Arbeit und FamilieZeit für Zeit: Anders arbeiten - besser leben

Seite 4: Panel 2: Mehr Zeit-Souveränität für Beschäftigte

Dr. Laura den Dulk von der Erasmus Universität Rotterdam, Jörg Hofmann, 2. Vorsitzender der IG Metall, und Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik der grünen Bundestagsfraktion, diskutierten mit den Besucherinnen und Besuchern des Panels über die Frage, wie Beschäftigte mehr Souveränität über ihre Zeit gewinnen können. Ziel ist es, bessere Rahmenbedingungen für ein neues Normal-Arbeitsverhältnis im Sinne einer verschiedenen Lebensverläufen und Bedürfnissen gerecht werdenden Zeitpolitik zu schaffen.

Die Analyse war eindeutig: Die Forderung nach Flexibilität hat sich viel zu lange nur an die ArbeitnehmerInnen gerichtet. Zu Recht fordern nun immer mehr Beschäftigte, dass Arbeitszeitregelungen auch ihren individuellen Bedürfnissen besser gerecht werden und nicht nur denen der Arbeitgeber.

Durch die demografische Entwicklung und den wachsenden Fachkräftebedarf existiert derzeit ein historisches Zeitfenster, das wir nutzen müssen, um diesen formulierten Ansprüchen auch Taten folgen zu lassen. Denn von alleine stellen sich keine Verbesserungen in der Work-Life-Balance ein, hierfür sind konkrete Regelungen erforderlich. Politik und Sozialpartner stehen in der Verantwortung, dafür gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

In den Niederlanden ist Lebenslaufpolitik schon länger ein Begriff. Unser Nachbarland ist Spitzenreiter bei der Inanspruchnahme von Teilzeitbeschäftigungen. Den individuellen Arbeitszeitwünschen der ArbeitnehmerInnen scheinen die Niederlande dadurch besser gerecht zu werden. Allerdings haben sich auch in den Niederlanden kleine Teilzeitstellen als Karrierefalle vor allem für Frauen erwiesen. Es hat sich dort aber ebenso gezeigt, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit leichter ausdehnen können, je stärker sie über das Wie, Wann und Wo ihrer Erwerbsarbeit entscheiden können.

Mehr Einfluss auf die Gestaltung von Arbeitszeit und –ort kann auch für Deutschland ein gangbarer Weg sein - statt (kleiner) Teilzeit für immer kommt es dann zu bedarfsorientierten Arrangements auf Zeit. Hierfür müssen – beispielsweise mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeit und der überfälligen Abkehr von den Minijobs – die Voraussetzungen geschaffen werden. Demgegenüber wurde eine generelle Arbeitszeitverkürzung übereinstimmend als zu starr angesehen, da sie individuellen, sich im Lebensverlauf veränderten Bedarfen nicht gerecht werdend kann.

Auch Langzeitkonten können zu einer lebenslaufbezogenen Zeitpolitik beitragen. Allerdings haben sie sich bislang nicht durchsetzen können. Dies liegt einerseits an bestehenden Problemen wie der mangelnden Übertragbarkeit beim Arbeitgeberwechsel, andererseits an der noch nicht gewachsenen Kultur einer Zeit-Lebensplanung. Das ändert sich jedoch auch durch die zunehmenden tariflichen Vereinbarungen in diesem Bereich.

Ein möglicher Weg zu einer weiteren Verbreitung könnte darüber hinaus der schrittweise Ausbau der weit verbreiteten Arbeitszeitkonten zu Langzeitkonten sein. Dabei gilt es weiter zu diskutieren, wie auch Menschen mit niedrigen Einkommen und/oder unsteten Erwerbsbiografien davon profitieren könnten und wie kleine und mittlere Unternehmen bei der Einführung solcher Angebote unterstützt werden können.

Download: Präsentation Dr. Laura den Dulk

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