindliche Bildung doppelt lohnt: für unsere Kinder und für unsere Gesellschaft. In Deutschland hängt der Bildungserfolg von Kindern nach wie vor sehr stark vom Elternhaus ab. Was Kinder in jungen Jahren in Kitas lernen, entscheidet über die Chancen, die sie später im Leben haben. Insbesondere dann wenn Kinder zu Hause weniger Förderung erfahren, wirkt ein früher Kita-Besuch positiv auf ihre Entwicklung. Das heißt: Wenn wir heute in die frühe Bildung unsere Kinder investieren, dann investieren wir für morgen.

Grüne Forderungen

Die grüne Bundestagsfraktion fordert schon länger (zum Beispiel im Antrag „Qualität in der frühkindlichen Bildung fördern“) mehr Engagement beim Ausbau der Angebote. Und vor allem: einen auf die Fachkraft-Kind-Relation bezogenen Standard gesetzlich zu verankern. Eine Fachkraft sollte nicht mehr als vier Kinder unter drei Jahren oder zehn Kinder über drei Jahren betreuen. Und sie sollte ausreichend Zeit für die anderen Aufgaben haben: Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche, Fort- und Weiterbildung.

So sieht das auch die Mehrheit der Fachleute und Fachverbände in Deutschland. Sie warnen schon lange vor den Folgen der mancherorts schlechten Qualität in den Einrichtungen. Sowohl der erste als auch der zweite Zwischenbericht zur Evaluation des Kinderförderungsgesetzes der Bundesregierung stellten fest, dass der Personaleinsatzschlüssel vielerorts als „unter fachlichen Gesichtspunkten als bedenklich“ und „verbesserungswürdig“ einzustufen ist.

Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz

Ganztägige Angebote ermöglichen einen anderen Tagesrhythmus und bieten mehr Zeit für die Förderung der Kinder. Daher fordern wir eine gesetzliche Klarstellung, dass es sich beim Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz um einen Ganztagsplatz handelt – für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zur Einschulung. Eine solche ganztägige Betreuung ist auch für die Eltern wichtig, die sie aus beruflichen Gründen wollen und brauchen.

Das alles kostet Geld. Leider hat die Bundesregierung den Mehrwert dieser Zukunftsinvestition noch nicht erkannt. Bei dem zehn Milliarden Investitionspaket war Finanzminister Schäuble die frühkindliche Bildung gerade mal 100 Millionen wert. Das reicht längst nicht. Erforderlich ist eine sichere und zielgenaue Finanzierung. Damit das Geld auch direkt vor Ort ankommt, ist die rechtliche Absicherung wichtig. Zur Förderung der Qualität in den Kindertageseinrichtungen soll im SGB VIII die Fachkraft-Kind-Relation definiert und ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in Kita und Tagespflege für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr verankert werden. Da der Ausbau der frühkindlichen Bildungsangebote eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, soll sich der Bund mit einer Milliarde Euro jährlich an der Finanzierung beteiligen.

Mehr zum Thema Familie

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4395549