Arbeit und FamilieZeit für Zeit: Anders arbeiten - besser leben

„Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir, noch 148 Mails checken, wer weiß was dann passiert, denn es passiert so viel, muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei Dir.“

Mit diesem Zitat aus einem Lied von Tim Bedzko eröffnete Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, die Tagung. Sie zeigte auf, woraus sich politischer Handlungsdruck ableiten lässt:

  • 73 Prozent der Eltern wünschen sich mehr Zeit für die Familie – obwohl sich in den vergangenen Jahrzehnten die durchschnittliche Jahresarbeitszeit um ein Drittel verringert hat
  • Für 46 Prozent der Eltern sind Hektik und Zeitmangel die größte Alltagslast. Dies hat weitreichende Folgen: Kinder von Eltern, die sich zeitlich stark belastet fühlen, haben deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden.
  • Die Mehrheit der Eltern wünscht sich auch eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit. Laut einer Forsa-Studie aus dem vergangenen Frühjahr können aber gerade einmal sechs Prozent der Eltern dies in ihrem Alltag umsetzten.

Prof. Alison Wolf, Ökonomin am King´s College in London, unterlegte in ihrer Rede anschaulich und mit einer beeindruckenden Zahl internationaler Daten ihre Thesen zur work life balance. Sie zeigte auf, wie sich die Lebenswelten für Frauen in den letzten Jahren entwickelt haben. Dabei müsse die Welt der gut ausgebildeten Fachkräfte von der anderer Gruppen deutlich unterschieden werden. Bei rund 15 Prozent der hoch gebildeten Frauen gibt es hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit kaum noch Unterschiede zu vergleichbar ausgebildeten Männern. Ganz anders sieht die Erwerbsbeteiligung der vielen anderen Frauen und Mütter aus. „The death of sisterhood“ nennt sie die Spaltung zwischen den gebildeten und den weniger gebildeten Frauen. Und diese wirkt sich auf die Familien und ihre jeweiligen Vereinbarkeitsprobleme aus.

Teilzeitarbeit ist ganz überwiegend Frauenarbeit

In dieser Hinsicht sei Deutschland im internationalen Vergleich quasi typisch. Dabei liege der Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht in der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit, sondern vielmehr in der Aufteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit. Analysen zur Verwendung von Zeit offenbaren, das die Gesamtarbeitszeit, bestehend aus bezahlter und unbezahlter Zeit weltweit abgenommen habe. Lediglich die hochqualifizierten Erwerbstätigen würden im Durchschnitt mehr arbeiten, Frauen wie Männer. Allerdings hätten in fast allen Familien die Frauen die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen.

Familienpolitik sollte alle Menschen erreichen

Welche Ziele verfolgt die Familienpolitik in den jeweiligen Ländern und lassen sich überhaupt alle Ziele erreichen – mit dieser Frage konfrontierte Alison Wolf die TeilnehmerInnen der Tagung und die grünen Abgeordneten. Alison Wolf vertrat die Auffassung, Politik adressiere nicht alle Familien gleichermaßen und privilegiere die gebildeteren Schichten. Die Konzentration auf den Ausbau der Angebote der frühkindlichen Bildung sei wichtig, reiche aber alleine nicht. Für die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten müsse es bedarfsgerechte unterstützende Angebote geben.

Download der Präsentation Prof. Alison Wolf

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