Arbeit und FamilieZeit für Zeit: Anders arbeiten - besser leben

Seite 5: Panel 3 "Füreinander - miteinander: Arbeit(szeit) neu gestalten"

Welche gesetzlichen Anreize setzen andere europäische Länder, um Familien flexiblere Arbeitszeiten im Sinne einer besseren work-life-balance zu ermöglichen und die Präsenzkultur am Arbeitsplatz aufzubrechen.

Sylvia Cleff Le Divellec, Unternehmensberaterin bei Altidem, stellte die 2010 in Frankreich eingeführte gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen vor, eine Betriebsvereinbarung in Verhandlung mit den Sozialpartnern zu verabschieden.

Diese sogenannte Zeitcharta umfasst unter anderem die Vereinbarung flexibler Arbeitszeiten, und hat in Frankreich zur breiten Befassung mit dem Thema der Vereinbarkeit geführt, sondern auch Modelle, wie die "horaire ilots" hervorgebracht.

Dieses Konzept einer großen Supermarktkette gibt Kassiererinnen die Möglichkeit sich in gegenseitigem Einvernehmen ihre Arbeitszeiten wie Zeitinseln je nach Bedarf selber auszusuchen. Das mittlerweile geflügelte Wort "c'est pas charte" ("das ist nicht Charta-gemäß"), um das Verhalten eines Vorgesetzen oder eine Unternehmenspolitik zu rügen, ist ein Ausdruck der Relevanz der Chartas in den Unternehmen.

Agnes Blome vom WZB Berlin betonte dabei auch, die Bedeutung positiver Vorbilder und Modelle - sei es in den Unternehmen oder der Gesellschaft - insbesondere durch eine frühe Einbindung der Väter bei den familienpolitischen Leistungen.

Sofie Geisel von der DIHK wendete ein, dass deutsche Unternehmen sich zunehmend mit der Frage von flexiblen Arbeitszeiten beschäftigten, in Deutschland aber noch viel aufzuholen sei. Ihr zufolge sei eine Bevorzugung von Familien, etwa bei der Verteilung von Arbeitszeiten durchaus nicht wesensfremd.

Marco Mareggi, Professor an der Polytechnischen Universität in Mailand, erläuterte das Beispiel der italienischen Zeitbüros, die einen integrierten Ansatz des Zeitmanagement verfolgen. Bei der Gemeinde oder Städten angesiedelt, haben die Zeitbüros das Ziel kommunale Zeit strukturell neu zu organisieren.

Was dies in der Praxis bedeutet, erläuterte Marco Mareggi anhand diverser Beispiele. In Mailand etwa wurde der Stau am Morgen durch die Umorganisation des öffentlichen Nahverkehrs verhindert, indem die Zeiten der Müllabfuhr, der Öffnungszeiten von Schulen und der Arbeitsbeginn sinnvoll koordiniert wurden.

Ähnlich der französischen gesetzlichen Regelung gaben die Zeitbüros einen breiten Anstoß für eine Diskussion um Arbeitszeiten und individuelle Zeitbedarfe. Deutlich wurde dabei auch, dass eine Vielzahl an Akteuren an der Zeitkultur einer Stadt oder Gemeinde beteiligt werden müssen.

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