Arbeit und FamilieZeit für Zeit: Anders arbeiten - besser leben

Seite 2: Podiumsgespräch: Von anderen (Ländern) lernen

Die Schweden – Vorbild in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aus Schweden war Marie Evertsson von der Stockholm Universität angereist. Sie zeigte auf, welchen Vorsprung Schweden in Sachen Kinderbetreuung und Gleichstellung gegenüber Deutschland hat. Grundlegende gleichstellungspolitische Debatten und der Ausbau der frühkindlichen Bildungsangebote wurden bereits in den 70er und 80er Jahren geführt. So hat Schweden heute eine insgesamt hohe Erwerbsquote, auch bei weniger gebildeten Frauen.

Allerdings gibt es auch im Vorzeigeland Schweden eine hohe Teilzeitrate bei Frauen; die Möglicheit zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 75 Prozent werde gerne angenommen. Das Recht des Kindes auf beide Elternteile sei den Schweden wichtig. So zeige sich der positive Effekt, dass in der Kinderbetreuung engagierte Väter auch im Falle einer Trennung oder Scheidung eher in der Verantwortung bleiben (dies zeige insbesondere die bessere Zahlungsmoral).

Allerdings würden sich auch die schwedischen Männer nicht so gerne im Haushalt beteiligen, so dass Vereinbarkeitsprobleme zwischen Müttern und Vätern sich trotz allem unterscheiden.

Die Niederländer sind Teilzeitchampions

Laura den Dulk von der Erasmus Universität in Rotterdam hält die Niederländer für Teilzeitchampions. Es wäre gewiss kein Zufall, dass die Niederländer mit einer insgesamt geringen durchschnittlichen Wochenarbeitszeit und einer langen Teilzeittradition auch eines der glücklichsten Völker wären. Allerdings würden auch viele Niederländerinnen in die sogenannte Teilzeitfalle laufen, weswegen seit einiger Zeit politisch interveniert werde. Nur bräuchten politische Maßnahmen ihre Zeit, bis sie wirkten. Holland kenne den Begriff der „Rabenmutter“ nicht, dafür allerdings den der „Schlüsselkinder“.

Familien mit drei Kindern und arbeitenden Eltern sind in Frankreich keine Seltenheit

Auch in Frankreich gibt es den Begriff der „Rabenmutter“ nicht, so Sylvia Cleff le Divellec von der Unternehmensberatung Altidem aus Paris. Die Franzosen hätten ein gut ausgebautes Kinderbetreuungsangebot mit weitgehenden Öffnungszeiten, ein gutes Vertrauen in die Fachkräfte und daher insgesamt vermutlich weniger Schuldgefühle, die Kinder professionell betreuen zu lassen. Viele Mütter steigen bereits 6 Monate nach der Geburt des Kindes wieder in den Beruf ein.

Eine Rolle spiele hierbei aber sicherlich auch die 35 Stundenwoche. Auch wenn diese nicht immer eingehalten wird, entsteht aus der Mehrarbeit ein gesetzlicher Freizeitausgleich, der wiederum für die Familie genutzt werden kann. Die Familien hätten sehr häufig drei Kinder – daraus ergeben sich für französische Familien auch finanzielle Vorteile und es gehöre durchaus zur Erfüllung, mit Kindern zu arbeiten. Bei der Teilzeitbeschäftigung gehe die Tendenz in Richtung Einschränkung: Will ein Arbeitgeber eine Stelle im Umfang von unter 24 Stunden die Woche einrichten, so soll er dies künftig begründen müssen. Im Schnitt würde eine Mutter mit zwei Kindern in Frankreich 26 Stunden arbeiten.

Und was muss sich in Deutschland ändern?

Letztlich wird durch die Beiträge aller ExpertInnen gleichermaßen deutlich, dass es kein allumfassendes Mittel zur Lösung aller Probleme gibt, viele Stellschrauben müssen noch gedreht werden. Für die Grüne Bundestagsfraktion war diese Tagung Auftakt einer umfassenden Debatte in der es vor allem darum gehen wird, Familien den Druck zu nehmen. Mütter und Väter sollen ihre Vorstellungen und Wünsche was Arbeitszeit und Arbeitsteilung in der Familie angeht verwirklichen können. Wir wollen Eltern Freiräume schaffen, anders zu arbeiten und gut zu leben.

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