Arbeit und FamilieZeit für Zeit: Anders arbeiten - besser leben

Seite 3: Panel 1: Partnerschaftlich durch die „Rush-Hour“ des Lebens

Mit Dr. Johanna Possinger vom Deutschen Jugendinstitut, zur Betrachtung der deutschen Situation, Marie Evertsson von der Universität Stockholm, zur Vorstellung der schwedischen Verhältnisse und Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Diskutiert wurden Anreizmodelle und Rahmenbedingungen sowie Vorhaben der Politik, welche in beiden Ländern mehr Partnerschaftlichkeit ermöglichen oder auch verhindern.

Deutschland – Quo Vadis?

In Deutschland gibt es mit den vielen ehe- und familienbezogenen Leistungen ein Bündel an unterschiedlichsten Instrumenten und Fördermaßnahmen, welche sich zum Teil gegenseitig widersprechen, so fördert das 2008 eingeführte Elterngeld mehr Partnerschaftlichkeit, gleichzeitig behindern das Ehegattensplitting und fehlende Kitaplätze die gleichmäßige Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit.

Von Schweden lernen?

In Schweden wurde bereits 1971 eine gemeinsame steuerliche Veranlagung von Ehepaaren abgeschafft, welche aber bis 1990 noch beantragt werden konnte. Im selben Zeitraum wurden Kinderbetreuungsplätze intensiv ausgebaut und ein Modell des Elterngeldes entwickelt. Heute ist es in Schweden vollkommen normal, dass Väter in Elternzeit gehen, es ist schon lange keine Besonderheit mehr sondern Alltagskultur.

„Supermama“ und „neuer Vater“

Ambivalente Anreizstrukturen von staatlicher, kultureller und arbeitsmarktpolitischer Seite machen es heute der Partnerschaftlichkeit in der Familie schwer. Neben fehlender Kinderbetreuung, dem Teilzeit- und Befristungsgesetz - hier fehlt das Rückkehrrecht auf Vollzeit - sind es eine Vielzahl kultureller Leitbilder, die Probleme bereiten.

Frauen schwanken zwischen omnipräsenter „Supermama“ und fürsorglicher Mutter, die mit dem Bild konfrontiert ist, nur in der Familie betreute Kinder können wachsen und gedeihen, der heutige Mann zwischen Zeit für die Kinder und Versorger der Familie. In Deutschland und weltweit kämpfen Männer mit Vorurteilen wie dem „Flexibility-Stigma“ und dem oft unausgesprochenen Bild der Omnipräsenz im Beruf, mit der Unsicherheit was wird aus meinem Arbeitsplatz, wie geht es nach meiner Rückkehr weiter. Dr. Possinger forderte daher eine genaue Analyse der bisherigen betrieblichen Maßnahmen für ArbeitnehmerInnen die in Elternzeit oder Teilzeit gehen wollen.

Flexibilisierung und Familienarbeitszeitmodelle

Eltern wünschen sich mehr Zeit für Kinder nicht nur in den ersten 12 bis 14 Monaten, sondern auch zu späteren Zeitpunkten, hier können Familienarbeitszeitmodelle und eine Flexibilisierung des Elterngeldes helfen. Eine flexibler gestaltete Arbeitswelt, die die Bedürfnisse von Menschen in Pflege- oder Familienzeit beachtet sowie eine ausgebaute Kinderbetreuung, sind wesentliche Faktoren, wie Katja Dörner als Resümee mitnehmen konnte.

Download: Präsentation Marie Evertsson und Präsentation Johanna Possinger

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