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FinanzberatungFinanzberatung ohne Hintergedanken

Symbolhafte Darstellung einer Finanzberatung
Auch nach der Lehman Brothers Pleite ist das Beratungsgeschäft im Kern das gleiche geblieben: Banken verdienen durch Provisionen. Das bedeutet, dass KundInnen nicht das für sie beste Produkt bekommen.

Keine Zinsen mehr auf Sparguthaben bei der Bank, geringere Auszahlungen aus der Lebensversicherung als erwartet, riskante Geldanlagen, die sich in Luft auflösen: als KleinanlegerIn für das Alter vorzusorgen, wird gerade in der - aus der Finanzkrise resultierenden - Niedrigzinsphase zunehmend zur Herausforderung. Gleichzeitig leisten Finanzberatungen oft nicht, was sie versprechen.

Finanzberatungen weiter mangelhaft

Tausenden Leuten wurden vor der Lehman-Pleite Zertifikate verkauft, ohne dass diesen bewusst war, welche Risiken sie damit trugen. So wurden sie mit in die Insolvenz gezogen und verloren teils viel Geld. Sie erlangten mitunter als „Lehman-Omas“ traurige Berühmtheit und in einigen Banken wurden sie als AD-Kunden (alt und doof) verspottet. Doch 10 Jahre später sind Zertifikate immer noch nicht streng genug reguliert, und auch die Qualität der Finanzberatung ist nicht wirklich besser geworden.

Banken verdienen durch Provisionsberatung

Gerade erst wurden durch die Pleite von P&R Container, einem der großen Anbieter des grauen Kapitalmarkts, 54.000 AnlegerInnen geschädigt. Dabei hatten alle Fraktionen des Bundestages nach Lehman anerkannt, dass es bei der Beratung große Probleme gibt. Es gab zwar einige neue Dokumentations- und Transparenzpflichten, aber am Grundsatz, der Provisionsberatung, hat sich nichts geändert.

So sind die Einkommen der Banken und vieler Vermittler davon abhängig, wie viel sie verkaufen und nicht davon, wie gut sie beraten. Noch immer werden viel zu oft teure und zu riskante Produkte verkauft. Zudem spielt der Nachhaltigkeitsaspekt in der Regel keine Rolle.

Wir fordern:

  • eine Abkehr von der Provisionsberatung hin zur Honorarberatung (hier unser Antrag)
  • KundInnen in Verkaufsgesprächen verpflichtend zu fragen, welche Rolle ökologische, soziale und ethische Kriterien bei der Anlage spielen sollen (hier der Fraktionsbeschluss)
  • eine Aufsicht, die ihrem Verbraucherschutzmandat wirklich gerecht wird, notfalls auch mit Vertriebsverboten für intransparente und schädliche Produkte für PrivatanlegerInnen (hier der Fraktionsbeschluss)

Private und betriebliche Altersvorsorge

Anleger bekommen immer weniger von ihren Lebensversicherungen und betrieblicher Altersvorsorge. Auch die Zinsen auf Anleihen und das Sparguthaben sind auf niedrigem Niveau. Dies führt auch dazu, dass Menschen leichter auf hohe Renditeversprechen von unseriösen Anbietern eingehen oder in hochspekulative Projekte investieren, die eigentlich nicht für sie geeignet sind.

Auch Banken und Versicherer müssen risikoreicher anlegen, um (teils versprochene) Renditen zu erzielen. Und sollten Kunden dann noch ein hochverzinstes Anlageprodukt in den Händen halten, werden sie gerne von den Anbietern aus dem Vertrag gedrängt.

Anleger besser schützen

Neben ökonomischen Maßnahmen, welche darauf abzielen, die Niedrigzinsphase zu überwinden, machen wir uns dafür stark, dass die Lasten im aktuellen Umfeld fair verteilt werden und die Menschen besser vor unseriösen und nicht-tragfähigen Angeboten geschützt werden.

Hierzu ist unter anderem auch eine Aufsicht nötig, welche die Belange der AnlegerInnen stärker in den Fokus rückt. Auch die Unabhängigkeit und Haftung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Ratingagenturen muss verbessert werden.

Öffentlicher Fond für Basis-Altersvorsorge

Zudem wollen wir die Einführung eines Basisprodukts zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Andere Länder wie Schweden machen schon lange vor, dass ein öffentlicher Fonds ein effizienter Weg ist, die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu einem wichtigen Baustein zu machen und so einfacher den Lebensstandard im Alter halten zu können.

Wir fordern:

  • Aktionäre und andere Stakeholder wie Gläubiger müssen stärker in die Verantwortung genommen werden, wenn es um die Lastenverteilung bei Pensionskassen und Lebensversicherungen geht (hier der Fraktionsbeschluss).
  • Es müssen Sicherheitsstandards eingeführt werden, die alle Produkte des grauen Kapitalmarkts ab einer gewissen Größe erfüllen müssen und strukturierte Produkte wie Zertifikate müssen stärker regulieren (weitere Informationen).
  • Die Unabhängigkeit und Haftung von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Ratingagenturen muss verbessert werden, damit auf ihre Urteile mehr Verlass ist und sie im Zweifel zur Verantwortung gezogen werden können.
  • Wir brauchen ein öffentlich verwaltetes, einfaches und verständliches Produkt für die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Es soll ohne übermäßige Gebühren auskommen, Sicherheit bieten und ein Anlagemodell für alle sein (hier unser Fraktionsbeschluss).

Kontogebühren überteuert und intransparent

Die Niedrigzinsphase wurde von den Banken genutzt, um zunehmend über hohe Produktkosten ihre Gewinne zu stabilisieren oder gar auszubauen. Dies hatte zur Folge, dass beispielsweise nun fast alle Banken Geld für die Girokontenführung verlangen. Dass größte Problem ist aus unserer Sicht hierbei, dass durch viele kleinteilige Gebühren kaum jemand überblicken kann, welches Konto das richtige ist, geschweige denn einen Vergleich anstellen kann. Bei den Basiskonten, die sich insbesondere an finanzschwächere Menschen richtet, kommen zum Teil noch höhere Gebühren zum Tragen. In vielen anderen Bereichen sind die Produkte einfach zu teuer und liefern nicht die gewünschte Qualität. Auch viele Riesterprodukte, inklusive der Lebensversicherungen, bekommen ihre Kosten nicht in den Griff. Gerade bei Produkten, die staatlich gefördert werden, ist diese Bilanz nach mehr als 15 Jahren erschreckend.

Wir wollen:

  • bei Produkten für die notwendige Transparenz sorgen. So sollen bspw. bei einem Girokonten alle im Rahmen der Kontoführung üblichen Nutzungen im Entgelt enthalten sein (hier unser Antrag),
  • dafür sorgen, dass der Anspruch auf ein Konto für alle nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch wirklich in die Tat umgesetzt werden kann und Basiskonten zu angemessenen Preisen angeboten werden müssen (hier unser Antrag),
  • durch ein Altersvorsorge-Basisprodukt und die Honorarberatung dafür sorgen, dass sich der Druck auf die Anbieter erhöht und insgesamt sich eine bessere Produktqualität am Markt durchsetzt (hier der Fraktionsbeschluss)

Wir Grüne im Bundestag setzen uns für eine höhere Qualität in der Finanzberatung, bessere Anlageprodukte und eine faire Lastenteilung zwischen allen Beteiligten ein.

Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen rentabel und nachhaltig anlegen können. Bei Produkten und bei der Finanzberatung muss immer das Interesse der AnlegerInnen an erster Stelle stehen.

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