KindertagesbetreuungViele gute Gründe für gute Kitas

Vier Kinder experimentieren in einer Kita mit verschiedenen Materialien.

Würde es bundesweit gute Kindertagesbetreuungsangebote für wirklich alle Kinder geben, dann würde dies die Bildungs- und Zukunftschancen von Kindern erheblich verbessern. Ein bedarfsgerechtes Angebot würde es außerdem vielen Eltern erleichtern, Beruf und Familienleben besser miteinander zu vereinbaren. Erst Anfang dieser Woche hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgewiesen, wie sich die Qualität der Angebote positiv auf die Erwerbsbeteiligung von Müttern auswirkt. Ein bedarfsgerechtes, qualitativ gutes und ganztägiges Angebot ist gerade auch für Alleinerziehende enorm wichtig. Und schließlich hilft es nachhaltig Kinderarmut zu bekämpfen.

Das Ausbautempo hat der Qualität geschadet

Seit dem 1. August 2013 gilt der Rechtsanspruch für Kinder vom ersten bis zum dritten Lebensjahr. Dieser Rechtsanspruch war ein wichtiger Meilenstein. Mit ihm ist der Kita-Ausbau jedoch keineswegs beendet. Studien des Deutschen Jugendinstituts belegen, dass der Bedarf inzwischen wieder über dem vereinbarten Ausbauziel liegt.

Hinzu kommt: Das Tempo, mit dem die Angebote in der Endphase des Ausbaus zum Teil aus dem Boden gestampft werden mussten, hat die Qualität der Angebote in manchen Bereichen verschlechtert. Dies betrifft vor allem die Zahl der Kinder, für die eine ErzieherIn verantwortlich ist. Diese sogenannte Fachkraft-Kind-Relation ist seit jeher bundesweit sehr unterschiedlich, teils bedenklich und hat sich in den letzten Jahren, auch verstärkt durch den Fachkräftemangel, weiter verschlechtert.

Dem Anspruch, dass es neben der Betreuung vor allem um die frühkindliche Bildung geht, werden die Rahmenbedingungen vielerorts bei weitem nicht gerecht.

Handlungsbedarf lange bekannt: Schwesigs Gesetzentwurf jedoch noch nicht in Sicht

Bis zur Sommerpause wollte die Familienministerin dem Problem endlich begegnen und einen Gesetzentwurf mit dem Titel „Bessere Qualität in Kitas“ einbringen. So sahen es die Planungen vor. Bis heute liegen die Familienministerin und die Bildungsministerin jedoch im Klinsch. Die sechs Milliarden Euro, die für die gesamte Wahlperiode den Ländern für Krippen, Kitas, Schulen und Hochschulen zur Verfügung gestellt werden sollen, sind weder zwischen den Ressorts aufgeteilt noch ist die Art der Weiterleitung der Mittel an die Länder geklärt – ganz abgesehen davon, dass der Investitionsbedarf in diese Bereichen natürlich deutlich größer ist. Kein Wunder, dass es um die Vorhaben Schwesigs zur Verbesserung der Qualität still geworden ist.

Wichtige Stellschrauben: Genügend Fachkräfte und ein Recht auf ganztägige Betreuung

Mit unserem aktuell in den Bundestag eingebrachten Antrag „Qualität in der frühkindlichen Bildung fördern“ fordern wir die Bundesregierung auf, endlich das zu tun, was ihn ihren Händen liegt.

Der Ausbau der Angebote muss weitergehen und entsprechend vom Bund mitfinanziert werden. Ein neues Investitionsprogramm ist überfällig. Es muss dringend gesetzlich geregelt werden, wie viele Fachkräfte in einer Gruppe den Kindern real zur Verfügung stehen. Bei der gesetzlichen Regelung sollte sich die Bundesregierung an der Maximalgröße von einer Fachkraft auf vier Kinder unter drei Jahren und einer für zehn Kinder über drei Jahren. Verfügungszeiten, wie zum Beispiel Krankheit, Urlaub, Elterngespräche, Weiterbildungszeiten, Vor- und Nachbereitung dürfen bei der Berechnung des Schlüssels nicht vergessen werden

Das laufende Programm zur Sprachbildung ist unterfinanziert und nur noch bis Ende dieses Jahres gesichert. Es muss langfristig abgesichert und die Mittel müssen deutlich aufgestockt werden.

Die Tagespflegekräfte brauchen als Grundvoraussetzung für ihre Tätigkeit eine pädagogische Qualifikation. Ein anerkanntes Curriculum und die entsprechenden Qualifizierungsangebote gibt es inzwischen bundesweit. Eine solche Mindest-Qualifizierung sollte gesetzlich vorgeschrieben werden.

Bundesweites Bündnis für Qualität in der frühkindlichen Bildung

All dies zu bewerkstelligen ist eine gesamtgesellschaftlich Aufgabe. Die Bundesregierung muss sich mit Ländern und Kommunen an einen Tisch setzen und verbindliche Verabredungen erzielen, wie und bis wann die Vorhaben zu realisieren sind. Sie muss ein Bündnis für Qualität in der frühkindlichen Bildung schmieden und den Anfang machen.

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